Versicherungen: Pflicht-Absicherung gegen Pandemien

14.12.2020 | 08:15

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Versichern lässt sich Vieles - aber nicht eine Pandemie. Die Schadenzahlungen wären so hoch, dass keine Versicherung das allein leisten könnte, argumentiert die Branche. Die Versicherungen werben für eine Lösung mit Staatsbeteiligung.

Die in der Corona-Krise unter Druck geratene Versicherungsbranche dringt auf eine Pflichtabsicherung gegen künftige Pandemien, die von Assekuranz und Staat gemeinsam getragen werden soll. Ziel soll sein, 2den Schutz vor allem für kleine und mittlere Unternehmen für mögliche zukünftige Pandemien vorausschauend, von Anfang an berechenbarer und schneller zur Verfügung zu stellen", sagte Klaus-Peter Röhler, Vorstandsmitglied beim Marktführer Allianz in München.

Der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) stellt sich bereits auf eine längere Diskussion ein: "Die politischen Kräfte konzentrieren sich im Moment logischerweise auf die Bekämpfung der aktuellen Pandemie, daher erwarte ich keine kurzfristige politische Entscheidung zu unserem Konzept", sagte GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen. "Es bleibt ein Thema für das Bundestagswahljahr."

Der Diskussionsvorschlag sieht vor, dass Firmenkunden in eine Pandemieabsicherung einzahlen, an der sich der Staat beteiligt. "Die Versicherer würden im definierten Pandemiefall Leistungen bis zu einer vertraglich vereinbarten Höhe übernehmen, bei Überschreitung dieser Höhe würden die Leistungen durch staatliche Übernahme gedeckt", sagte Allianz-Vorstand Röhler dazu.

Die Corona-Pandemie hat der Versicherungsbranche - quasi rund um den Globus - Kritik eingebracht, weil viele Unternehmen für behördlich angeordnete Betriebsschließungen nicht zahlten, auch wenn die Firmenkunden sich dagegen versichert hatten. Folge war eine Klagewelle, die unter anderem die Allianz getroffen hat.

Für Versicherungen ist eine globale Pandemie der Extremfall eines "Kumulrisikos" - also eines Schadens, der Heerscharen von Kunden gleichzeitig trifft und daher immense finanzielle Belastungen nach sich zieht. Die Branche argumentiert in internationaler Einigkeit, dass ein rein privatwirtschaftlich finanzierter Pandemieschutz ohne Staatsbeteiligung die finanzielle Leistungskraft der Versicherungsunternehmen übersteigen würde. So haben unter anderem die zwei großen US-Branchenverbände APCI und NAMIC Pandemien als "unversicherbar" bezeichnet.

Aber auch mit Staatshilfe wäre eine Pandemie-Absicherung nach Einschätzung der Allianz nur dann bezahlbar für die Kunden, wenn sie Pflicht wäre: "Für eine verpflichtende Lösung spricht, dass es bei einer freiwilligen Versicherungslösung nicht zu einer flächendeckenden Absicherung käme, vielmehr würde man eine Art Flickenteppich vorfinden", sagte Röhler. "Außerdem ist es bei einer freiwilligen Lösung schwieriger, die Prämien bei korrekter Preiskalkulation bezahlbar zu halten. Das wollen wir unbedingt vermeiden."

Der GDV hat bereits im Sommer ein Diskussionspapier vorgelegt, in dem eine Pflichtlösung als Möglichkeit genannt ist. Für eine privat-staatliche Gemeinschaftsinitiative hatte im Juli auch Joachim Wenning geworben, der Vorstandschef des Rückversicherers Munich Re. Laut GDV hat das Bundesfinanzministerium mittlerweile ein Forschungsprojekt zu dem Thema ausgeschrieben. Der Verband will an seinem Modell tüfteln und dies "weiter konkretisieren", wie Hauptgeschäftsführer Asmussen sagte.