Bundesnetzagentur: Energiewende nur mit Netzausbau erfolgreich
Erfurt/Berlin - In Deutschland werden für eine erfolgreiche Energiewende mehrere Tausend Kilometer neue Leitungen benötigt, schätzt die Bundesnetzagentur. "Die jetzige Netzsituation ist ökonomisch ineffizient und ökologisch fragwürdig", sagte Matthias Kurth, der Präsident der Bundesnetzagentur, der "Thüringer Allgemeinen" (Mittwochausgabe).
Daher müsse das Netz innerhalb der kommenden vier Jahre mit Hilfe beschleunigter Planfeststellungsverfahren massiv ausgebaut werden. Andernfalls könne die energieintensive Industrie im Süden nicht mit dem Windstrom aus dem Norden versorgt werden.
Dabei sprach sich Kurth auch für die Fertigstellung der umstrittenen Hochspannungsleitung über den Rennsteig aus. "Wir müssen die Anwohner im Thüringer Wald überzeugen", sagte er. Zugleich zeigte er sich offen für eine sogenannte Transferabgabe an Transitländer, durch die über neue Leitungen der Strom transportiert wird, ohne dass sie selbst davon profitieren. "Eine solche Entschädigung kann die Akzeptanz erhöhen und wird kommen."
Zugleich bezeichnete Kurth die Warnung der Energiekonzerne vor Stromausfällen als seriös. Um die Versorgungsschwankungen der erneuerbaren Energien auszugleichen, seien zusätzlich konventionelle Kraftwerke mit fossilen Brennstoffen erforderlich. "Wer etwas anderes behauptet, verkennt die Lage", sagte der Behördenchef. Derzeit versuchten Netz- und Kraftwerksbetreiber, die Schwankungen durch Hoch- und Runterfahren der Werke auszugleichen. Zudem würden Wartungsarbeiten verschoben. "Wir verwalten seit Monaten faktisch den Mangel."
Netzbetreiber: "Wir sind am Limit"
Die Stromnetzbetreiber sehen mit dem Wegfall von acht Atomkraftwerken eine nur noch schwer zu beherrschende Situation erreicht. "Wir fahren die Netzen kontinuierlich am Limit", sagte der Geschäftsführer des Übertragungsnetzbetreibers Tennet, Martin Fuchs, am Mittwoch in einer Anhörung des Bundestags Umweltausschusses. Es gebe Stunden, in denen 8000 Megawatt Strom importiert werden müssten - das entspricht fast der Leistung von acht Atomkraftwerken.
Es bestünden hohe Schwankungen, betonte Fuchs. Während es 2003 noch zwei Eingriffe in die Stromproduktion pro Jahr zur Stabilisierung der Netze gegeben habe, seien es in den vergangenen Jahren durch die schwankende Ökostromproduktion etwa 300 pro Jahr gewesen.
Seit der Abschaltung von acht Kernkraftwerken im Rahmen des Moratoriums Mitte März seien es aber allein im Gebiet von Tennet 900 Eingriffe gewesen. Das führe zu Mehrkosten für die Netzbetreiber von bis zu 100 Millionen Euro pro Jahr.
Das Problem bei einem angestrebten Ökostromanteil von 35 Prozent bis 2020 sei, dass der Bedarf an wind- und sonnenarmen Tagen nur zu 5 Prozent mit erneuerbaren Energien gedeckt werden könnte, an anderen Tagen aber zu 180 Prozent. Daher müssten dringend Stromspeicher her.
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