Atomenergie erlebt in Europa Renaissance

dpa
Bild: Endlagersuche

Brüssel/Paris - Atomkraft ist in Europa wieder im Kommen. Der Totalausfall russischer Gaslieferungen durch die ukrainischen Pipelines veranlasst vor allem die Osteuropäer zu Gedankenspielen über den Bau neuer Meiler. Das Ziel, unabhängiger von russischen Öl- und Gaslieferungen zu werden, verfolgen Polen, Esten, Letten oder Slowenen aber schon länger. Und auch der Kampf gegen den Klimawandel verleiht der Nuklearenergie in Europa Aufwind. An der Speerspitze der Atombefürworter steht Frankreich, das seine Technologie gerne in alle Welt verkaufen möchte.


Auch bei vielen EU-Bürgern hat die Angst vor der Erderwärmung den Blick auf die Atomtechnologie geändert. Nach einer im britischen Wirtschaftsmagazin "Economist" veröffentlichten Umfrage ist die Zustimmung zur Atomenergie in der EU seit 2005 von 37 auf 44 Prozent gestiegen. Deutschland dagegen hat längst den Atom-Ausstieg beschlossen. Auch Österreich gibt sich Nuklearkraft-kritisch. Doch ob in Berlin das letzte Wort schon gesprochen wurde, darf bezweifelt werden. Auch in fast vier Jahren großer Koalition sind die Stimmen im Unionslager, die die Atomkraft befürworten, nie verstummt.

Die EU-Kommission mischt sich zwar offiziell nicht ein in den «Energiemix» der 27 Mitgliedstaaten. Die Brüsseler Behörde befürwortet aber offen die Atomkraft, die nicht nur klimafreundlich, sondern auch "eine der wirtschaftlichsten Energiequellen" sei, wie es heißt. Auch die Abhängigkeit von Russland könne so verringert werden, schließlich seien Uran-Quellen rund um den Erdball verteilt. Die Grünen im Europaparlament hingegen warnen vor "alten Rezepten". Der Grundstoff für die Brennstäbe müsse zu 99 Prozent importiert werden.

Umweltschützer betonen, dass Atomtechnologie zwar auf kurze Sicht umweltfreundlich erscheinen mag, aber das Problem der Endlagerung strahlender Abfälle noch lange nicht geklärt ist. Außerdem gilt jedes neue Atomkraftwerk als ein weiteres mögliches Ziel für terroristische Angriffe. Auch kommt es regelmäßig zu mehr oder weniger schweren "Zwischenfällen", beispielsweise im vergangenen Jahr im französischen Atomkraftwerk Tricastin, als Uran in das Grundwasser geriet.

Besonders im Visier der Umweltschützer sind derzeit Pläne von Bulgarien und der Slowakei, ihre unsicheren Meiler aus Sowjet-Bauart wieder hochzufahren. In ihren EU-Beitrittsverträgen hatten sich Sofia und Bratislava verpflichten, die veralteten Reaktoren von Kosloduj und Jaslovske Bohunice abzuschalten. Sie wieder ans Netz zu nehmen sei eine "Provokation", schimpft die Grünen-Abgeordnete Rebecca Harms. Die tschechische EU-Ratspräsidentschaft hat sich zu den Plänen noch nicht geäußert - wie Prag überhaupt im "Gaskrieg" bislang ein eher schwaches Bild abgibt.

Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy, dem der Abschied von der EU-Ratspräsidentschaft nicht ganz leicht fiel, hält sich mit Lösungsvorschlägen in der Gaskrise derzeit zurück. Schließlich ist Frankreich dank seiner Nuklearenergie kaum von der Gasblockade betroffen. Der Atomkonzern Areva mit seiner charismatischen Chefin Anne Lauvergeon ist eine Perle der französischen Industrie. Doch auch andere europäische Konzerne wie Enel aus Italien, CEZ aus Tschechien oder RWE könnten profitieren.

"Frankreich hat kein Öl, aber Ideen", mit diesem Spruch warb die französische Regierung bereits während der Ölkrise der 70er Jahre für ihre Atomkraftwerke. Sarkozy selbst wirbt auf Reisen weit über Europas Grenzen hinaus für den Atomexport - sehr zum Ärger von einigen EU-Partnern auch in Länder, die schon mit ihrem traditionellen Müll nicht sehr sorgfältig umgeben: Libyen, Algerien, Indien, China und Abu Dhabi sind nur einige der Kandidaten, die zunehmend ihren eigenen Atomstrom produzieren wollen.



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