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Bessere Verschlüsselung für De-Mail

Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: dpa

Berlin - Das bislang nur mäßig erfolgreiche rechtsverbindliche E-Mail-System De-Mail soll künftig eine durchgängige Verschlüsselung erhalten und damit attraktiver werden. Damit gehen die Anbieter auf das wichtigste Argument der Kritiker ein.

Dies werde ohne Zusatzkosten für die Anwender umgesetzt, kündigten die De-Mail-Anbieter Deutsche Telekom, Francotyp-Postalia sowie United Internet (1&1, GMX und Web.de) an. Private Anwender, Ämter und Unternehmen könnten damit per De-Mail künftig leichter vertrauliche Inhalte Ende-zu-Ende - also durchgehend vom Absender bis zum Empfänger - schützen. Die De-Mail ist eine E-Mail-Variante, die für elektronische Nachrichten an Behörden oder Unternehmen gedacht ist.

Unvollständige Verschlüsselung immer wieder bemängelt

Kritiker der De-Mail, darunter vor allem der Chaos Computer Club (CCC), hatten immer wieder bemängelt, dass die Verschlüsselung des Systems nicht vom Computer des Absenders bis zum Computer des Empfängers gelte. Die De-Mail-Anbieter reagieren nun auf diesen Vorwurf und werden das auch vom CCC anerkannte Verfahren PGP ("Pretty Good Privacy") für die Verschlüsselung einsetzen. Sie stützen sich dabei auf die offene Erweiterung "Mailvelope" für die Webbrowser Firefox und Google Chrome. Das Angebot soll im April starten.

"Champions League der Sicherheit"

De-Mail-Nutzer hätten bislang auch schon ihre Mails verschlüsseln können, sagte Dirk Backofen, Leiter Marketing Geschäftskunden bei der Telekom. "Dies erforderte aber ein gewisses technisches Know-how." Künftig werde dies für alle Kunden möglich sein. Wenn ein Absender seine Mails mit PGP verschlüsselt, können die Provider nicht mehr die Inhalte sehen. In diesem Fall entfalle auch die Überprüfung der Mail-Anhänge, um Computerviren und andere Schadprogramme herauszufiltern. Die Anbieter verfügten auch nicht über den Schlüssel, um eine unlesbare Nachricht zu entschlüsseln. "Wir spielen damit in der Champions League der Sicherheit", sagte Hans Szymanski, Vorstandssprecher der Francotyp-Postalia Holding AG.

Zugriffe zur Kriminalitätsbekämpfung nötig?

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) erklärte, Verschlüsselung sei eine wichtige Vorsetzung dafür, damit Deutschland wie in der Digitalen Agenda vorgesehen bei der Nutzung digitaler Dienste eine Vorreiterrolle einnehmen kann. Die Bundesregierung lehne das Einbauen von Hintertüren in Verschlüsselungssysteme ab, sagte Stefan Paris, der im Innenministerium für Cybersicherheit zuständig ist. "Es schlagen hier zwei Herzen in unserer Brust. Wir sind für die IT-Sicherheit verantwortlich und da benötigen wir eine gute Verschlüsselung, hundert Prozent ohne irgendwelche Abstriche. Auf der anderen Seite wollen wir als Sicherheitsministerium, dass der Kriminalität über das Netz Einhalt geboten wird." Dazu müssten Sicherheitsbehörden wie das Bundeskriminalamt oder der Verfassungsschutz zumindest vor oder nach der Verschlüsselung nach den Regeln der sogenannten Quellen-TKÜ auf die Inhalte zugreifen.

De-Mail soll mehr Kunden ansprechen

Um schneller eine kritische Masse an De-Mail-Anwendern aufzubauen, vereinfachen die Anbieter auch das Anmeldeverfahren. Bislang mussten die Kunden ihre Identität mit dem Personalausweis bestätigten. Künftig kann man sich auch über ein existierendes Bankkonto anmelden. "Bankkunden müssen sich bei der Eröffnung ihrer Konten bereits auf hohem Niveau ausweisen. Das können wir ausnutzen", sagte Backofen. Mit einem Online-Bankkonto könnten Kunden sich bei De-Mail vom Computer aus anmelden.

Die De-Mail war auf der Technik-Ausstellung IFA 2012 als sichere Alternative zur herkömmlichen E-Mail in Deutschland eingeführt worden. "Bequem wie die Mail, aber rechtsverbindlich und sicher wie der unterschriebene Brief", lautete das Versprechen der Anbieter. Bürger können über das System mit Banken, Versicherungen oder anderen Unternehmen Geschäftsbriefe per Mail abwickeln. Inzwischen laufen auch in großen Organisationen wie der Deutschen Rentenversicherung oder bei der Bundesagentur für Arbeit Projekte, um Papierpost durch Digitalbriefe via De-Mail zu ersetzen. Das Innenministerium geht davon aus, dass bis Ende 2015 bis zu 200 weitere Behörden und Einrichtungen des Bundes über De-Mail kommunizieren können.

Neben der Sicherheit sei für die Anwender der De-Mail wichtig, Zeit und Geld zu sparen, betonte Francotyp-Postalia-Manager Szymanski. Ein Standardbrief verursache insgesamt Kosten in Höhe von "mindestens 1,50 Euro". Eine De-Mail schlage dagegen mit insgesamt maximal 30 Cent inklusive aller Nebenkosten zu Buche. Große Unternehmen könnten damit Millionenbeträge einsparen.