EU-Studie weckt Zweifel am Klima-Nutzen von Biosprit
Berlin/Brüssel - Laut einer Studie belastet Biosprit aus Raps, Palmöl oder Soja das Klima mitunter stärker als Treibstoffe aus Erdöl. Das ist das Resultat einer noch unveröffentlichte Untersuchung der EU-Kommission, wie die "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Montag) berichtete. Nur Biokraftstoffe aus Zuckerrohr, Zuckerrüben oder Mais schneiden klar besser ab als herkömmliche Kraftstoffe. Der Energiekommissar der Europäischen Union, Günther Oettinger, nahm dagegen den Mix von Biokraftstoffen als vergleichsweise klimafreundlich in Schutz.
In Deutschland steht besonders der Biosprit E10 in der Kritik, dem zehn Prozent Ethanol beigemischt werden und der von vielen Autofahrern verschmäht wird. Bis zum Jahr 2020 sollen zehn Prozent des Energieverbrauchs im Verkehr mit erneuerbaren Energien abgedeckt werden.
In der Studie würden nach Angaben der Zeitung erstmals auch die indirekten Folgen der Herstellung von Biokraftstoffen für deren Ökobilanz berücksichtigt. Dabei gehe es zum Beispiel darum, dass Regenwaldflächen brandgerodet werden, um auf den Flächen anschließend Pflanzen zur Biokraftstoffproduktion anzubauen.
"Der Mix von Biokraftstoffen, die wir benutzen, spart im Vergleich zu Benzin und Diesel CO2-Emissionen", ließ Oettinger im Gegenzug in Brüssel mitteilen. Schon heute seien gebräuchliche Biokraftstoffe umweltfreundlicher als fossile Brennstoffe, teilte Oettingers Sprecherin als Reaktion mit.
Im Jahr 2020 sollen sich 21 Prozent der klimaschädlichen Treibhausgase durch Biokraftstoffe einsparen lassen. "Dies ist der Fall, selbst wenn nichts unternommen wird, um den geschätzten indirekten Einfluss auf die Landnutzungs-Änderung abzumildern." Die Abholzung von Regenwäldern oder die Trockenlegung wertvoller Nassflächen werde durch bereits bestehende EU-Gesetze verhindert.
Der in der FAZ zitierten Studie zufolge schneiden nur Biokraftstoffe aus Zuckerrohr, Zuckerrüben oder Mais klar besser ab als herkömmliche Kraftstoffe. Die Biospritbranche warnte vor voreiligen Schlüssen: "Die Studie beruht auf Annahmen, die nicht realistisch sind", erklärte der Geschäftsführer des Verbandes der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB), Elmar Baumann. "Um mehr Rohstoffe herzustellen, wird in der realen Welt nicht die Anbaufläche ausgeweitet. Vielmehr wird der Ertrag auf den bestehenden Äckern gesteigert."
Der VDB betont, in Deutschland gebe es strenge Nachhaltigkeitskriterien. So dürften für den Anbau weder Regenwälder noch Torfmoore oder sonstige schützenswerte Flächen verwendet werden. Zudem müssten Biokraftstoffe mindestens 35 Prozent weniger Treibhausgase emittieren als fossile Kraftstoffe - vom Pflanzenanbau auf dem Acker, über Düngung, Transporte und Produktion des Kraftstoffs.
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