Gaspreise in Deutschland
Günstiges Erdgas, das lange Zeit als billigste Form des Heizens galt und entsprechend angepriesen wurde, gibt es heute kaum noch. Die Gaspreise für Privatkunden unterliegen besonders in der Heizperiode starken Schwankungen.
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Steigende Gaspreise trotz Liberalisierung
Die Entwicklung der Gaspreise war bei der offiziellen Liberalisierung des Gasmarktes vor zehn Jahren nicht abzusehen – durch Privatisierung und schärferen Wettbewerb hoffte man auf sinkende und dauerhaft niedrige Gaspreise.
Doch dafür waren die Liberalisierungsbemühungen nicht stark genug. Die Politik verließ sich auf die Selbstregulierung der bestehenden Monopolversorger, welche an einem einfachen und schnellen Netzzugang ihrer Konkurrenten jedoch kein Interesse hatten. So wurden Marktgebiete abgeschottet und bürokratische Hürden für jede Art von Wettbewerb errichtet. Die Gaspreise begannen immer weiter zu steigen.
Es hat bis zum Jahr 2006 gedauert, bis Privatkunden die Möglichkeit bekamen, sich für einen alternativen Gasanbieter zu entscheiden. Die Anbieterlandschaft ist mittlerweile vielfältiger: Verbraucher können derzeit zwischen 25 Anbietern auswählen. Die Gaspreise der alternativen Versorger sind zwar häufig günstiger als die der regionalen Versorger, das Preisniveau ist im Vergleich zur Vergangenheit jedoch nach wie vor hoch.
Gaspreise an Ölpreis gekoppelt
Die Gasversorger berufen sich bei den jährlichen Erhöhungen der Gaspreise stets auf international gestiegene Beschaffungspreise und die so genannte Ölpreisbindung, nach der sich die Gaspreise an den Rohölpreisen orientieren. Die Ölpreisbindung ist kein Gesetz oder ein internationaler politischer Vertrag, sondern eine brancheninterne Vereinbarung der Gasproduzenten, -importeure und -versorger. Internationale Gashändler aus Russland, Norwegen und den Niederlanden halten an dieser Preisformel fest, obwohl der ursprüngliche Grund für ihre Existenz – die Verhinderung einer Konkurrenzsituation zwischen den Rohstoffen Öl und Erdgas - nicht mehr gegeben ist.
Was die Gasversorger gerne verschweigen, ist die Tatsache, dass auf der langen Handelsroute von den Erdgasproduzenten zu den Verbrauchern eine ganze Reihe von verschiedenen Formeln für Gaspreise zum Zuge kommen, die nicht immer an die internationalen Rohölpreise gebunden sind. Für Privatkunden in Deutschland sind die Gaspreise beispielsweise an leichtes Heizöl gekoppelt, da dies als der potentielle Ausweichbrennstoff angesehen wird. Ob das hohe Niveau der Gaspreise aufgrund der Ölpreisbindung gerechtfertigt ist, oder ob die Ferngashändler und Endversorger diese als Argument für unberechtigte Gewinne verwenden, kann nur durch eine komplette Offenlegung der Kalkulationen dieser Versorger ermittelt werden, worum derzeit vor mehreren Gerichten gekämpft wird.
Grundsatzurteil des Bundesgerichtshofes
Erst im November 2008 hatte der Bundesgerichthof (BGH) in einem Grundsatzurteil eine zukünftige staatliche Kontrolle der Gaspreise ausgeschlossen und setzt stattdessen nun auf intensivere kartellrechtliche Maßnahmen. Dem Urteil zufolge kann der jeweilige Kunde gegen die einzelnen Erhöhungsschritte seines Versorgers gerichtlich vorgehen. Der entsprechende Gasanbieter muss sich daraufhin eine kartellrechtliche Überprüfung der Erhöhung seiner Gaspreise gefallen lassen.

