Soli abschaffen: Was Sie ohne Solidaritätszuschlag sparen könnten

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Das Wichtigste in Kürze

  • Der Solidaritätszuschlag (kurz: Soli) wurde erstmals 1991 eingeführt. Seit 1995 gilt er unbefristet.
  • Steuerzahler müssen 5,5 Prozent der fälligen Einkommensteuer zusätzlich als Solidaritätszuschlag bezahlen. Geringverdiener zahlen keinen oder einen reduzierten Soli.
  • Je höher die Steuerlast, desto größer die Ersparnis, wenn die Politik den Soli abschaffen würde.
  • Singles mit 40.000 Euro Bruttoeinkommen würden ohne Soli 332 Euro im Jahr sparen.
  • Wer diese Summe nicht ausgibt, sondern klug anlegt, kann in 15 Jahren über 8.700 Euro ansparen – allein mit dem eingesparten Solidaritätszuschlag.

Erstmals erhoben wurde der Solidaritätszuschlag 1991 – zunächst nur für ein Jahr, um einmalige Ausgaben des Staates zu finanzieren. 1995 wurde der Soli dann erneut eingeführt – dieses Mal unbefristet. Seitdem wird der Soli als Ergänzungsabgabe zusätzlich zu Einkommensteuer und Körperschaftssteuer erhoben. Doch das könnte sich in Zukunft ändern. Einige politische Kräfte wollen den Soli abschaffen, andere wollen nur die unteren 90 Prozent der Soli-Zahler von der Abgabe befreien. Doch wie viel würden Steuerzahler überhaupt sparen, wenn sie keinen Solidaritätszuschlag mehr zahlen müssten?

Höhe des Solidaritätszuschlags

Der Solidaritätszuschlag ist eine Ergänzungsabgabe, die zusätzlich zur Einkommensteuer, Abgeltungssteuer und Körperschaftssteuer an den Fiskus abgeführt wird. Die Höhe des Soli beläuft sich auf 5,5 Prozent der jeweiligen Steuer.

Bemessungsgrundlage für die Berechnung ist die Steuer. Wer im Jahr 5.000 Euro Lohnsteuer abführt, zahlt zusätzlich 275 Euro Solidaritätszuschlag (5,5 Prozent x 5.000 Euro). Wie viel Bruttoeinkommen der Steuerschuld zugrunde liegt, spielt für die Höhe des Solidaritätszuschlags keine Rolle.

Ehepaare etwa zahlen bei gleichem Einkommen weniger Steuern als Singles. Entsprechend niedriger fällt ihr Soli aus. Auch Kinderfreibeträge, die Steuerklasse und andere Faktoren, die sich auf die Höhe des zu versteuernden Einkommens auswirken, beeinflussen mittelbar die Höhe des Solidaritätszuschlags.

Wer wenig verdient, zahlt keinen Soli

Geringverdiener mit Einkünften unterhalb des Grundfreibetrags (2019: 9.168 Euro für Singles, 18.816 Euro für Ehepaare) zahlen keine Einkommensteuer und sind somit automatisch auch vom Soli befreit. Wer als Single bis zu 972 Euro Einkommensteuer abführt, muss ebenfalls noch keinen Soli zahlen. Danach steigt er schrittweise an. Erst ab 1.340 Euro Einkommensteuer wird der volle Soli aufgeschlagen. Für steuerlich gemeinsam veranlagte Ehepaare liegt die Freigrenze doppelt so hoch.

Freigrenze ist kein Freibetrag

Bei dem Schwellenwert, ab dem der Soli fällig wird, handelt es sich übrigens nicht um einen Freibetrag. Steuerzahler, die über der Freigrenze liegen, zahlen die 5,5 Prozent Soli-Zuschlag auf die gesamte Lohnsteuer. Bei einem Freibetrag würde die Abgabe nur auf den Teil der Einkommensteuer entfallen, der über den Grenzwert hinausgeht.

