Bundesregierung kürzt Stromnetz-Subventionen: Verbrauchern drohen Mehrkosten im kommenden Jahr
Stand: 27.07.2026
Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox
Heidelberg. Laut einem Regierungsentwurf soll der Zuschuss zu den Übertragungsnetzkosten von 6,5 Milliarden in diesem Jahr auf 5,5 Milliarden Euro im kommenden Jahr sinken. Durch die Kürzung der Subventionen und die gleichzeitig gestiegenen Börsenstrompreise könnten im kommenden Jahr die Strompreise steigen.
Niedrigere Subvention führt zu moderatem Preisanstieg
Der Zuschuss zu den Übertragungsnetzentgelten von 6,5 Milliarden Euro für das Jahr 2026 hat den durchschnittlichen Strompreis für die deutschen Haushalte um rund 1,7 Cent pro Kilowattstunde netto sinken lassen.
Fällt davon eine Milliarde Euro weg, ist im kommenden Jahr ein Anstieg von etwa 0,25 Cent netto pro Kilowattstunde (kWh) zu erwarten. Das entspricht einem Anstieg der durchschnittlichen Stromnetzgebühren für Haushalte von rund 3 Prozent. Das ist das Ergebnis einer Analyse des Vergleichsportals Verivox.
Da die Netzentgelte rund 29 Prozent des Strompreises ausmachen, würden die durchschnittlichen Strompreise für Haushalte allein dadurch rechnerisch um rund 1 Prozent ansteigen. Ob die Stromrechnung der Verbraucher am Ende teurer wird, hängt aber auch davon ab, ob Versorger die Mehrkosten weiterreichen.
Ein Drei-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 4.000 kWh würde dann rund 12 Euro mehr pro Jahr zahlen, Paare mit einem Jahresverbrauch von 2.800 kWh würden um rund 8 Euro mehr belastet, bei einem Single-Haushalt mit 1.500 kWh wären es rund 5 Euro mehr.
"Je nach Wohnort kann die Erhöhung der Netzentgelte deutlich stärker, aber auch gar nicht ins Gewicht fallen", erklärt Thorsten Storck, Energieexperte bei Verivox. "Denn Netzgebiete, in denen selbst viel Strom erzeugt wird, sind weniger abhängig von den Übertragungsnetzentgelten. Dort käme entsprechend weniger von der Mehrbelastung an als in Netzgebieten, in denen weniger Strom erzeugt wird."
Stromnetzgebühren innerhalb von fünf Jahren um ein Viertel höher
Innerhalb der letzten fünf Jahre sind die durchschnittlichen Stromnetzgebühren für Haushalte in Deutschland um rund 23 Prozent angestiegen. Für einen Drei-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 4.000 kWh entspricht das zusätzlichen Kosten von rund 81 Euro (brutto). Besonders stark war der Anstieg von 2023 auf 2024, als eine geplante Milliardensubvention der Übertragungsnetzentgelte aufgrund eines Urteils des Bundesverfassungsgerichtes wegfiel. In den Jahren 2025 und 2026 sind die Stromnetzgebühren dank neuer Subventionen wieder zurückgegangen.
"Der langfristige Trend steigender Netzkosten geht auf den Umbau des Energiesystems zurück. Die daraus resultierenden Netzentgelte schwanken aber von Jahr zu Jahr durch Regulierung, Kostenverteilung und politische Eingriffe", sagt Thorsten Storck.
Börsenstrompreise im Jahr 2026 höher als im Vorjahr
Ein weiterer Treiber der Strompreise im kommenden Jahr sind höhere Beschaffungskosten der Versorger. Hauptgrund dafür sind gestiegene Gaspreise im Zuge des Krieges im Iran. Im vergangenen Jahr wurden zwar nur rund 17 Prozent des in Deutschland erzeugten Stroms in Erdgaskraftwerken produziert. Dennoch wirken Gaskraftwerke an der Strombörse häufig preissetzend und heben dadurch das Preisniveau an. Lag der durchschnittliche Preis für eine Megawattstunde Strom am Spotmarkt in der ersten Hälfte 2025 noch bei rund 86 Euro, ist er im ersten Halbjahr 2026 auf rund 93 Euro angestiegen.
"Höhere Stromnetzgebühren erhöhen zwar zunächst die Kosten aller Versorger eines Netzgebiets. Ob und in welchem Umfang diese Mehrkosten an die Kunden weitergegeben werden, hängt jedoch von der Strombeschaffung und Preispolitik der Anbieter ab. Versorger, die ihren Strom langfristig einkaufen, müssen die aktuell höheren Börsenpreise nicht unmittelbar weiterreichen. Verbraucher sollten deshalb die verfügbaren Tarife vergleichen und gegebenenfalls zu einem günstigeren Anbieter wechseln", so Storck.
Durch einen Wechsel vom durchschnittlich teuersten Tarif zu einem günstigen Anbieter spart ein Drei-Personen-Haushalt im Schnitt 590 Euro im Jahr.
Methodik
Die möglichen Entlastungen wurden anhand des durchschnittlichen Haushaltspreises für Strom im Juli 2026 berechnet.
Verivox hat die Stromnetzentgelte der rund 850 Stromnetzbetreiber in Deutschland ausgewertet. Netznutzungsentgelte werden für den Ausbau und die Instandhaltung der Leitungen erhoben. Auch die Kosten für Zählerinstallation, Ablesung und Abrechnung sind darin enthalten. Sie werden von den Verbrauchern im jeweiligen Verteilnetz gemeinsam getragen.
Die Einsparung wurde anhand eines Jahresverbrauchs von 4.000 kWh ermittelt. Sie entspricht der Differenz zwischen dem durchschnittlichen Preis der örtlichen Grundversorgung (1.595 Euro) und dem günstigsten verfügbaren Tarif mit Preisgarantie und Bonus (1.005) im Juli 2026.