UN-Klimakonferenz: Erstmals Einigkeit über weltweiten Kohleausstieg

15.11.2021 | 12:29

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Die UN-Klimakonferenz sorgte für Beifall und Tränen. Historisch einmalig: Alle Staaten wollen aus der Kohleenergie aussteigen. Der Vorsatz wurde aber bereits in den letzten Minuten der Konferenz von zwei Ländern aufgeweicht.

Die UN-Klimakonferenz in Schottland hat den weltweiten Abschied von der Kohle eingeläutet. Erstmals in der Geschichte der Weltklimagipfel gab es dafür einen Konsens unter den rund 200 Staaten. Im "Klimapakt von Glasgow" steckt auch die Forderung, "ineffiziente" Subventionen für Öl, Gas und Kohle zu streichen. Die Formulierung wurde nach zweiwöchiger Konferenz am Samstagabend in letzter Minute auf Druck Chinas und Indiens aber noch verwässert.

Lob von Umweltministerin Schulze – Kritik von Greta Thunberg

Die deutsche Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) lobte die Vereinbarung dennoch als historisch. "Das fossile Zeitalter geht zu Ende, die Energiewende wird weltweit zum Leitbild", sagte sie. Auch der britische Premierminister zog eine positive Bilanz. Die Welt sei "unbestreitbar auf dem Weg in die richtige Richtung", so Gastgeber Boris Johnson am Sonntag.

Die weltweit bekannteste Klimaaktivistin Greta Thunberg zog hingegen eine vernichtende Bilanz. "Hier ist eine kurze Zusammenfassung: Bla, bla, bla", twitterte die Schwedin. Sie war zur Halbzeit mit Zehntausenden Demonstranten auf die Straße gegangen und dann abgereist.

Generalsekretär der Vereinten Nationen: Es ist nicht genug

Auch der Generalsekretär der Vereinten Nationen, António Guterres, äußerte sich ernüchtert. "Es ist ein wichtiger Schritt, aber es ist nicht genug. Es ist Zeit, in den Notfallmodus zu gehen." Die Mammutkonferenz COP26 mit 40.000 registrierten Teilnehmern sollte eigentlich schon am Freitag enden. Wegen stundenlanger, hitziger Debatten dauerte es aber schließlich bis in den Samstagabend. Erst dann gab es den Kompromiss.

Kohle in China und Indien: Abbau statt Ausstieg?

EU-Kommissar Frans Timmermans ließ im Plenum seinem Frust freien Lauf, dass die Forderung zum Kohleausstieg abgeschwächt wurde. Statt von einem Ausstieg (phase-out) ist auf Druck der stark von Kohle abhängigen Staaten China und Indien nun nur noch von einem schrittweisen Abbau (phase-down) die Rede. Damit bleibt offen, ob beide Staaten jemals komplett auf Kohlestrom verzichten wollen.

Klimakonferenz-Gastgeber bittet um Verzeihung

Als sich mehrere Staaten bitterlich über die Verwässerung kurz vor der Schlussabstimmung beschwerten, kämpfte der britische COP26-Präsident Alok Sharma sogar mit den Tränen. "Ich bitte um Verzeihung für die Art, wie das gelaufen ist", sagte der Gastgeber. Das Gesamtpaket könne sich aber sehen lassen. Am Sonntag erläuterte er bei einer Pressekonferenz, er habe ein Scheitern des Deals auf den letzten Metern befürchtet und daher "die Last der Welt" auf seinen Schultern gespürt.

Abschlusserklärung der Klimakonferenz: Erderwärmung auf 1,5 Grad begrenzen

In der Abschlusserklärung bekennen sich die Länder klar zu dem Ziel, die Erderwärmung bei 1,5 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu stoppen - und nicht nur auf unter zwei Grad, wie es im Pariser Abkommen von 2015 heißt. Dazu sollen sie bis Ende 2022 ihre bislang unzureichenden Klimaschutzpläne für dieses Jahrzehnt nachschärfen. In der Erklärung wird zudem festgehalten, dass der Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase weltweit in den 20er Jahren um 45 Prozent sinken muss, wenn das 1,5-Grad-Limit erreicht werden soll.

Arme Staaten sollen stärker unterstützt werden

Zugesagt wurden auch mehr Finanzhilfen für arme Staaten, damit diese sich an die vielerorts fatalen Folgen der Klimakrise anpassen können. Zig Millionen Menschen sind schon jetzt häufiger mit Dürren, Hitzewellen, Stürmen und Überschwemmungen konfrontiert, weil sich die Erderhitzung beschleunigt. Konkret sollen diese Finanzhilfen bis 2025 verdoppelt werden, also von aktuell jährlich rund 20 auf dann 40 Milliarden US-Dollar (etwa 35 Milliarden Euro.)

Erstmals wird auch die jahrelange Forderung armer Staaten aufgegriffen, einen Geldtopf für Hilfen bei Schäden und Verlusten einzurichten. Die Staaten werden aufgefordert, dafür Geld einzuzahlen. Kritikwürdig aus Sicht von Umweltschützern: Es soll nur "technische Unterstützung" organisiert werden, und nicht der komplette Schaden beglichen werden.