Wichtige Finanz- und Steuertipps in der Corona-Krise

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Die Corona-Krise hat Wirtschaft und Gesellschaft fest im Griff. Arbeitnehmer in Kurzarbeit müssen auf Teile ihres Einkommens verzichten, Eltern in systemrelevanten Jobs die Betreuung ihrer Kinder organisieren. Was können Verbraucher tun, die wegen der Corona-Krise Ihre Kreditraten oder die Miete nicht mehr zahlen können? Wie können Verbraucher in der jetzigen Lage mit vielen geschlossenen Bankfilialen einen Kredit aufnehmen? Einige wichtige Finanztipps haben wir für Sie zusammengestellt.

Kredit von zu Hause abschließen – in drei Schritten

Wer in der aktuellen Lage einen Kredit benötigt, hat mit einigen Widrigkeiten zu kämpfen. Denn viele Bankfilialen bleiben vorerst geschlossen. Mit einem Onlinekredit können Verbraucher sich die Suche nach einer offenen Filiale sparen. Dank digitaler Prozesse müssen sie für den Kreditabschluss nicht einmal das Haus verlassen.

Schritt 1: Kreditvergleich

Mit einem Online-Kreditvergleich richten Verbraucher ihre Kreditanfrage nicht nur an eine, sondern an zahlreiche Banken. Unmittelbar nach dem Abschicken der Anfrage erhalten sie die Rückmeldung der Banken und sehen, welche Institute ihnen ein Angebot unterbreiten. Daraus wählen sie dann einfach das günstigste aus.

Schritt 2: Legitimierung

Um gegenüber der Bank ihre Identität nachzuweisen, können sich Kreditinteressenten entweder in einer Postfiliale ausweisen oder sie nutzen das bequemere VideoIdent-Verfahren. Hier prüft ein speziell dafür geschulter Mitarbeiter die Ausweispapiere im Rahmen eines Video-Chats. Das ganze Verfahren dauert nur wenige Minuten. Um es zu nutzen, benötigen Kreditinteressenten lediglich eine stabile Internetverbindung sowie ein Smartphone oder einen PC mit Webcam.

Schritt 3: Kreditantrag und Unterlagen einreichen

Um über den Kreditantrag zu entscheiden, brauchen Banken einige Unterlagen – in der Regel die letzten Kontoauszüge und Gehaltsabrechnungen. Wer sich den Weg zum Briefkasten sparen will, lädt die Nachweise einfach über den Dokumenten-Upload direkt bei der Bank hoch. Auch den Kreditantrag können Interessenten, die sich über das VideoIdent-Verfahren legitimiert haben, online unterschreiben und einreichen. Sie erhalten dafür nach der Legitimierung eine individuelle Transaktionsnummer (TAN). Mit ihr können sie den Vertrag verbindlich digital signieren.

Sobald alle Unterlagen und der Kreditantrag bei der Bank eingegangen sind, beginnt sie mit der Prüfung. Wenn beim Einreichen der Unterlagen nichts Wichtiges vergessen wurde, dauert das nicht lange. Meist wird der Kredit dann binnen weniger Tage überwiesen.

Kredit abschließen von zu Hause aus – so funktioniert’s

Kreditnehmer haben Anspruch auf zinsfreie Stundung der Raten

Verbraucher mit einem laufenden Kredit, die wegen der Corona-Krise ihre Monatsraten aktuell nicht aufbringen können, haben einen gesetzlichen Stundungsanspruch. Sie müssen der Bank bis zu drei Monate lang keine Raten mehr zahlen. Betroffen sind alle Verbraucherdarlehen, die vor dem 15. März 2020 abgeschlossen wurden. Dazu zählen Ratenkredite ebenso wie Baufinanzierungen. Entscheidend ist, dass der Kreditvertrag als Privatperson abgeschlossen wurde. Für Unternehmenskredite gilt der Stundungsanspruch nicht.

Wer die Ratenzahlungen aussetzen möchte, sollte das Gespräch mit seiner Bank suchen und muss nachweisen, dass er wegen der Auswirkungen der Corona-Krise unverschuldet in Zahlungsschwierigkeiten geraten ist. Dann besteht ein gesetzlicher Anspruch auf die Ratenpause. „Der Verbraucher muss darlegen, dass ohne die Stundung sein Lebensunterhalt oder der seiner unterhaltsberechtigten Personen gefährdet wäre“, erklärt das Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz.

Laut Gesetz gelten die Regelungen für die drei Monate vom 1. April bis zum 30. Juni. Falls es erforderlich sein sollte, kann die Bundesregierung eine Verlängerung bis zum 30. September verordnen. Durch die Stundung wird der Kreditvertrag gewissermaßen auf „Pause“ gestellt. Kreditnehmern entstehen dadurch keine Mehrkosten. Sie müssen die Ratenzahlungen aber später nachholen. Damit dann keine doppelten Raten fällig werden, verlängert sich die Laufzeit des Kredits durch die Stundung.