Solidaritätszuschlag muss nicht in die neuen Bundesländer fließen

Alle Einnahmen aus dem Soli kommen allein dem Bund zugute. Politisch begründet wurde die unbefristete Wiedereinführung der Ergänzungsabgabe 1995 mit den dauerhaften Kosten infolge der deutschen Einheit. Das Geld sollte nach der Wiedervereinigung dabei helfen, den sogenannten „Aufbau Ost“ voranzutreiben.

Doch anders als der Solidarpakt, der per Gesetz den neuen Bundesländern zugutekommt, ist der Solidaritätszuschlag nicht zweckgebunden. Die Einnahmen fließen ebenso wie andere Steuern in den Haushalt und dienen somit der allgemeinen Staatsfinanzierung. 2018 hat der Bund durch den Solidaritätszuschlag 18,93 Milliarden Euro eingenommen.

Soli abschaffen: Mehrere Szenarien denkbar

Auf diese Einnahmen müsste der Staat vollständig verzichten, wenn der Gesetzgeber den Soli abschaffen würde. Entsprechende Forderungen gibt es immer wieder aus unterschiedlichen politischen Richtungen. Andere wollen nur für einen Teil der Steuerzahler den Soli abschaffen. Gutverdiener müssten ihn dann weiterhin bezahlen. Vor allem drei Szenarien werden diskutiert:

1. Szenario: Soli-Abschaffung für alle

Am stärksten profitieren würden in diesem Szenario Steuerzahler mit sehr hohen Einkommen. Denn wer viel verdient, zahlt auch viel Steuern. Und auf Basis dieser Steuern berechnet sich der Soli. Berechnungen des IFO-Instituts München zeigen: Ein lediger Single mit 100.000 Euro Bruttoeinkommen würde 1.555 Euro im Jahr sparen, wenn die Politik den Soli komplett abschaffen würde. Wer 40.000 Euro brutto verdient, käme nur auf 332 Euro Ersparnis.

2. Szenario: Soli für 90 Prozent abschaffen – mit Freigrenze

Das Bundesfinanzministerium hat einen Referentenentwurf veröffentlicht, laut dem die Freigrenzen für den Soli ab 2021 deutlich steigen sollen. Ledige Singles, die weniger als 16.956 Euro Einkommensteuer im Jahr zahlen, würden dann komplett vom Soli befreit. Für Ehepaare läge die Freigrenze bei 33.912 Euro. Nach der Erhöhung der Freigrenzen müssten laut Finanzministerium rund 90 Prozent aller Steuerzahler gar keinen Soli mehr zahlen.

Wenn die Steuerlast oberhalb dieser Freigrenzen liegt, soll auch nicht gleich der volle Solidaritätszuschlag in Höhe von 5,5 Prozent fällig werden. Stattdessen soll der Soli in mehreren Stufen schrittweise mit der Höhe der zu entrichtenden Einkommensteuer ansteigen. Das Ministerium geht davon aus, dass Singles ohne Kinder ab einem Bruttoverdienst von 109.451 Euro auch nach der Reform noch den vollen Soli zahlen müssen. Bei einer Alleinverdienerfamilie mit zwei Kindern läge die Grenze bei 221.375 Euro Bruttoverdienst im Jahr. Bis zu einem Verdienst von 151.990 Euro müsse sie gar keinen Soli mehr zahlen.

Den Angaben zufolge müssten noch etwa 3,5 Prozent aller Steuerzahler den vollen Soli zahlen, wenn die Änderungen wie vorgeschlagen in Kraft treten würden. Das Münchener IFO-Institut hat ausgerechnet, wie viel Singles und Familien dadurch sparen würden:

3. Szenario: Soli abschaffen bis zu einem Freibetrag

Ebenfalls denkbar wäre eine Kompromisslösung zwischen dem ersten und zweiten Szenario. Statt einer Freigrenze würde in diesem Modell ein Freibetrag eingeführt. Für Einkommen unterhalb des Freibetrags würde der Soli komplett wegfallen. Wer mehr verdient, hätte zwar weiterhin einen Solidaritätszuschlag zu zahlen, jedoch nur auf den Teil seines Einkommens, das über dem Freibetrag liegt.

