Starkregen: So schützen Sie Ihr Haus vor Schäden

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Der Sommer hat auch schlechte Seiten: Gewitter mit Starkregen setzen ganze Ortschaften unter Wasser. Man kennt die dramatischen Bilder mit vollgelaufenen Kellern und entsetzten Bewohnern, die ihr Hab und Gut nicht in Sicherheit bringen konnten. Wie Hausbesitzer Schäden vorbeugen und welche Versicherungen den Schaden bezahlen.

Bei Starkregen ist eine Elementarschadenversicherung notwendig

"Diese Wetterphänomene sind eine Folge des Klimawandels, die uns wohl über längere Zeit begleiten", sagt Prof. Norbert Gebbeken, Präsident der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau. "Bauherren und Hausbesitzer sind gut beraten, Know-how aus den klassischen Hochwassergebieten zu übernehmen und ihr Haus so gut wie möglich wasserfest zu machen." Das verlangen mitunter auch die Versicherungen, die solche Schäden absichern.

Bei Schäden am Haus durch Starkregen springt die Elementarschadenversicherung ein. Hausbesitzer sollten sie als Baustein immer in die Gebäudeversicherung einschließen. Ist durch eindringendes Wasser das Inventar in Mitleidenschaft gezogen, ist dies ein Fall für die Hausratversicherung. Aber auch hier muss der Baustein Elementarschutz zusätzlich vereinbart sein. Mindestens für Bewohner des Erdgeschosses ist das dringend empfohlen. Oder wenn wertvoller Hausrat im Keller lagert.

«Die Höhe der Versicherungsprämie hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie vom Wert des Hauses, der Bauart oder der Lage», sagt Claudia Frenz vom Bund der Versicherten (BdV). Häuser in Risikolage werden häufig nur bei einer hohen Prämie versichert. Hier ist oft eine hohe Selbstbeteiligung vereinbart, um eine erschwingliche regelmäßige Belastung zu erreichen.

Individuelles Risiko ermitteln

Wie groß das Unwetterrisiko für ein Haus ist, lässt sich beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) nachsehen. Einfach Adresse beim Naturgefahren-Check eingeben.

Der GdV schätzt, dass 99 Prozent der deutschen Privathäuser «problemlos versicherbar» sind.

Wichtige Klausel: die grobe Fahrlässigkeit

Nicht immer aber zahlt die Versicherung. Zum Beispiel, wenn bei Starkregen und Sturm alle Fenster geöffnet waren. «Schwierig wird es immer dann, wenn der Versicherungsnehmer elementare Vorsichtsmaßnahmen missachtet hat», sagt Christian Ponzel vom GDV. Dann übernimmt die Versicherung womöglich nur einen Teil der Kosten. Frenz vom BdV rät aus diesem Grund, bei Vertragsabschluss darauf zu achten, dass in dem Versicherungstarif auf den Einwand der «groben Fahrlässigkeit» verzichtet wird.

Das Haus richtig schützen

Man muss das ganze Haus im Blick haben, also nicht nur Keller und Erdgeschoss, sondern auch das Dach.

Kellerfenster sollten druckdicht sein oder abgemauert werden. Aber selbst mit dieser Absicherung gilt: "Besteht die Gefahr, dass Wasser eindringt, eignet sich das Untergeschoss nicht als Wohn- oder Arbeitsraum", sagt Prof. Gebbeken. "Man muss immer bedenken, dass der Keller im Ernstfall schnell ausgeräumt werden kann. Besser als eine Hausbar mit Holzvertäfelung ist ein Funktionsraum mit Industriefußboden und wasserfestem Anstrich."

In den Hochwassergebieten haben Hauseigentümer oft Halterungen für mobile Barrieren vor Fenstern und Türen. "Das ist auch bei Starkregen und Überflutung eine gute Möglichkeit, das Wasser abzuhalten", erklärt Gebbeken. Sein Tipp: "Man sollte in ruhigen Zeiten überlegen, wo solche Barrieren nützlich sein könnten und sie gleich bereitlegen."

Rückstauklappen schützen bei Überschwemmung

Häufig gelangt das Wasser auch nicht direkt, sondern als Rückstau aus dem Kanalnetz ins Haus. "Das Wasser sucht sich nach dem Prinzip der kommunizierenden Röhren immer den tiefsten Punkt, zum Beispiel den ungesicherten Bodenablauf im Keller, den Waschmaschinenanschluss oder die Toilette im Erdgeschoss", erklärt Andreas Braun vom Zentralverband Sanitär Heizung Klima. Das Wasser drückt sich dadurch hoch und hinein ins Haus.