Neue Stundungsregeln für Kredite wegen der Corona-Krise

Keine Kündigung bei Mietschulden wegen der Corona-Krise

Ebenso wie Kreditnehmer können auch Mieter durch die Folgen der Corona-Krise in Zahlungsschwierigkeiten geraten – zum Beispiel, wenn der Arbeitgeber ihnen gekündigt oder Kurzarbeit angeordnet hat. Damit Betroffene dann nicht gleich auf der Straße landen, haben Bundestag und Bundesrat ein Gesetz beschlossen, das Mieter vor der Kündigung ihrer Wohnung schützt.

Mietern darf nicht gekündigt werden, wenn sie bis Ende Juni wegen der Corona-Krise in Zahlungsschwierigkeiten geraten. "Dafür müssen sie ihrem Vermieter allerdings glaubhaft machen, dass das tatsächlich an der Virus-Pandemie liegt", sagt Gerold Happ vom Eigentümerverband Haus & Grund Deutschland. Das kann auf vielen Wegen geschehen – zum Beispiel durch die Vorlage der Kündigung des Arbeitgebers oder bei Freiberuflern durch die Vorlage von Absagen geplanter Aufträge.

Wichtig: "Die Verpflichtung zur Zahlung der Miete bleibt im Grundsatz bestehen", sagt Jutta Hartmann vom Deutschen Mieterbund. "Mieter sind die Summe also weiter schuldig." Begleichen müssen sie ihre Schulden innerhalb der kommenden zwei Jahre – also bis spätestens Juni 2022. In der Zwischenzeit werden die Mietschulden verzinst. Vermietern stehen 5 Prozentpunkte über dem Basiszins zu. Laut Happ müssen Mieter derzeit mit etwa 4 Prozent Zinsen auf ihre Schulden rechnen. Ob die Summe auf einen Schlag oder in Raten beglichen wird, ist gesetzlich nicht geregelt. Am besten verständigen Mieter und Vermieter sich gemeinsam auf einen Rückzahlplan und halten ihre Vereinbarungen schriftlich fest.

Neues Gesetz: Das gilt bei Mietschulden wegen Corona

Höhere Limits beim kontaktlosen Bezahlen ohne PIN

Viele Supermärkte und Geschäfte ermutigen ihre Kunden derzeit, ihre Einkäufe kontaktlos zu bezahlen, um Ansteckungsrisken zu reduzieren. Dafür halten Kunden ihre EC- oder Kreditkarte einfach nahe ans Bezahl-Terminal. Bei kleineren Einkäufen müssen Kunden zum Bezahlen nicht einmal ihre PIN eingeben. Im Zuge der Corona-Krise hat der Kreditkartenanbieter Mastercard das Limit für solche Zahlungen auf 50 Euro angehoben. Bei Kreditkarten von Visa und American Express liegt das Limit schon länger bei 50 Euro.

Auch die deutschen Banken haben angekündigt, bei der Girocard (früher: EC-Karte) das Limit für kontaktlose Zahlungen ohne PIN-Eingabe auf 50 Euro zu erhöhen. Bislang können Beträge bis 25 Euro ohne PIN-Eingabe bezahlt werden. Ein genauer Termin für die Umstellung wurde noch nicht genannt. Berichten zufolge soll sie in den nächsten Wochen erfolgen.

Girocard verdoppelt das Limit für kontaktloses Bezahlen ohne PIN

Homeoffice und Kinderbetreuung - Finanzamt an Kosten beteiligen

In zahlreichen Firmen arbeiten die Angestellten derzeit aus dem Homeoffice. Wer seine technische Ausrüstung für die Arbeit aus eigener Tasche erneuert, kann die Kosten steuerlich geltend machen. Das gilt auch für die Kosten für neue Software, Zubehör und Reparatur. Werden Computer, Tablet oder das Smartphone ausschließlich beruflich genutzt, können die gesamten Kosten steuerlich abgesetzt werden. Wer die Geräte auch privat nutzt, kann immerhin 50 Prozent der Kosten ansetzen. Die Kosten für günstige Geräte bis 800 Euro netto (952 Euro brutto) können Steuerzahler komplett im selben Jahr als Werbungskosten vom zu versteuernden Einkommen abziehen. Bei höheren Summen werden die Anschaffungskosten über mehrere Jahre abgeschrieben.

Homeoffice – neuer Laptop und Co. machen sich steuerlich bezahlt

Auch die Kosten für Kinderbetreuung können die Steuerlast mindern. Da Schulen und Kitas geschlossen haben, kann das zum Beispiel für Eltern mit systemrelevanten Jobs interessant sein, die nicht von zu Hause arbeiten können. Bis zum Abschluss des 14. Lebensjahres ihres Kindes können sie Betreuungskosten als Sonderausgaben von der Einkommensteuer absetzen. Bis zu zwei Drittel der tatsächlich entstehenden Kosten und maximal 4.000 Euro pro Kind und Jahr können geltend gemacht werden. Voraussetzung ist, dass das Kind im eigenen Haushalt lebt, eine Rechnung über die Betreuungsleistung vorliegt und dass der Rechnungsbetrag überwiesen wurde. Barzahlungen erkennt das Finanzamt nicht an.

Kosten für die Kinderbetreuung von der Steuer absetzen