VW-Rückruf: Was Verbraucher wissen müssen

Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox

Die aus dem Dieselskandal resultierende VW-Rückrufaktion hat in der Öffentlichkeit viel Aufmerksamkeit erfahren. Wenn Verbraucher von einem Rückruf betroffen sind, sollten sie vor allem bei sicherheitsrelevanten Mängeln rasch reagieren.

Das Wichtigste in Kürze

  • Kfz-Rückrufe sind vor allem dann erforderlich, wenn die Sicherheit gefährdet ist. Doch auch bei weniger gravierenden Mängeln leiten die Hersteller eine Rückrufaktion ein.
  • Der VW-Rückruf infolge des Dieselskandals betraf allein in Deutschland weit mehr als zwei Millionen Fahrzeuge.
  • Ob Fahrzeughalter von einem Rückruf betroffen sind, erfahren sie entweder durch einen Brief des Herstellers oder durch die Information in Eigeninitiative auf der Hersteller-Website.
  • Während der Gewährleistung besteht ein Anspruch auf kostenlose Reparatur, jedoch nicht auf Kostenersatz für einen Mietwagen.

Was ist ein Rückruf?

Ein Rückruf findet statt, wenn der Hersteller oder eine Aufsichtsbehörde im Nachhinein Mängel bei Produkten entdeckt, die bereits verkauft worden sind. Je nach Art des Mangels repariert der Hersteller oder eine von ihm beauftragte Werkstatt das betroffene Produkt oder es erfolgt ein Umtausch.

Einige Beispiele für Rückrufaktionen:

  • Ein Lebensmittelproduzent stellt fest, dass in einen Teil der von ihm hergestellten Konserven Glassplitter gelangt sein können. Wer ein Produkt aus der betroffenen Charge gekauft hat, kann dies beim Händler umtauschen.
  • Der Hersteller einer Lampe ruft ein bestimmtes Modell zurück, weil die Gefahr von Stromschlägen droht. Da er die Produktion bereits eingestellt hat und eine Reparatur nicht möglich ist, erhalten die betroffenen Käufer bei der Rückgabe ihr Geld zurück.
  • Bei der Qualitätskontrolle entdeckt ein Autohersteller, dass defekte Sensoren in die Fahrzeuge eingebaut worden sind. Die Halter der davon betroffenen Modelle sollen daher schnellstmöglich einen Termin in einer Werkstatt vereinbaren, um die Sensoren auszutauschen.

Wann ist ein Kfz-Rückruf erforderlich?

Weil technische Defekte bei Autos unter Umständen zu gravierenden Unfällen führen können, ordnen Hersteller beim Entdecken von Mängeln an sicherheitsrelevanten Bauteilen wie Motor, Bremsen, Getriebe oder Airbags meist sehr schnell einen Rückruf an. Allerdings hat sich im Zuge des VW-Dieselskandals auch gezeigt, dass zuweilen erst auf äußeren Zwang hin ein Rückruf erfolgt, wenn nicht direkt die Sicherheit des Fahrzeugs betroffen ist.

Wer ordnet einen Rückruf an?

Autohersteller sind verpflichtet, Fahrzeugmängel dem Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) zu melden. Parallel dazu ordnen Hersteller gleich eine Rückrufaktion in Eigeninitiative an. Falls die dies nicht tun, kann auch das KBA als zuständige Aufsichtsbehörde einen Rückruf einleiten.

Stiller Rückruf

Wenn ein Mangel nicht sicherheitsrelevant ist und nur zu kaum merklichen Komforteinbußen führt, kann der Hersteller auch einen so genannten stillen Rückruf durchführen. In diesem Fall tauscht die Autowerkstatt die betroffenen Teile im Rahmen der nächsten Inspektion kostenlos aus.

VW-Rückruf: Was steckt dahinter?

In jüngster Vergangenheit ist vor allem der VW-Konzern durch Rückrufe in die Schlagzeilen geraten. Dabei ging es nicht allein um Manipulationen bei der Abgasreinigung von Dieselmotoren.

