Was bietet 5G-Mobilfunk? Acht Fragen und Antworten

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Das ultraschnelle mobile Internet 5G nimmt an Fahrt auf. Im Juni 2019 ging die Frequenzauktion zu Ende, die ersten 5G-Netze starten nun in Bonn und Berlin. Das sind die wichtigsten Fragen und Antworten zum Mobilfunkstandard 5G auf einen Blick:

1. Was genau ist 5G?

Das Kürzel steht für 5. Mobilfunkgeneration. Die zweite Generation (GPRS bzw. EDGE) startete 1992, 3G (UMTS) 2004, 4G (LTE) 2010. Mit dem nächsten Sprung könnte ein Downloadtempo von 10 Gigabit pro Sekunde erreicht werden. Damit ist 5G grob gesagt 100 Mal schneller als es bei einem guten LTE-Download bisher der Fall ist. Wichtig ist auch die sogenannte Latenzzeit, also die Verzögerung bei der Übertragung. Die könnte nun bei einer Millisekunde liegen und damit fast in Echtzeit übertragen.

2. Warum ist die Technologie so wichtig?

Sie soll die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Deutschland sichern. Bisher ist Deutschland in Sachen schnelles Internet hinten dran, mit dem neuen Standard könnte das anders werden – die Bundesrepublik solle zum "Leitmarkt" für 5G werden, heißt es im Koalitionsvertrag der Bundesregierung.

5G betrifft viele Branchen: Autobauer setzen auf autonom fahrende Pkw und Lkw, die auch dank 5G-Datenübertragung genau Bescheid wissen über das Glatteis in der nächsten Kurve – schließlich bekommen sie die Info vom vorausfahrenden Fahrzeug. Die Industrie setzt auf Maschinen, die dank der Datenströme untereinander besser kommunizieren und Arbeitsabläufe verbessern, und Logistiker wissen genau um die Laderaum-Kapazitäten ihrer Lastwagen auf den Straßen.

3. Was haben die privaten Verbraucher davon?

Zumindest zur Startphase recht wenig. Bis 5G flächendeckend bei den Verbrauchern ankommt, wird es noch dauern. Zum einen steht der Verkauf 5G-tauglicher Smartphones erst am Anfang. Im Juni kam Samsungs erstes 5G-Smartphone in Deutschland auf den Markt, darauf folgte Huawei. Weitere Hersteller haben neue Modelle oder modulare Erweiterungen bestehender Geräte für 2019 angekündigt.

Zum anderen dürften auch Verträge für das ultraschnelle Internet erst 2020 zum Standard werden. Aktuell bietet der Netzbetreiber Telekom Samsungs 5G-Smartphone mit passendem Datentarif im oberen Preissegment an. In ersten Pilotstädten plant die Deutsche Telekom den Start des 5G-Netzes, zuerst in Berlin und Bonn. Vodafone öffnete das neue Netz im Juli für Privatkunden in Köln, Düsseldorf und weiteren Städten; auch in einigen Städten in Spanien, Italien und Großbritannien ist inzwischen 5G-Roaming möglich. Vodafone-Kunden können eine 5G-Option zu ihrem Handytarif dazubuchen; diese kostet 5 Euro zusätzlich.

Die Anforderungen der Verbraucher wären schon gut bedient, wenn das LTE-Netz (4G) besser ausgebaut wäre und es nicht bei der bestehenden Technologie so viele Funklöcher gäbe.

4. Was hat die Bundesnetzagentur entschieden?

Im November 2018 wurden die endgültigen Vergabebedingungen für die 5G-Frequenzauktion verabschiedet. Die Provider, also die Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica, müssen demnach schärfere Auflagen erfüllen als die Netzagentur noch vor Monaten vorgesehen hatte. 98 Prozent der Haushalte in Deutschland sollen bis Ende 2022 Zugang zu schnellem mobilen Internet bekommen. Auch Autobahnen, Bund- und Landstraßen sowie alle Zugstrecken und wichtige Wasserstraßen sind in der Versorgungsverpflichtung mit drin, teilweise liegt hier die Frist bei Ende 2024. Verschärft wurden auch die Verpflichtungen, über ein Roaming zu verhandeln.

Der Beirat der Netzagentur – 32 Vertreter des Bundestags und der Bundesländer – konnte sich allerdings nicht einvernehmlich auf die Richtlinien verständigen. Grüne und FDP votierten dagegen.