Mit dem eingesparten Soli ein kleines Vermögen machen

Welches Modell am Ende auch eintreten wird: Wer seine jährliche Ersparnis nicht einfach ausgibt, sondern die Summe anlegt, kann deutlich mehr aus dem eingesparten Soli herausholen. Allerdings werfen sichere Geldanlagen wie Tages- und Festgeld in der anhaltenden Niedrigzinsphase nur noch geringe Erträge ab.

Drei Grundregeln für die Geldanlage an der Börse

Die Chance auf Renditen deutlich über der Inflationsrate haben Anleger am Aktienmarkt. Wer bei der Geldanlage drei einfache Grundregeln beherzigt, senkt seine Risiken und erhöht die Chancen auf hohe Renditen.

Regel 1: Kaufen und liegen lassen

Aktienkurse schwanken und können vorübergehend sogar ganz erheblich abstürzen. Doch bislang haben die Aktienmärkte selbst die größten Kurseinbrüche stets wieder ausgleichen können. Historische Daten des Deutschen Aktieninstituts zeigen: Wer in die 30 Standardwerte des DAX investiert und seine Anlage mindestens 15 Jahre lang gehalten hat, musste noch nie Verluste hinnehmen. Im Schnitt betrug die Durchschnittsrendite einer 15-jährigen DAX-Anlage stolze 6,7 Prozent.

Die folgende Tabelle zeigt, wie viel Kapital sich Singles bei dieser Rendite zusammensparen könnten, wenn die Pläne des Finanzministeriums zur Abschaffung des Soli in Kraft treten und Steuerzahler das eingesparte Geld anlegen würden.

Soli-Ersparnis anlegen (6,7 % angenommene Rendite)

Bruttoeinkommen Ersparnis pro Jahr Ersparnis in 15 Jahren Kapital nach 15 Jahren
20.000 € 67 € 1.005 € 1.755 €
40.000 € 332 € 4.980 € 8.699 €
60.000 € 669 € 10.035 € 17.529 €
70.000 € 879 € 13.185 € 23.031 €
100.000 € 208 € 3.120 € 5.450 €

Regel 2: Breit gestreut investieren

Setzen Sie bei der Geldanlage nicht alles auf eine Karte. Die Investition in eine einzige Aktie ist immer riskant. Mit einem Indexfonds, einem sogenannten ETF, verteilen Sie Ihre Geldanlage automatisch über sämtliche Titel eines großen Aktienindex wie dem DAX. Mit einem ETF, der den MSCI World oder den Euro Stoxx 600 abbildet, streuen Sie Kapital zugleich auch noch über zahlreiche Länder.

Regel 3: Weniger Kosten bedeuten mehr Rendite

Nichts ist umsonst, auch nicht die Geldanlage. Wer Kostendisziplin hält, kann seine effektive Rendite deutlich erhöhen. Das beginnt beim Wertpapierdepot: Während die meisten Filialbanken Depotgebühren erheben, ist das Depot bei vielen Direktbanken und Online-Brokern kostenfrei. Auch die Orderkosten sind bei einem Online-Depot in der Regel deutlich niedriger.

Günstiges Depot finden

Der zweite wichtige Kostenfaktor sind die gekauften Wertpapiere: Viele Aktienfonds werden aktiv verwaltet. Das Fondsmanagement schichtet das Portfolio um und kümmert sich darum, eine möglichst hohe Rendite für die Anleger zu erwirtschaften. Das ist aufwendig und teuer. Viele aktive Fonds haben laufende Verwaltungskosten von zwei Prozent und mehr. Das müssen Sie mit der Rendite erst einmal wieder hereinholen.

Ein ETF bildet einen Index eins zu eins nach und braucht kein aktives Management. Dadurch kommen Indexfonds mit einem Bruchteil der jährlichen Kosten aus. Zugleich zeigen zahlreiche Studien, dass es kaum einem aktiven Aktienfonds gelingt, auf Dauer besser abzuschneiden als der Gesamtmarkt. Ein ETF bietet Ihnen also ebenso gute Renditeaussichten bei deutlich geringeren Kosten.