Hintergrund: AKW Temelin nach fünf Jahren Laufzeit weiter umstritten
- Rechnerfehler sorgt für erneute Störung im tschechischen AKW Temelin
- 20.000 Liter radioaktive Kühlflüssigkeit im AKW Temelin ausgetreten
- Erneut Störung in tschechischem Atomkraftwerk Temelin
- Erneut Defekt in tschechischem Atomkraftwerk Temelin
- Radioaktives Kühlwasser in Tschechiens AKW Temelin ausgelaufen
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Kritisiert wird besonders die wohl einzigartige Nachrüstung eines sowjetischen Reaktortyps mit US-Technik, die Zweifel an der Sicherheit weckt. Aber weder innenpolitische Diskussionen nach der Wende in der Tschechoslowakei 1989, noch aussenpolitischer Druck stoppten den 3,3 Milliarden Euro teuren Bau. Die einzige bedeutende Änderung erlebte der "Energie-Dinosaurier" 1993, als das für einen steigenden Strombedarf der CSSR geplante Atomkraftwerk von vier auf zwei Blöcke reduziert wurde. Einen völligen Baustopp lehnte der damalige Regierungschef Vaclav Klaus jedoch strikt ab.
Der heutige Staatspräsident durfte die Mehrheit der Bevölkerung auf seiner Seite wissen: In Umfragen sprechen sich regelmässig mehr als die Hälfte der Tschechen für Temelin aus. Viele Befürworter erwarten von dem "summenden Riesen", so die Bezeichnung einer Zeitung, günstige Strompreise und den Erhalt der Arbeitsplätze. Letzteres gilt aber keinesfalls für den nordböhmischen Braunkohle-Tagebau - hier müssen zahlreiche Kumpel den Grubenhelm für immer an den Nagel hängen, weil sich Tschechien von dieser Art der Energiegewinnung langsam verabschieden will.
Vor wenigen Tagen schickte Österreich, das selbst keine Atomkraftwerke betreibt, in Umsetzung eines bilateralen Abkommens von 2001 einen Expertenbericht über Temelin nach Prag. Obwohl darin von "Fortschritten in der Sicherheitskultur" gesprochen wird, "bleiben einige Fragen offen". Man gehe daher davon aus, dass "ein weiterer Austausch notwendig" sei, unterstreicht Wien.
Doch die tschechischen Behörden hegen ganz andere Gedanken - sie erwägen einen Ausbau der Kernenergie, und eine Variante ist die Erweiterung von Temelin. "Schliesslich ist das AKW einst für vier Blöcke geplant worden", bestätigte ein Ministeriumssprecher. Mit grossflächigen Protesten in Tschechien wäre kaum zu rechnen: Der einzige innenpolitische Gegner des Ausbaus, die tschechische Partei der Grünen, dümpelt um die Drei-Prozent-Marke und ist damit parlamentarisch bedeutungslos.
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