Gorleben: hunderte Atomkraftgegner protestieren für Atomausstieg

07.06.2010 | 14:00

Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: AFP

Gorleben - Am Wochenende haben hunderte Atomkraftgegner vor dem geplanten atomaren Endlager Gorleben für den Atomausstieg demonstriert. Ein Protestzug umzingelte am Samstag symbolisch das sogenannte Erkundungsbergwerk. Das teilte die Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg mit. Zwei Demonstranten wurden vorübergehend in Gewahrsam genommen. Berichte über Verletzte hingegen bestätigte die Polizei nicht.

Anlass für die von Freitag bis Sonntag dauernden Proteste in Gorleben war der 30. Jahrestag der Räumung des Hüttendorfs "Republik Freies Wendland", in dem sich in den achtziger Jahren Atomkraftgegner im Protest gegen das Endlager wochenlang niedergelassen hatten. An den Demonstrationen am Wochenende nahmen nach Polizeischätzungen bis Samstag etwa 650 Menschen teil, die Proteste dauerten am Sonntag an. Laut Polizei waren mehrere hundert Beamte im Einsatz.

Während der Proteste wurden am Samstag zwei Demonstranten vorübergehend in Gewahrsam genommen. Einer der Männer habe versucht, den Maschendrahtzaun um das Erkundungsbergwerk zu beschädigen, sagte eine Polizeisprecherin am Sonntag. Als die Beamten gegen den Mann vorgingen, seien sie von einem zweiten Demonstranten attackiert worden. Bei der Auseinandersetzung habe die Polizei einen Schlagstock und Reizgas eingesetzt, sagte die Sprecherin. Die beiden Demonstranten wurden demnach nach Feststellung ihrer Personalien wieder auf freien Fuß gesetzt. Laut Polizei gab es keine Verletzten, die Organisatoren der Demonstration sprachen hingegen von zwölf verletzten Demonstranten.

Die Proteste richten sich auch gegen Pläne der Bundesregierung, die Laufzeiten der Atomkraftwerke zu verlängern und Gorleben als möglichen Endlager-Standort weiter zu erforschen. Die Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken über das unter Rot-Grün im Atomkonsens vereinbarte Maß hinaus ist ein zentrales energiepolitisches Vorhaben der Regierungskoalition aus Union und FDP. Im Gespräch sind verschiedene Varianten mit Verlängerungen von bis zu 28 Jahren. Dies würde heißen, dass das letzte Atomkraftwerk von heute an gerechnet erst in etwa 40 Jahren abgeschaltet würde. Die schwarz-gelbe Koalition will ihre Entscheidung über die künftige Energiepolitik möglichst Ende Juli treffen.