5. Wird 5G in Deutschland flächendeckend eingeführt?

Schnelles Internet überall – das klingt verlockend. Daher forderten Politiker verschiedener Couleur eine 5G-Abdeckung auch auf dem Land, damit sich auch dort Firmen ansiedeln und Jobs entstehen. Die Unternehmen verweisen darauf, dass eine hundertprozentige Flächenabdeckung wahnsinnig teuer ist und technisch oft gar nicht notwendig. Der flächendeckende Ausbau ist nun auch keine Bedingung der Bundesnetzagentur. Allerdings dürfen Firmen, Universitäten und andere Organisationen selbst lokale 5G-Netze errichten, wenn die Provider keines anbieten.

Zudem muss nicht jeder Netzbetreiber alle Verkehrsrouten versorgen, sondern nur alle Firmen zusammengenommen. Soll heißen: Fährt man zum Beispiel im Zug, könnte man doch noch in ein Funkloch kommen, weil dort nur Funkmasten eines anderen Netzbetreibers stehen. Die Netzagentur setzt hier auf Wettbewerb. Ihr Kalkül: Der Betreiber mit dem Funkloch im Netz will mit dem Konkurrenten gleichziehen und installiert dort schleunigst eigene Antennen.

6. Wird in der Fläche stets 5G angeboten?

Nein, die Vorgaben beziehen sich auf technische Rahmendaten, nicht auf 4G oder 5G: Verlangt wird eine Mindestübertragungsrate von 100 MBit pro Sekunde beziehungsweise 50 MBit pro Sekunde. Das wäre mitunter auch mit LTE-Antennen machbar – also nicht so teuer für die Netzbetreiber wie bei einer reinen 5G-Verpflichtung.

7. Öffnet die Bundesnetzagentur die Tür für einen weiteren Marktteilnehmer?

Vermutlich nein, denn es wurde kein "nationales Roaming" verpflichtend vorgeschrieben. Neueinsteiger wie United Internet (1&1) hatten entschieden diese Vorgabe gefordert, denn damit hätten sie mit einem kleinen eigenen 5G-Netzwerk starten – und gleichzeitig auch bundesweit verfügbar sein können. Auch die Politik wertete das "nationale Roaming" großteils positiv, da durch den Neueinsteiger mehr Wettbewerb entstünde und die Preise für die Verbraucher fielen, so das Kalkül.

Aus der großen Koalition wurden im Vorfeld Forderungen laut, das Telekommunikationsgesetz zu ändern, um lokales Roaming zu ermöglichen. Von der verbesserten Netzabdeckung würden vor allem Nutzer in strukturschwachen Gebieten profitieren. Doch die Mobilfunkbetreiber sperren sich bislang gegen die Öffnung der Netze für andere Betreiber und sehen Investitionen gefährdet. Sollten sich die Netzbetreiber nicht auf freiwillige Kooperationen einigen, müsse die Bundesnetzagentur dann die Möglichkeit haben, in Ausnahmefällen eine lokale Roamingpflicht anzuordnen, hieß es dazu.

Die Netzagentur entschied sich gegen "nationales Roaming" – verlangte aber ein "Verhandlungsgebot". Verhandelt ein alteingesessener Netzbetreiber also nicht mit dem Neueinsteiger, könnte die Regulierungsbehörde intervenieren und Bußgelder verhängen.

8. Wie geht es nach der Frequenzauktion weiter?

Am 19. März 2019 war der Auftakt der mehrwöchigen Auktion der Frequenzen, die am 12. Juni zu Ende ging. Erst danach kann der Netzausbau starten. Die mehrwöchige Auktion bescherte Deutschland einen vierten Netzbetreiber: 1&1 Drillisch. Der Einstieg von Drillisch könnte den Wettbewerb am Mobilfunkstandort Deutschland mit günstigen Preismodellen verändern – zum Vorteil der Verbraucher.

Die Telekom ersteigerte mit 13 Blöcken die meisten Frequenzblöcke, dicht gefolgt von Vodafone. Telefonica geht mit neun Blöcken aus der Auktion hervor, Neueinsteiger Drillisch mit sieben Blöcken. Insgesamt nahm der Bund mit der Frequenzversteigerung knapp 6,6 Milliarden ein. Kritiker beurteilen die Einnahmen als zu hoch und sehen den Netzausbau gefährdet.

Schon im Vorfeld der Vergabe waren unterschiedliche Positionen aufeinander getroffen. Die Mobilfunkbetreiber Telekom, Vodafone und O2 Telefonica hatten vor dem Verwaltungsgericht Köln Klagen gegen die geplanten Vergaberegeln der Bundesnetzagentur eingereicht, die jedoch keine aufschiebende Wirkung haben. Sie hielten die vorgesehenen Auflagen – wie etwa die flächendeckende Netzversorgung – für unrealistisch. Die Klagen der Netzbetreiber wurden jedoch abgewiesen. Die drei großen Netzbetreiber Telekom, Vodafone und Telefonica sowie Drillisch wurden daraufhin zur Auktion zugelassen.