VW-Rückruf wegen des Dieselskandals

Nachdem bekannt wurde, dass der VW-Konzern bei einigen Motoren mit Hilfe einer manipulierten Steuerungssoftware die Abgaswerte geschönt hatte, ordnete das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) einen Rückruf der betroffenen Fahrzeuge an. Mit weit mehr als zwei Millionen betroffener Fahrzeuge allein in Deutschland handelte es sich um eine der bislang größten Rückrufaktionen.

Das KBA begründete den von Amts wegen angeordneten Rückruf damit, dass es sich zwar um keinen sicherheitsrelevanten Mangel, aber um die Verwendung unzulässiger Technik handelte.

VW musste im Zuge des Rückrufs die manipulierte Software entfernen und dafür sorgen, dass die Steuerung von Motor und Abgasreinigung wieder den Vorschriften entspricht.

Weitere VW-Rückrufe

Die Rückrufaktion im Zusammenhang mit manipulierter Dieselmotor-Software hat in der Öffentlichkeit hohe Wellen geschlagen. Doch abseits dieser Aktion war VW wie andere Hersteller auch immer wieder von Rückrufen betroffen. Einige Beispiele aus dem VW-Konzern:

  • Ein fehlerhafter Nockenwellenversteller im Motor EA211, der in den Modellen VW Beetle, Polo, Golf und Tiguan verbaut wurde,
  • ein fehlerhafter Beifahrersitz mit Verletzungsgefahr im VW Tiguan oder
  • eine undichte elektrische Heckklappe mit der Gefahr von Schmorschäden im Transporter- und Van-Modell T6.

Bin ich von einem Rückruf betroffen?

Ob ein Fahrzeughalter von einer Rückrufaktion betroffen ist, kann er auf verschiedenen Wegen erfahren.

Mitteilung durch den Hersteller

Bei einer Rückrufaktion können die einzelnen Hersteller auf die Datenbank des Kraftfahrt-Bundesamtes zurückgreifen, in der die Daten jedes einzelnen Fahrzeughalters in Deutschland mitsamt den Daten zum Auto gespeichert sind.

Die betroffenen Autobesitzer bekommen einen Brief, der den Grund des Rückrufs schildert und sie zur Vereinbarung eines Termins in einer Werkstatt auffordert.

Suche auf der Hersteller-Website

Darüber hinaus können sich Verbraucher auf den Internetseiten einiger Hersteller über aktuelle Rückrufaktionen informieren. Erforderlich ist im Regelfall die Eingabe der Fahrzeug-Identifizierungsnummer, abgekürzt auch als FIN oder VIN bezeichnet. Diese Nummer ist im Fahrzeugschein zu finden.

Welche Rechte habe ich als betroffener Fahrzeughalter?

Wer von einem Rückruf betroffen ist, kann gegenüber dem Hersteller einige Rechte geltend machen – allerdings nur in begrenztem Umfang.

  • Reparaturkosten. Innerhalb der zweijährigen Gewährleistungsfrist sind die durch den Rückruf verursachten Reparaturen für den Halter kostenlos. Auch danach führen viele Hersteller die Reparatur auf Kulanz kostenlos durch, um das Vertrauen des Kunden zu erhalten.
  • Haftung. Wenn aufgrund des defekten Bauteils ein Unfall verursacht wird oder ein Schaden entsteht, muss der Hersteller dafür haften.
  • Mietwagen. Auf die Übernahme von Kosten für einen Mietwagen während der Reparatur haben Fahrzeugbesitzer im Regelfall keinen Anspruch. In manchen Fällen übernimmt der Hersteller die Kosten auf freiwilliger Basis.
  • Wertminderung. Strittig ist die Frage, ob der Hersteller für eine durch Rückrufe verursachte Wertminderung haften muss – insbesondere bei den Aktionen im Zuge des Dieselskandals. Deutsche Gerichte haben dies noch nicht abschließend geklärt.