Bild: Kabel und Glasfaser ©Péter Mács/fotolia.com

Vectoring

Mit dem neuen Vectoring-Verfahren erleben altgediente Kupferleitungen eine Renaissance. Hohe Geschwindigkeit, bessere Verfügbarkeit und geringe Kosten für Ausbau und Verbraucher – die Bilanz könnte sehr postitiv ausfallen. Trotzdem gibt es auch kritische Stimmen und Aspekte zu Vectoring.

Weshalb Vectoring für Verbraucher interessant ist

Seit nunmehr mehreren Jahrzehnten baut das deutsche DSL-Leitungsnetz auf das gute alte Kupferkabel. Was früher aufgrund der ausschließlich analogen Telefonienutzung absolut ausreichend war, ist seit der Internet-Einführung und der verstärkten Nutzung der Kupferkabel als Datenleitung nicht mehr zeitgemäß und bedarf der Modernisierung. VDSL knüpft an diesem Punkt an und bietet mit einer Glasfaser-Verbindung zwischen Netzbetreiber und Kabelverzweiger (DSLAM) hohe Datendurchsatzraten und größtmögliche Stabilität. Im Gegensatz zu einem reinen Glasfaseranschluss wie FTTH wird das letzte Stück zwischen örtlicher Verteilerstation und Verbraucheranschluss bei VDSL jedoch mit dem Kupferkabel überbrückt. Hier treten in der Folge Probleme auf, die die Einführung von Vectoring sinnvoll und nötig machen.

Vectoring als Erweiterung von VDSL

Durch die hochfrequente Nutzung der Kupferleitungen kommt es durch entstehende elektromagnetische Wellen zu Störsignalen und Beeinträchtigungen innerhalb der im Kabelbündel benachbarten Kabelstränge. Ganz praktisch zeigt sich dies im Fall des „Übersprechens“ (englisch: Crosstalk) und beim rasanten Verlust von Internetgeschwindigkeit bei Entfernungen von mehreren hundert Metern zwischen DSLAM und Internet-Anschluss. Da diese Probleme aufgrund der Eigenschaften der Kupferkabel als gegeben zu betrachten sind, wird mit Hilfe der Vectoring-Technik Abhilfe geschaffen. Mit einer Aufrüstung des VDSL durch das Vectoring-Verfahren können Interferenzen kompensiert, die Möglichkeiten zum Erhalt schneller Breitbandanschlüsse erhöht und der Internet-Speed von bereits an VDSL angeschlossenen Haushalten verbessert werden.

Funktionsweise von VDSL-Vectoring

Bei Vectoring werden obige Probleme behoben, indem unter anderem Kabelverzweiger aufgerüstet werden. Durch die Kodierung der Kanäle können Internet-Anbieter dann das Kabelbündel managen und so Störsignale verhindern und Beeinträchtigungen in Geschwindigkeit und Verfügbarkeit verringern. Da es beim Vectoring jedoch erforderlich ist, dass das Kabelbündel in seiner Gesamtheit gesteuert wird, folgt daraus, dass ein Anbieter die Hoheit über sämtliche Kabelstränge und damit Anschlüsse innehaben muss. Dieser Umstand führt unweigerlich zu Unmut bei Anbietern, welche früher Anschlussleitungen bei der Deutschen Telekom zu Selbstvermarktungszwecken gemietet hatten und sich nun vom Wettbewerb ausgeschlossen fühlen.

Die Aufrüstung auf VDSL-Vectoring ist vergleichsweise einfach wie günstig: Örtliche Kabelverzweiger müssen umgebaut und auf das Vectoring-System angepasst werden. Im Heimnetzwerk muss der Verbraucher keine Veränderungen vornehmen – sofern das von ihm verwendete Modem den VDSL-Standards entspricht.

Vectoring-Vorteile nicht von der Hand zu weisen

Für Anbieter wie Verbraucher birgt das Vectoring-Verfahren zahlreiche Vorteile: Provider können bestehende Leitungen nutzen und Vectoring-Technologie kostengünstig implementieren. Dadurch ermöglichen sie eine höhere Internetgeschwindigkeit beim Endkunden und können damit mit der klassischen DSL-Leitung Kabelnetzbetreibern und deren Kabel-Internet-Angeboten Paroli bieten. Vor allem der Kostenaspekt wiegt schwer: Durch den teuren und aufwendigen Glasfaser-Ausbau, der durchschnittlich mit rund 2400 Euro pro angeschlossenem Teilnehmer zu Buche schlägt, fehlte es bislang an soliden DSL-Angeboten, um Kabel-Internet Konkurrenz zu machen.

Für Verbraucher ist besonders der Anstieg der möglichen Datendurchsatzraten vorteilhaft: Vectoring verdoppelt mit rund 100 Mbit/s im Downstream statt der 50Mbit/s vom klassischen VDSL die potenzielle Geschwindigkeit und verbessert gleichzeitig Qualität und Verfügbarkeit von VDSL. Auch sinkt durch Vectoring die Entfernungsabhängigkeit zum nächsten Outdoor-DSLAM, sodass auch in mehreren hundert Metern Entfernung auch noch Hochgeschwindigkeits-Internet ermöglicht wird. Wurde VDSL noch als Übergangs-Technologie auf dem Weg zum kompletten Glasfaser-Anschluss gesehen, hat sich dieses Bild mit Vectoring zumindest teilweise relativiert: Mit dem neu aufkommenden ITU-T-Standard G.fast können, basierend auf der VDSL-Vectoring-Technologie, Datenübertragungsraten von bis zu 1 Gbit/s (1000 Mbit/s) erreicht werden.

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