Brüderle will ein "Internet der Energie"
Berlin - Angesichts der Herausforderungen, die die zunehmende dezentrale Stromproduktion mit sich bringt, hat Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) ein "Internet der Energie" gefordert. "Mit modernen Informations- und Kommunikationstechnologien können wir die Akteure vernetzen", erklärte Brüderle beim zweiten "E-Energy-Kongress" am Dienstag in Berlin. Dieser Prozess müsse jedoch europaweit stattfinden, ansonsten bleibe das Energie-Internet ein Intranet.
Bei dem Kongress wird branchenübergreifend über das Thema intelligente, computergesteuerte Netze beraten. Brüderle betonte, mit dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik sei ein guter Partner gefunden worden, um den Datenschutz dabei zu garantieren.
In sechs Modellregionen wird derzeit in Deutschland getestet, wie sich eine schwankende Stromproduktion und ein je nach Tageszeit unterschiedlicher Stromverbrauch per Computersteuerung aufeinander abstimmen lassen, um möglichst viel Energie einzusparen.
Verbraucher in Cuxhaven können dabei zum Beispiel automatisch selbst produzierten Strom, etwa durch Photovoltaikanlagen, ins Netz einspeisen. Zudem können Abnehmer sehen, wann Strom am günstigsten ist. So kauft ein energieintensives Kühlhaus besonders viel Energie, wenn diese gerade günstig ist, etwa nachts.
Brüderle betonte, nicht nur eine stärkere Vernetzung zwischen Strom- und Informationswirtschaft sei wichtig. So seien 3600 Kilometer neue Stromnetze notwendig. "Genauso wichtig wie der Ausbau, ist der Umbau der bestehenden Netze."
Der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Werner Schnappauf, sprach von revolutionären Entwicklungen, die zu bewältigen seien. "Durch den Einsatz moderner Informations- und Kommunikationstechnologien können bis zum Jahr 2020 weltweit 15 Prozent aller CO2-Emissionen und 600 Milliarden Euro Energiekosten eingespart werden", betonte Schnappauf.
Hildegard Müller, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), sprach den intelligenten Netzen eine Schlüsselrolle beim geplanten Umbau des Energiesystems auf eine fast vollständige Versorgung mit erneuerbaren Energien zu. Wichtig sei auch der Aus- und Umbau der Verteilernetze. Hier dürften allein bis 2030 Kosten von bis zu 25 Milliarden Euro anfallen, so Müller.
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