Riester-Rente verkaufen: Geht das überhaupt?

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Wenn Riester-Sparer in finanziellen Schwierigkeiten sind, ziehen manche einen Verkauf der Riester-Rente in Erwägung. Dies ist jedoch nicht ohne Weiteres möglich.

Das Wichtigste in Kürze

  • Im Gegensatz zur Kapitallebensversicherung können Riester-Sparer ihre Riester-Rente nicht direkt verkaufen.
  • Bei einer Kündigung der Riester-Rente muss der Sparer alle bereits erhaltenen Zulagen zurückerstatten.
  • Sinnvolle Alternativen sind je nach persönlicher Situation Beitragsreduzierung, Beitragsfreistellung oder Anbieterwechsel.

Kann ich meine Riester-Rente verkaufen?

Wer in einen finanziellen Engpass gerät, muss seine Geldreserven angreifen, um eine Kreditaufnahme oder ein dauerhaftes Minus auf dem Girokonto zu vermeiden. Für manche Verbraucher stellt sich dann die Frage, ob sie das Guthaben auf ihrem Riester-Sparvertrag verkaufen können.

Einige Finanzdienstleister bieten den Aufkauf von Versicherungssparverträgen an. Hierbei übernimmt der Dienstleister den Vertrag, führt ihn bis zur Fälligkeit weiter und erhält dann die vereinbarte Auszahlung. Im Gegenzug zahlt er dem bisherigen Vertragsinhaber einen Betrag, der meist etwas höher ist als der Rückkaufswert, den die Versicherung im Fall einer vorzeitigen Kündigung anbietet.

Kein Ankauf von geförderten Versicherungssparplänen

Die Aufkäufer von Kapitallebens- und Rentenversicherungen beschränken ihre Angebote auf klassische Versicherungssparpläne ohne staatliche Förderung in Form von Riester-Zulagen. Ein wichtiger Grund ist, dass man Riester-Sparverträge grundsätzlich nicht an andere Personen oder Unternehmen übertragen kann, weil die Zulagen mit dem jeweiligen Anleger verknüpft sind. Wer das Guthaben seiner Riester-Rente verkaufen will, müsste daher den Vertrag kündigen und die Auszahlung des verbleibenden Guthabens neu anlegen.

Tipp: Wenn Sie im Internet auf Finanzdienstleister stoßen, die mit dem Ankauf von Riester-Renten werben, ist Vorsicht geboten – womöglich will das Unternehmen nur Adressen sammeln und hinterher den Interessenten andere Finanzprodukte verkaufen.

Kündigung statt Verkauf: Mit welchen Folgen muss ich rechnen?

Grundsätzlich ist es möglich, Riester-Sparverträge innerhalb der Ansparphase zu kündigen. Dabei ist eine Kündigungsfrist von maximal drei Monaten zum Quartalsende zu berücksichtigen. Dabei muss der Sparer jedoch mit großen Einbußen rechnen.

Niedriger Rückkaufswert

Wie bei anderen Versicherungssparverträgen muss auch bei Riester-Versicherungen der Sparer mit Einbußen rechnen, wenn er den Vertrag vorzeitig auflösen will. Grund dafür ist, dass die Vertriebskosten mit den Sparraten in den ersten Jahren verrechnet werden. Damit fließt nur ein Teil der Einzahlungen in den tatsächlichen Kapitalaufbau. Bei einer Kündigung in den ersten Jahren kann es häufig vorkommen, dass der Rückkaufswert deutlich niedriger ist als die Summe der eingezahlten Beiträge.

Verlust bereits erhaltener Zulagen

Wer bei einer Kündigung eines Riester-Sparvertrags das Guthaben nicht direkt in ein anderes Riester-Produkt umschichtet, muss alle bereits erhaltenen Zulagen wieder zurückzahlen. Bei der Auszahlung des Guthabens überweist der Riester-Anbieter die bisherigen Zulagen an den Staat zurück und zieht den entsprechenden Betrag von der Zahlungssumme ab.

Welche Alternativen bieten sich an?

Da es nicht möglich ist, eine Riester-Rente zu verkaufen, und die Kündigung mit gravierenden Nachteilen verbunden ist, sollten Verbraucher im Bedarfsfall auf Alternativen ausweichen.

  • Einzahlungen reduzieren. Im Unterschied zu klassischen Kapitallebens- oder Privatrentenversicherungen kann der Sparer bei Riester-Sparplänen die Einzahlungen verändern. Somit ist es möglich, bei einem finanziellen Engpass die Sparraten herabzusetzen. Zwar kürzt der Fiskus in solchen Fällen anteilig die Grund- und Kinderzulagen, weitere Nachteile sind damit jedoch nicht verbunden. Wenn wieder ausreichende Geldmittel vorhanden sind, lässt sich die Sparleistung jederzeit wieder erhöhen.
  • Beitragsfreistellung. Wenn es die persönliche Finanzlage erfordert, können Riester-Sparer ihre Einzahlungen auch komplett aussetzen und den Vertrag ruhen lassen. Dies bezeichnet man auch als Beitragsfreistellung. Wie lange die Beitragsfreistellung dauern soll, kann der Sparer selbst entscheiden.
  • Anbieter wechseln. Wenn der Riester-Sparer das Guthaben zu einem anderen Anbieter umschichtet, bleiben die Zulagen erhalten. Auch der Wechsel zu einem anderen Riester-Produkt wie etwa von einer Riester-Versicherung zu Wohnriester ist möglich. Allerdings ist ein Anbieterwechsel häufig mit Renditeeinbußen und Gebühren verbunden.

Überblick: Was ist wann sinnvoll?

Die nachfolgende Tabelle zeigt, welche Maßnahme bei der Riester-Rente zum individuellen Bedarf passt.

Maßnahme Sinnvoll bei...
Einzahlungen in die Riester-Rente reduzieren weniger gravierenden finanziellen Engpässen
Beitragsfreistellung gravierenden finanziellen Engpässen
Wechsel zu einem anderen Anbieter - sehr schlechten Renditeaussichten des bestehenden Riester-Sparplans oder
- einer Änderung der Lebensplanung – etwa bei der Verwendung eines Riester-Renten-Guthabens als Wohn-Riester-Eigenkapital für die Finanzierung der selbstgenutzten Immobilie