EnBW darf Atomkraftwerk Neckarwestheim trotz Hitze am Netz lassen

21.07.2006 | 16:55

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Neckarwestheim (dpa) - Der Energiekonzern EnBW darf trotz einer weiteren Erhitzung des Neckars das Atomkraftwerk Neckarwestheim (Kreis Heilbronn) vorerst weiter am Netz lassen. Das Umweltministerium hob nach einem Antrag der EnBW vom Donnerstag am Freitag den Grenzwert für die vorgeschriebene Wassertemperatur um 0,5 auf 28,5 Grad Celsius an. EnBW hatte am Donnerstag allerdings einen Spielraum bis 29,5 Grad beantragt. Demnach darf nun Block II des Atomkraftwerks bis zu einer Wassertemperatur von 28,5 Grad die volle Leistung fahren. Block I muss ab diesem Wert die Leistung um 50 Prozent drosseln. Bereits am Freitag hatte sich die Temperatur des Neckar der 27-Grad-Marke genähert. Das Wasser ist für die Kühlung der Kraftwerke nötig und darf deshalb keine zu hohe Ausgangstemperatur haben.

Die Grünen im Landtag lehnten die hitzebedingte Sondergenehmigung an die EnBW aus ökologischen Gründen ab. "Es kann nicht sein, dass die Profitinteressen eines Stromkonzerns höher wiegen als Grenzwerte, die dazu da sind, das Ökosystem des Neckars im Gleichgewicht zu halten", sagte der energiepolitische Sprecher, Franz Untersteller.

Die anhaltende Hitzewelle mache zunehmend auch den Gewässern im Land zu schaffen, sagte Umweltministerin Tanja Gönner (CDU). "Die Lage ist noch nicht dramatisch. Bei einzelnen Kennzahlen rücken jedoch die kritischen Marken in Sichtweite", sagte Gönner. Mit steigenden Temperaturen drohe das ökologische Gleichgewicht in den Gewässern zu kippen. "Je höher die Wassertemperatur, desto geringer ist die Sauerstoffaufnahmefähigkeit des Wassers." Werde in den Flüssen Rhein und Neckar eine Temperatur von mehr als 28 Grad Celsius erreicht, seien die Energieversorger gezwungen, die Leistung der Kraftwerke zu drosseln beziehungsweise Kraftwerke abzuschalten.