Wohngebäude-Versicherung zahlt nicht: Was tun?

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Jede Wohnimmobilie benötigt eine Wohngebäude-Versicherung, die für Schäden durch Brand, Unwetter oder Leitungswasseraustritt aufkommt. Doch manchmal gibt es Ärger mit dem Versicherer, wenn dieser im Schadensfall Abzüge vornimmt oder die Leistung verweigert.

Das Wichtigste in Kürze

  • Wenn der Versicherungsnehmer gegen vertragliche Pflichten verstößt oder ein Schaden nicht im Deckungsumfang der Versicherung enthalten ist, kann diese ihre Leistung kürzen oder verweigern.
  • Ob eine Leistungskürzung erfolgt oder die Wohngebäude-Versicherung jegliche Zahlung ablehnt, hängt von der individuellen Konstellation des Versicherungsfalles ab.
  • Mit einer Beschwerde beim Versicherungs-Ombudsmann oder auf dem Rechtsweg können Verbraucher gegen die Entscheidung einer Versicherung vorgehen, wenn sie diese nicht akzeptieren.

Wohngebäude-Versicherung zahlt nicht: Wann kann das vorkommen?

Bei Schäden am Eigenheim durch Unwetter, Feuer oder austretendes Leitungswasser können schnell hohe Summen zusammenkommen. Umso gravierender ist es dann, wenn die Versicherung die Regulierung des Schadens ganz oder teilweise verweigert. Mit solchen Problemen können sich Versicherungsnehmer unter bestimmten Umständen konfrontiert sehen.

Hausrat statt Bausubstanz

Über die Wohngebäude-Versicherung sind die Bestandteile des Gebäudes versichert, nicht jedoch Einrichtungsgegenstände. Ausschlaggebend ist in der Regel die Frage, ob der betreffende Gegenstand fest mit der Gebäudesubstanz verbunden ist oder nicht. Damit gilt beispielsweise: Ein Einbauschrank ist von der Gebäudeversicherung abgedeckt, während ein frei aufgestellter Kleiderschrank zum Hausrat zählt. Wer im Schadensfall Kosten bei der Gebäudeversicherung für Hausrat geltend macht, muss damit rechnen, dass der Versicherer diese nicht übernimmt.

Nur Starkwind statt Sturm

Bei Sturmschäden zahlen Gebäudeversicherungen in der Regel nur dann, wenn der Sturm mindestens Windstärke 8 erreicht hat. Wenn sich bei Starkwind unterhalb dieser Grenze bereits Dachziegel lösen, muss die Versicherung die daraus resultierenden Schäden nicht übernehmen.

Grobe Fahrlässigkeit

In vielen Versicherungsverträgen behält sich die Wohngebäude-Versicherung vor, bei grober Fahrlässigkeit die Leistung zu kürzen oder ganz zu verweigern.

Verletzung der Obliegenheit

Ein Versicherungsnehmer hat im Schadensfall nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten, die man in der Fachsprache auch als Obliegenheit bezeichnet. Dazu zählt etwa die Ergreifung geeigneter Maßnahmen zur Begrenzung des Schadens – etwa das schnellstmögliche Abdrehen des Hauptwasserhahns nach der Entdeckung eines Leitungswasserschadens. Wer dies versäumt, muss unter Umständen mit einer Leistungskürzung rechnen.

Unterversicherung

Größere Umbaumaßnahmen oder Anbauten, die den Wert des Gebäudes maßgeblich erhöhen, muss der Eigentümer der Wohngebäude-Versicherung melden. Ist zum Zeitpunkt des Schadensfalls der tatsächliche Gebäudewert deutlich höher als der versicherte Wert (Unterversicherung), darf die Versicherung anteilige Kürzungen vornehmen. Das gilt auch dann, wenn die Schadenssumme geringer ist als der Versicherungswert.

Welche Abzüge kann die Versicherung vornehmen?

Eine Leistungsverweigerung im Schadensfall kann unterschiedliche Dimensionen annehmen. Je nachdem, in welchem Umfang der Versicherte gegen seine Pflichten verstoßen hat und welcher Ausschlussgrund vorliegt, kann eine Kürzung in einer der nachfolgenden Varianten erfolgen:

  • Ablehnung der Versicherungsleistung. Wenn ein besonders schwerwiegender Grund wie beispielsweise Brandstiftung durch den Eigentümer vorliegt, kann die Versicherung die Leistung komplett verweigern.
  • Kürzung der Versicherungsleistung. In diesem Fall übernimmt die Versicherung nur einen Teil des Schadens. Dies kann etwa bei einer Obliegenheitsverletzung der Fall sein, wenn aufgrund eines Versäumnisses durch den Versicherungsnehmer zusätzlicher Schaden entstanden ist.
  • Ablehnung einzelner Schadensposten. Wer im Schadensfall Kosten für die Ersatzanschaffung von beschädigtem Hausrat geltend macht, hat davon auszugehen, dass die Wohngebäude-Versicherung diese Posten bei der Regulierung herausstreicht.

Wohngebäude-Versicherung zahlt nicht: Was kann ich tun?

Wenn die Wohngebäude-Versicherung die Leistung kürzt oder überhaupt nicht zahlt, kann dies für den Versicherungsnehmer einen großen finanziellen Verlust bedeuten. Besonders ärgerlich sind Fälle, in denen der Versicherte das Gefühl hat, dass die Versicherung zu strenge Maßstäbe angelegt hat und die erwartete Leistung zu Unrecht nicht erbringt. Wer Kürzungen oder Leistungsverweigerungen nicht akzeptieren will, hat zwei Möglichkeiten, um gegen die Entscheidung des Versicherers vorzugehen.

Versicherungs-Ombudsmann

Als Ombudsmann bezeichnet man eine neutrale Schiedsstelle, die Vorschläge zur außergerichtlichen Lösung von Konflikten erarbeitet. Die deutschen Versicherungsunternehmen finanzieren eine Ombudsmann-Schiedsstelle, die strittige Fälle unabhängig von den Interessen einzelner Versicherer prüfen soll.

Versicherungskunden können sich an den Ombudsmann wenden, ohne dass ihnen dafür Kosten entstehen. Bis zu einem Streitwert von 10.000 Euro ist die Entscheidung für das Versicherungsunternehmen bindend, während der Verbraucher frei entscheiden kann, ob er diese akzeptiert oder lieber doch noch den Rechtsweg beschreitet. Die Adresse und Kontaktdaten sind auf der Internetseite www.versicherungsombudsmann.de zu finden.

Klage vor Gericht

Jedem Versicherungsnehmer steht es frei, gegen die Entscheidung seiner Versicherung rechtlich vorzugehen, wenn er sich ungerecht behandelt fühlt. Allerdings trägt der Kläger das Kostenrisiko, wenn er keine Deckungszusage seiner Rechtsschutzversicherung hat – dann nämlich muss er nicht nur die eigenen Anwalts- und Gerichtskosten, sondern auch diejenigen des Gegners übernehmen, wenn er den Prozess verliert.

Finanziellen Engpass überbrücken

Stehen nach dem Schaden kostspielige Reparaturen an und reicht die "eiserne Reserve" dafür nicht aus, kann ein Ratenkredit Abhilfe schaffen. Die gute Nachricht ist: Immobilienbesitzer, die einen Kredit zur wohnwirtschaftlichen Verwendung aufnehmen wollen (Wohnkredit), erhalten bei einigen Banken besonders günstige Konditionen. Im folgenden Rechner können Sie Ratenkredite zur freien Verwendung mit Wohnkrediten vergleichen.

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