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Deutschland hat die vierthöchsten Strompreise der Welt

Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox

Heidelberg. Die Strompreise in Deutschland zählen weiterhin zu den höchsten der Welt. Im zweiten Quartal dieses Jahres liegt die Bundesrepublik auf Platz vier der teuersten Länder und unter den G20-Staaten sogar an der Spitze. Auch unter Berücksichtigung der Kaufkraft bleibt Strom hierzulande teuer. Das zeigt eine Preisanalyse von 144 Ländern, die das Vergleichsportal Verivox mit Daten des Energiedienstes Global Petrol Prices durchgeführt hat.

Irland hat den teuersten Strom

Den höchsten Strompreis im internationalen Vergleich zahlen private Haushalte in Irland. Im zweiten Quartal 2026 kostete eine Kilowattstunde dort 42,6 Eurocent. Platz zwei belegt Bermuda mit 38,8 Cent, gefolgt von Belgien mit 37,4 Cent. Deutschland liegt mit 35,6 Cent auf Rang vier. Vor fünf Jahren waren die deutschen Strompreise mit durchschnittlich 31,8 Cent pro Kilowattstunde noch die höchsten der Welt. Seither ist der Preis um rund zwölf Prozent gestiegen.

Am anderen Ende der Rangliste steht Kuba. Dort kostet eine Kilowattstunde umgerechnet lediglich 0,51 Cent. Auch in Äthiopien liegt der Strompreis mit 0,64 Cent bei unter einem Cent je Kilowattstunde. In sechs weiteren Ländern kostet Strom nominal weniger als zwei Eurocent je Kilowattstunde: Myanmar, Ägypten, Angola, Kirgisistan, Irak und Bhutan.

Im weltweiten Durchschnitt kostet Strom aktuell 15,1 Cent und damit 30 Prozent mehr als noch 2021 (11,62 Cent).

Deutschland teuerster G20-Staat

Besonders deutlich werden die hohen deutschen Strompreise im Vergleich der wirtschaftsstärksten Industrie- und Schwellenländer. Unter den G20-Staaten ist Strom in Deutschland mit 35,6 Cent je Kilowattstunde am teuersten. Es folgen Italien mit 34,5 Cent und Großbritannien mit 32,4 Cent. Der Durchschnitt der G20-Staaten liegt bei rund 16,3 Cent. Verglichen damit ist in Deutschland der Strom mehr als doppelt so teuer.

Auch der Abstand zu anderen großen Volkswirtschaften ist erheblich. In Frankreich kostet eine Kilowattstunde 23,3 Cent, in den USA 18,3 Cent und in Kanada 10,6 Cent. Noch deutlich niedriger sind die Preise in China mit 6,7 Cent, in der Türkei (6,6 Cent) und in Indien (6,3 Cent). Saudi-Arabien bildet mit 4,6 Cent das Schlusslicht. Deutsche Haushalte zahlen damit nominal mehr als fünfmal so viel für eine Kilowattstunde wie Verbraucher in China oder Indien.

"Die Strompreise in Deutschland gehören zu den höchsten weltweit. Das liegt auch daran, dass die Stromproduktion selbst nur etwa ein Drittel des Strompreises für Haushalte ausmacht. Zwei Drittel entfallen auf Stromnetzgebühren sowie Steuern, Abgaben und Umlagen", sagt Thorsten Storck, Energieexperte bei Verivox.

Sierra Leone mit höchstem kaufkraftbereinigtem Strompreis

Ein anderes Bild ergibt sich, wenn die Strompreise unter Berücksichtigung der jeweiligen Kaufkraft in den einzelnen Ländern betrachtet werden. Dann verlieren hohe nominale Preise in wohlhabenden Staaten teilweise an Gewicht, während Strom in Ländern mit geringerer Kaufkraft im Verhältnis deutlich teurer wird.

An der Spitze stehen dann Sierra Leone mit 96,6 kaufkraftbereinigten Dollarcent je Kilowattstunde und Ruanda mit 93,7 Dollarcent. Auch Rumänien (79,4 Dollarcent), die Philippinen (75,3 Dollarcent) und Guatemala (74,9 Dollarcent) liegen bei dieser Betrachtungsweise weit vorne.

Deutschland kommt auf 50,1 Dollarcent pro Kilowattstunde und bleibt damit auch unter Berücksichtigung der Kaufkraft vergleichsweise teuer, fällt im internationalen Ranking allerdings von Platz vier auf Platz 24 zurück. Der Vergleich zeigt: In mehreren wohlhabenden Ländern ist Strom gemessen an der jeweiligen Kaufkraft deutlich günstiger als hierzulande. In Kanada liegt der kaufkraftbereinigte Strompreis rund 71 Prozent unter dem deutschen Niveau, in Island um 67 Prozent, in Israel um 62 Prozent und in Norwegen um 59 Prozent. Auch in Südkorea, den USA und Finnland ist Strom kaufkraftbereinigt rund 57 bis 58 Prozent günstiger.

Methodik

Die Strompreise für 144 Länder (Stand: 2. Quartal 2026) wurden bereitgestellt von Global Petrol Prices (GPP). GPP analysiert die Preisangebote von ausgewählten Stromanbietern und erstellt daraus einen nationalen Durchschnitt. Um den länderspezifischen Besonderheiten (Marktanteile, Durchschnittsverbräuche) gerecht zu werden, beziehen die Ökonomen von Global Petrol Prices auch die Daten staatlicher Behörden mit ein. Analysiert werden ausschließlich Länder, für die Daten aus mehreren unabhängigen und vertrauenswürdigen Quellen verfügbar sind.

Um zusätzlich das unterschiedliche allgemeine Preisniveau der Länder zu berücksichtigen, hat Verivox in einer zweiten Rechnung die Strompreise mithilfe des von der Weltbank 2025 veröffentlichten Kaufkraftparitäts-Umrechnungsfaktors in die gemeinsame Recheneinheit "International Dollar" umgerechnet. Für sechs Länder wurden mangels aktuellerer Werte Daten aus dem Jahr 2024 verwendet; für drei Länder lag kein entsprechender Datenpunkt vor. Der KKP-Umrechnungsfaktor berücksichtigt Unterschiede im allgemeinen Preisniveau, indem er angibt, wie viele Einheiten der jeweiligen lokalen Währung benötigt werden, um eine vergleichbare Menge an Gütern und Dienstleistungen zu kaufen.