Pflichtversicherung gegen Elementarschäden: Vier von fünf Hausbesitzern dafür – Politik kommt nicht voran
Stand: 15.07.2026
Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox
Am 14. und 15. Juli jährt sich die Hochwasser-Katastrophe im Ahrtal und anderen Teilen Deutschlands zum fünften Mal. Das Unglück entfachte jahrealte Diskussionen über eine Elementarschaden-Pflichtversicherung für Hausbesitzer neu. Auch fünf Jahre nach der Flut spricht sich mit 81 Prozent noch eine breite Mehrheit der Hausbesitzer für eine solche Versicherungspflicht aus. Das zeigt eine repräsentative Umfrage des Vergleichsportals Verivox. Eine Mehrheit macht sich ebenfalls nach wie vor Sorgen vor Hochwasserkatastrophen vor der eigenen Haustür. Politisch hat sich seit der Ahrtalkatastrophe hingegen wenig bewegt.
Mehrheitliche Befürwortung seit Jahren stabil
81 Prozent der Hausbesitzerinnen und -besitzer in Deutschland befürworten eine Pflichtversicherung gegen Elementarschäden. Damit bleibt die Zustimmung zur Versicherungspflicht auch unabhängig vom Eindruck aktueller Hochwasser hoch. Seit 2022 – dem Jahr nach der Flutkatastrophe im Ahrtal – befragt das Meinungsforschungsinstitut Innofact im Auftrag von Verivox jährlich Hausbesitzer, wie sie zu einer Versicherungspflicht stehen. Damals sprachen sich 79 Prozent dafür aus. Die Zustimmungsquote blieb über die Jahre stabil, zuletzt befürworteten im vergangenen Jahr 78 Prozent der Hauseigentümer einen obligatorischen Versicherungsschutz. Bislang ist die Versicherung ein freiwilliger Zusatz zur Wohngebäudeversicherung.
Auch die Sorge vor Großschadenereignissen vor der eigenen Haustür ist nur leicht rückläufig: 58 Prozent der Hausbesitzer befürchten, dass Naturkatastrophen wie im Ahrtal zukünftig auch in ihrer Region häufiger auftreten könnten. Im vergangenen Jahr äußerten sich 61 Prozent besorgt, 2022 waren es 69 Prozent.
"Der Klimawandel ist in der öffentlichen Diskussion in den Hintergrund gerückt", sagt Aljoscha Ziller, Geschäftsführer der Verivox Versicherungsvergleich GmbH. "Die jüngsten Hitzewellen könnten den Verbrauchern in Deutschland allerdings erneut die Unberechenbarkeit des Klimas eindrücklich vor Augen geführt haben."
Hohe Kosten in Hochrisikogebieten
Seit Jahren wird in der Politik über die Einführung einer Elementarschaden-Pflichtversicherung diskutiert. Im letzten Jahr nahm die aktuelle Bundesregierung deren Einführung in den Koalitionsvertrag auf. Ende Juni dieses Jahres forderten die Ministerpräsidenten der Länder die Bundesregierung dazu auf, zeitnah Eckpunkte für die Einführung vorzulegen. Bislang unterstützen Bund und Länder Betroffene nach Großschadenereignissen häufig mit Steuergeldern.
Versicherer berechnen die Kosten einer Elementarschadenversicherung auf Basis des Naturgefahren-Risikos am Wohnort. Für Bewohner von Hochrisikogebieten kann die Police sehr teuer werden, sofern sie überhaupt ein geeignetes Angebot finden. Viele Versicherer verweigern in besonders gefährdeten Gebieten die Vertragsannahme.
Wer muss und kann für den Versicherungsschutz zahlen?
Wie viel Hausbesitzer für angemessenen Versicherungsschutz zu zahlen bereit wären, ist sehr unterschiedlich: Im Schnitt würden die Hausbesitzer Gesamtkosten von 225 Euro im Jahr tolerieren. Rund jeder Achte (12 Prozent) gibt jedoch auch an, keine weiteren Kosten mehr für sein Wohneigentum tragen zu können, 23 Prozent wollen keine weiteren Kosten schultern.
"Wenn die Pflichtversicherung eingeführt werden soll, muss die Politik ein Konzept vorlegen, wie sich alle Hausbesitzer zu zumutbaren Kosten versichern können", sagt Aljoscha Ziller. "Eine Elementarschaden-Pflichtversicherung würde auch die Versicherer verpflichten, jedem Hauseigentümer ein Angebot zu unterbreiten. Ohne ein tragfähiges Deckungskonzept können sie das jedoch nicht leisten."
Bund muss beim Hochwasserschutz tätig werden
Die Versicherungswirtschaft fordert Bund und Länder immer wieder dazu auf, mehr Maßnahmen zum Hochwasserschutz zu ergreifen. In dieser Sache stimmen ihr die deutschen Hauseigentümer zu. In der Verivox-Umfrage sagen 84 Prozent, die Politik müsse dringend in den Hochwasserschutz investieren. 67 Prozent der Befragten sind zudem für ein Verbot von Neubauten in besonders hochwassergefährdeten Gebieten, beispielsweise an Flussufern.
Als Lösung für eine höhere Versicherungsdichte schlägt der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) ein sogenanntes Opt-Out-Modell vor. Demnach soll der Elementarschutz grundsätzlich Bestandteil der Wohngebäudeversicherung werden, Versicherungsnehmer sollen dem Einschluss jedoch widersprechen können. Dieser Vorschlag wird von einer überwiegenden Mehrheit von 74 Prozent unterstützt.
Ob die Versicherungspflicht in der aktuellen Legislaturperiode noch vorangetrieben wird, bleibt wegen der vielen aktuellen Herausforderungen abzuwarten. Bei der Frage, wie hoch die Bundesregierung die Pflichtversicherung priorisieren sollte, sind die deutschen Hausbesitzer zwiegespalten: Nur eine knappe Mehrheit (58 Prozent) sagt, dass sich die Politik diesem Thema widmen sollte, auch wenn es aktuell wichtigere Herausforderungen gibt.
Methodik
Im Auftrag von Verivox hat das Marktforschungsinstitut Innofact Anfang Juli 2026 insgesamt 1.054 Hauseigentümer befragt. Die Ergebnisse sind repräsentativ für private Hausbesitzer im Alter von 18 bis 79 Jahren, die selbst in ihrer Immobilie wohnen und in ihrem Haushalt für Entscheidungen rund um den Abschluss von Versicherungen zumindest mitverantwortlich sind.