Billiges Öl belebt Konjunktur nicht

Washington - Die seit Monaten niedrigen Ölpreis geben nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds der Weltwirtschaft keinen Auftrieb. In einem am Donnerstag veröffentlichten Arbeitspapier kommen sie zu dem Schluss: Wegen einer bereits bis zum Anschlag gelockerten Geldpolitik könnte das Billigöl sogar kontraproduktiv wirken.

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Bild: Euromünzen als Zahnräder Bild: ©arahan/fotolia.com / Text: dpa-AFX

Viele Ökonomen sehen in den seit Monaten extrem niedrigen Ölpreisen eine Art Gratis-Konjunkturprogramm für die Weltwirtschaft. Denn die Industrie in den Ölimportländern kann billiger produzieren und die Verbraucher sparen beim Tanken, sodass sie mehr Geld für andere Ausgaben übrig haben. Zwar leiden andererseits die Ölexportländer unter den Dumping-Preisen. Da ihr Anteil an der Weltwirtschaft aber deutlich kleiner ist, dürfte das Billigöl unter dem Strich Balsam für die globale Konjunktur sein, so der Gedanke.

Überangebot drückt die Ölpreise

Aber so ist es dem IWF zufolge nicht. Im Gegenteil: Über die vergangenen Monate seien die Kurse an den Börsen tendenziell gefallen, wenn es am Ölmarkt bergab gegangen sei, schreiben die Experten. Und dieser Zusammenhang sei zuletzt noch deutlich stärker geworden. Dies wäre dann zu erwarten, wenn das Billigöl nur ein Symptom einer schwächelnden Nachfrage aufgrund einer Konjunkturflaute wäre. Dies ist aber derzeit nicht der Fall. Experten sind sich stattdessen einig, dass ein Überangebot die wesentliche Ursache der niedrigen Ölpreise ist.

Leitzinsen können nicht mehr sinken

Dass die Ölimportländer dennoch nicht vom Billigöl profitieren, liegt laut den IWF-Ökonomen daran, dass die Notenbanken mit ihrer extrem lockeren Geldpolitik bereits weitgehend am Ende sind. Normalerweise würden sie demnach in Zeiten schwacher Teuerung aufgrund des Billigöls die Zinsen senken, um die Inflation anzuschieben. Aber: "Weil die Leitzinsen nicht mehr weiter fallen können, führt der Rückgang der Inflation aufgrund geringerer Produktionskosten zu höheren realen Zinssätzen, die die Nachfrage dämpfen und sehr wahrscheinlich jeden Anstieg bei Produktion und Beschäftigung ersticken", so die Experten.

Der Effekt könnte sich laut den Ökonomen in Zukunft aber auch umkehren, sofern die Ölpreise wieder stiegen. Denn dann würde bei unveränderter Geldpolitik die Inflation anziehen. Die realen Zinsen gingen zurück und könnten die globale Wirtschaft in Schwung bringen.

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