Freitag, der 14.: Was kostet uns die Ökoenergie?

dpa | 10.10.2011
Bild: Verschiedene Euroscheine und Münzen
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Berlin - Dieser Freitag könnte für viele Verbraucher ein unschönes Wochenende bedeuten. Denn dann wird bekanntgegeben, welche Mehrkosten für den Ausbau der Ökoenergie fällig werden. Die Umlage bezahlt jeder Verbraucher über den Strompreis. Experten rechnen damit, dass es teuer werden könnte, denn immer mehr Unternehmen werden aus der Pflicht genommen. 


Björn Klusmann schwant nichts Gutes. Der Geschäftsführer des Bundesverbands Erneuerbare Energien (BEE) befürchtet kommende Woche Attacken gegen die Ökoenergieförderung und neue Kosten-Nutzen-Debatten. Denn an diesem Freitag (14. Oktober) wird bekanntgegeben, wie hoch die über den Strompreis von den Verbrauchern zu zahlende Ökostromumlage für 2012 ausfallen wird.

Derzeit werden 3,5 Cent je Kilowattstunde Strom fällig, 2012 könnten es nach Schätzungen der Branche 3,8 oder mehr Cent sein. Für einen Durchschnittshaushalt könnten damit die Umlagekosten um mindestens 12 Euro steigen - was ein Euro pro Monat wäre. Ein Grund: Zum Stichtag 30. September war Deutschlands Ökostromkonto mit 711,2 Millionen Euro im Minus.

Verbraucher erwarten Mehrkosten

Das Girokonto mit den Einnahmen und Ausgaben für die Förderung von Energie aus Sonne, Wind, Wasser und Biomasse wird von den Betreibern der Stromautobahnen verwaltet. 2010 lagen die Netzbetreiber kräftig daneben: Das Konto war zum Jahresende mit 1,294 Milliarden Euro im Minus, weshalb dieses Jahr diese Summe von den Verbrauchern nachträglich bezahlt werden musste. Für einen Haushalt bedeutete der deutliche Umlagenanstieg je nach Anbieter Mehrkosten von etwa 70 Euro in diesem Jahr.

Schon seit langem dringen Wirtschaftspolitiker in der Union darauf, die teure Solarförderung zu kappen, die mit mehr als sechs Milliarden Euro bei einem überschaubaren Stromertrag fast die Hälfte der Förderung fresse. Eine höhere Umlage muss aber nicht unbedingt automatisch zu höheren Strompreisen führen, da die Nettopreise zuletzt eher sanken - also die Preise, ohne die 50 Prozent des Haushaltsstrompreises ausmachenden Steuern, Abgaben und Umlagen.

Schlupflöcher für Unternehmen

BEE-Geschäftsführer Klusmann macht auf einen Effekt aufmerksam, der in Zukunft an Bedeutung gewinnen wird. Es gebe eine "Flucht" von immer mehr energieintensiven Unternehmen aus der Umlage. Selbst bei hohen Zubauzahlen bei Solar- und Biogasanlagen sowie Windparks an Land und auf See müsste die im Erneuerbaren-Energien-Gesetz geregelte EEG-Umlage eigentlich auf 3,3 Cent fallen, hat der BEE errechnet.

Aber zum einen gibt es ein besonders Schlupfloch: So kaufte im Sommer das Unternehmen Saarstahl den Block 3 des Kohlekraftwerks im saarländischen Ensdorf - der Strom gilt dann als Eigenverbrauch und das Unternehmen ist von der Umlage befreit. Allein dieser Effekt, dass immer mehr stromfressende Unternehmen sich direkt in Kraftwerke einkaufen, erhöhe die Umlage um 0,31 bis 0,54 Cent, so der BEE.

Hinzu kommt, dass 650 energieintensive Unternehmen nur 0,05 Cent Ökostromumlage zahlen müssen. Ab 2013 soll dieser Kreis ausgeweitet werden. Statt einem Verbrauch von jährlich 100 Gigawattstunden sind dann nur noch 10 GWh nötig, um weitgehend befreit zu werden. "Immer weniger Schultern müssen die Umlage tragen", bilanziert Klusmann.

Kostensenkungen im Bereich erneuerbare Energien

Drohen durch die Energiewende und den geplanten Ausbau des Ökostromanteils auf 35 Prozent bis 2020 jedes Jahr höhere Kosten? Experten sind sich uneinig. Jochen Flasbarth, Präsident des Umweltbundesamtes (UBA), geht von einer mittelfristig eher sinkenden Umlage aus. "Wir haben im Bereich der erneuerbaren Energien Kostensenkungen, die wir vor einigen Jahren nicht für möglich gehalten haben", sagt er. Dies senke den Förderbedarf bei Neuanlagen.

Zudem gibt es einen paradoxen Effekt: Gerade im Frühjahr, als oft die Sonne schien, federte Ökostrom den Ausfall von acht Atommeilern ab - mehr Grünstrom dämpft den Großhandelspreis an der Börse. Dadurch wächst aber zugleich die Differenz zwischen dem an der Börse für den Ökostrom erzielten Beträgen und den auf 20 Jahre garantierten Einspeisevergütungen für Ökostromproduzenten. Da diese Differenz ausgeglichen werden muss, steigt die Umlage. Flasbarth betont, dass Anbieter günstigere Einkaufspreise an Kunden weitergeben müssten. Sie dürften die Umlage nicht als Vorwand für deutliche Erhöhungen nutzen. 



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