Bezugsrecht bezeichnet das Recht einer bestimmten Person, die Leistungen einer Versicherung zu empfangen – in der Regel handelt es sich bei dieser Person um den Versicherungsnehmer. Es gibt hier aber auch Ausnahmen. Bei einigen Versicherungen wäre es zum Beispiel wenig sinnvoll, wenn der Versicherungsnehmer selbst Leistungen in Anspruch nimmt. In solchen Fällen wird eine andere Person als Bezugsberechtigter vermerkt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Prinzipiell liegt das Bezugsrecht zunächst beim Versicherungsnehmer. Ergibt sich daraus jedoch kein zweckmäßiges Versicherungsverhältnis, kann auch eine andere Regelung in Kraft treten.
  • Wahlweise kann ein Bezugsrecht bewusst unwiderruflich gestaltet werden. Dies muss jedoch ausdrücklich erwünscht sein – automatisch greift eine solche Regelung bei keiner Versicherung.
  • Bei einer Haftpflichtversicherung schützt der Versicherer den Versicherungsnehmer bei Schadensersatzansprüchen Dritter vor Vermögensnachteilen.

Beispiele für die Übertragung des Bezugsrechts

Prinzipiell liegt das Bezugsrecht zunächst beim Versicherungsnehmer. Ergibt sich daraus jedoch kein zweckmäßiges Versicherungsverhältnis, kann auch eine andere Regelung in Kraft treten. Das ist beispielsweise bei einer Haftpflichtversicherung der Fall. Hier kommt eine Versicherungssumme bei einem Schaden einer dritten Person zugute und nicht dem Versicherungsnehmer selbst.

Bei einer Risikolebensversicherung ist die Vergabe des Bezugsrechts an jemand anderen natürlich ebenfalls geboten. Es gibt darüber hinaus auch Fälle, in denen der Versicherungsnehmer gezwungen wird, sein Bezugsrecht weiterzugeben. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn ein verschuldetes Haus Schäden erleidet. Die Summen aus der Feuerversicherung oder anderen Versicherungen ist hier dem Hypothekengeber auszuzahlen. Gleiches gilt auch bei einer Vollkaskoversicherung für ein Auto, bei der der Leasinggeber als Bezugsberechtigter gilt.

Widerrufen des Bezugsrechts

Wird keine anderweitige Regelung getroffen, so gilt ein vergebenes Bezugsrecht zunächst als widerruflich. Es kann also im Nachhinein noch geändert werden, sofern der Versicherungsfall noch nicht eingetreten ist. Voraussetzung ist hierbei aber, dass der Versicherer eine entsprechende Erklärung vor Eintritt des Versicherungsfalls erhält. Kommt diese zu spät oder gar nicht an, so bleibt auch das Bezugsrecht unverändert.

Wahlweise kann ein Bezugsrecht auch bewusst unwiderruflich gestaltet werden. Dies muss jedoch ausdrücklich erwünscht sein – automatisch greift eine solche Regelung bei keiner Versicherung. Zur Anwendung kommt das unwiderrufliche Bezugsrecht vor allem im Gewerbe, um Gesellschafter abzusichern. Ein weiteres Beispiel ist die betriebliche Altersvorsorge. Das unwiderrufliche Bezugsrecht für den Arbeitnehmer stellt hier sicher, dass der Arbeitgeber das hierfür zurückgelegte Geld nicht für andere Zwecke nutzt.

Das Bezugsrecht bei Lebensversicherungen

In erster Linie findet das Bezugsrecht für dritte Personen bei Lebensversicherungen Anwendung. Der Versicherungsnehmer sichert damit die wirtschaftlichen Verhältnisse seiner Nächsten ab, falls ihm etwas zustößt. Dabei kann es sich prinzipiell um eine beliebige Person handeln, von der Ehefrau über die eigenen Kinder bis hin zu Freunden und Bekannten.

Verstirbt ein Bezugsberechtigter, erhält grundsätzlich der Versicherungsnehmer wieder das Bezugsrecht, sofern es sich um ein widerrufliches Bezugsrecht handelt. Bei einer unwiderruflichen Regelung geht das Bezugsrecht hingegen an die Erben des Berechtigten über. Verstirbt der Versicherungsnehmer einer Lebensversicherung, hat der Bezugsberechtigte einen sofortigen Anspruch auf die Versicherungsleistung – die Erben können das Bezugsrecht nicht mehr ändern, auch wenn es widerruflich ist. Lediglich wenn der Bezugsberechtigte nichts von seinem Bezugsrecht weiß, können die Erben dieses widerrufen.

Sonderfälle und Beachtenswertes beim Bezugsrecht

Bei einer Haftpflichtversicherung schützt der Versicherer den Versicherungsnehmer bei Schadensersatzansprüchen Dritter vor Vermögensnachteilen. Der Versicherte selbst erhält jedoch keinerlei Zahlung und gilt so nicht direkt als Bezugsberechtigter. Vielmehr kümmert sich die Versicherung selbst um etwaige Auszahlungen, sodass der Bezugsberechtigte nicht genau festgelegt ist. Auch rechtlich handelt es sich hier um eine Ausnahme.

Wichtig für den Versicherungsnehmer ist es vor allen Dingen, das Bezugsrecht am besten gleich bei Abschluss einer Versicherung zu klären. Ergeben sich die Verhältnisse nicht schon aus der Versicherung selbst, wie es etwa bei einer Krankenversicherung der Fall ist, sollte der Bezugsberechtigte sofort vermerkt werden. Damit ist sichergestellt, dass auch bei einem frühzeitigen Versicherungsfall Auszahlungen die richtigen Personen erreichen. Auf diese Weise lassen sich Streitfälle vermeiden.