Liegt dieser tiefste Punkt unter dem Straßenniveau, muss der Hausbesitzer die Entwässerungsanlage extra gegen Rückstau sichern - mit sogenannten Rückstauklappen. Je nach Gebäudegeometrie ist auch eine Abwasserhebeanlage sinnvoll. Sie leitet das Abwasser rückstausicher ab oder pumpt es auf ein höheres Niveau, wo es in die Sammelleitung abfließen kann.

"Das ist Standard bei den Entwässerungssystemen", sagt Braun. "Hausbesitzer sind verpflichtet, sich gegen rückstauendes Wasser aus dem Kanalnetz abzusichern, auch in Gebieten, wo es bislang keine Starkregen gab." Haben sie das bisher nicht getan, müssen sie nachrüsten. Die meisten Gebäudeversicherungen machen hier klare Vorgaben und haben starke Ausschlusskriterien.

Auch das Dach leidet bei Starkregen

Nicht nur Fluten sind ein Problem bei starken Gewittern. "Bei Starkwindereignissen können Dachabdichtungen, Dachdeckungen sowie Aufbauten beschädigt werden und Niederschlagswasser in die Dachkonstruktion eindringen", erklärt Philip Witte vom Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks.

Nicht immer werden solche Beschädigungen von den Hauseigentümern gleich erkannt, so dass unbemerkt über einen längeren Zeitraum Regen eindringt. Das bietet Schimmelpilzen und im Extremfall holzzerstörenden Pilzen optimale Wachstumsbedingungen.

Nach starkem Regen ist die Entwässerung der Dachfläche, insbesondere bei Flachdächern, sehr wichtig, um Schäden zu vermeiden. "Bei einer Verstopfung der Dachabläufe und der Notentwässerung, zum Beispiel durch Laub, kann im Extremfall das Wasser auf der Dachfläche so weit ansteigen, dass Anschlusshöhen nicht mehr ausreichen und das Wasser unkontrolliert abfließt", erklärt Witte.

Sein Tipp: Da viele bestehende Gebäude mit Flachdächern oder Dachterrassen keine Notentwässerungen haben, sollten diese im Zuge einer Gebäudesanierung nachgerüstet werden.

Balkone sind ebenfalls ein Schwachpunkt bei Starkregen

Auch Balkone muss man im Blick haben. "Sie können nur eine bestimmte Höchstlast tragen", sagt Braun. "Steht zu viel Wasser drauf, weil große Gefäße oder ein Kinderplanschbecken volllaufen, können sie bei starkem Niederschlag sogar abbrechen." Hier muss man also die statischen Grundvoraussetzungen beachten.

Schäden können zu Mietminderung berechtigen

Mieter sollten wissen: Wenn die Wohnung auf Grund der Unwetterschäden nur eingeschränkt oder gar nicht nutzbar ist, gibt es das Recht auf Mietminderung, erklärt der Mieterverein München. Der Mangel muss dem Vermieter aber vorher angezeigt werden. Gut ist es, wenn Mieter die Schäden dazu auch dokumentieren.

Je nach Ausmaß sind unterschiedliche Minderungen möglich. Ist die Wohnung unbewohnbar, kann die Miete um 100 Prozent gekürzt werden. Sind die Schäden weniger groß, fällt auch die Mietminderung geringer aus.

Was ist Starkregen?

Von Starkregen ist die Rede, wenn in kurzer Zeit viel Niederschlag vom Himmel fällt. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) unterteilt Starkregen in drei Stufen:

  1. Regenmengen von 15 bis 25 Liter pro Quadratmeter in 1 Stunde oder 20 bis 35 Liter pro Quadratmeter in 6 Stunden. In diesem Fall spricht der DWD eine markante Wetterwarnung aus.
  2. Regenmengen über 25 Liter pro Quadratmeter in 1 Stunde oder über 35 Liter pro Quadratmeter in 6 Stunden. Der DWD spricht eine Unwetterwarnung aus.
  3. Regenmengen über 40 Liter pro Quadratmeter in 1 Stunde oder über 60 Liter pro Quadratmeter in 6 Stunden. Der DWD spricht eine Warnung vor extremem Unwetter aus.