Gutachten: Atomkraftwerke nicht gegen Flugzeugabsturz gesichert

dpa
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München/Philippsburg (dpa/lsw) - Die Atomkraftwerke Philippsburg I (Kreis Karlsruhe) und Obrigheim (Neckar-Odenwald-Kreis) sind einer Studie zufolge nicht gegen Flugzeugabstürze gesichert. In einem vertraulichen Gutachten der Gesellschaft für Reaktorsicherheit (GRS) heisst es zu den Kraftwerkstypen: "Keine explizite Auslegung gegen Flugzeugabsturz". Insgesamt sechs deutsche Kernkraftwerke seien bei ihrer Planung nicht gegen einen Terrorangriff mit Passagierflugzeugen ausgelegt.

Der Sprecher des baden-württembergischen Umweltministeriums, Hans Klöppner, sagte am Donnerstag auf Anfrage, Atomkraftwerke seien erst seit 1974 direkt gegen Flugzeugabstürze ausgelegt worden - vier Jahre nach dem Baubeginn in Philippsburg. "Die Gefahr ist aber kein Kernkraftwerksproblem, sondern ein Flugzeugproblem", sagte Klöppner. Es müsse verhindert werden, dass ein Flugzeug überhaupt auf ein Atomkraftwerk stürzen könne. Das Land fordere schon seit langem vom Bund ein Gesamtschutzkonzept. Die Terrorismusbekämpfung sei eine gesamtstaatliche Aufgabe und könne nicht auf Länderebene gelöst werden.

Zu den sechs aufgeführten Atomkraftwerken gehören drei Siedewasserreaktoren: neben Philippsburg I die typgleichen Meiler Isar I bei Landshut und das in der Nähe Hamburgs gelegene Brunsbüttel. Bei diesem Kraftwerkstyp sind nach GRS-Einschätzung die schwersten Schäden bei einem Luftangriff mit einer Passagiermaschine zu erwarten - einschliesslich der Freisetzung von Radioaktivität. Die drei anderen Atomkraftwerke sind Druckwasserreaktoren: neben Obrigheim auch Biblis A (Hessen) und Stade (Niedersachsen).

Der Atomkritiker Klaus Traube, der in den 60er Jahren an der Entwicklung des Typs von Siedewasserreaktoren beteiligt war, sagte am Donnerstag: "Die Fachwelt hat die Möglichkeit eines Flugzeugabsturzes auf ein Atomkraftwerk überhaupt erst ab 1970/71 erfasst. Damals fielen die Starfighter wie Fliegen vom Himmel." Es gebe aber eine Reihe von Anlagen, die vorher bereits genehmigt waren. Traube arbeitete damals nach seinen Angaben als Direktor des Bereichs Siedewassereaktoren bei AEG.

Die GRS berechnete die Folgen eines Terrorangriffs mit drei unterschiedlich grossen Passagierflugzeugen (Boeing 747, Airbus A 300 und Airbus A 320) bei zwei verschiedenen Aufprallgeschwindigkeiten von 100 Meter pro Sekunde (360 km/h) und 175 Meter pro Sekunde (630 km/h). Beim Aufprall auch des kleinsten der drei Flugzeugtypen sei die "Beherrschung fraglich", heisst es in einer Übersichtstabelle. "Fraglich" sind die Folgen auch, wenn ein Triebwerk die Gebäudewand des Reaktors durchdringt. Mit einer "erheblichen Freisetzung" von Radioaktivität sei unter Umständen auch zu rechnen, wenn Wrackteile das Reaktordach treffen und beschädigen.

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