Realzins: Das macht die Inflation aus Ihrem Tages- und Festgeld

  • Der Realzins drückt aus, wie sich der tatsächliche Wert einer Geldanlage unter Berücksichtigung der Inflationsrate entwickelt.
  • Beim Nominalzins bleibt die Inflation unberücksichtigt.
  • Aktuell ist der Realzins von durchschnittlich verzinstemTages- oder Festgeld deutlich negativ.
  • Mit Top-Angeboten lassen sich reale Kaufkraftverluste begrenzen und sogar ganz vermeiden.
  • Der Verivox Realzinsindex zeigt die Entwicklung der Realzinsen durchschnittlicher Tages- und Festgeldanlagen in den letzten Jahren.

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Ratgeber / Konten

Bild: Paar berechnet Ausgaben am Laptop Bild: ©bernardbodo / Adobe Stock / Text: Verivox

+++ Dieser Ratgeber wird regelmäßig aktualisiert. Die genannten Zinssätze und Inflationsraten geben den aktuellen Stand im April 2019 wieder. Spätere Entwicklungen sind noch nicht berücksichtigt. +++

Definition: Was ist der Realzins?

Der Realzins ist eine wichtige Kenngröße für die Rentabilität einer Geldanlage. Denn anders als der Nominalzins wird er unter Berücksichtigung der Inflation gebildet. Näherungsweise lässt sich der Realzins mit folgender Gleichung berechnen:

[Nominalzins] – [Inflationsrate] = [Realzins]

Bei einer Inflationsrate von null Prozent wären Realzins und Nominalzins demnach identisch. Wann immer die Inflationsrate höher ist als der Nominalzins einer Geldanlage, ergibt sich ein negativer Realzins. Das angelegte Geld verliert an Wert.

Entwicklung der Realzinsen für Tages- und Festgeld

In der anhaltenden Niedrigzins-Phase sind auch die Zinsen für sichere Anlagen wie Tages- und Festgeld in den Keller gegangen. Zugleich zog 2016 die Inflation wieder an. In der Folge fiel die reale Rendite durchschnittlicher Tages- und Festgeldanlagen ins Negative – zuletzt im September 2016 der Realzins für 10-jähriges Festgeld. Der Verivox Realzinsindex zeigt, wie sich die Realzinsen von Tages- und Festgeld seit Januar 2014 entwickelt haben:

Warum die Zinsen so niedrig sind

Der Grund dafür liegt in der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Als Reaktion auf die Finanzkrise hat die EZB den Leitzins immer weiter gesenkt. Seit März 2016 stagniert er bei historisch niedrigen 0,00 Prozent. Im Juni 2014 mussten Banken für Geld, das sie über Nacht bei der Zentralbank parkten, erstmals Strafzinsen zahlen – zunächst in Höhe von 0,1 Prozent der Einlagen, in den folgenden Monaten dann immer mehr. Seit März 2016 beträgt der EZB-Strafzins auf Bankeinlagen 0,4 Prozent.

Die Banken haben darauf reagiert, indem sie auch die Zinsen für ihre Kunden immer weiter gesenkt haben. 418 Geldhäuser haben den nominalen Zinssatz für Tagesgeld sogar auf Null gesenkt. Sie zahlen also gar keine Zinsen mehr. Der durchschnittliche Nominalzins von Tagesgeldanlagen beträgt derzeit 0,06 Prozent (Stand: April 2019). Hinweise darauf, dass die Zinsen sehr bald wieder steigen, gibt es derzeit nicht.

Mehr zum Thema Nullzins: Diese Banken zahlen 0,00 Prozent Zinsen auf Tagesgeld

Inflationsrate höher als durchschnittliche Sparzinsen

Höhere Mieten, Lebensmittelpreise und Energiekosten trieben die Inflation 2018 auf ein Sechsjahreshoch. Die Verbraucherpreise in Deutschland zogen um 1,8 Prozent an. Für 2019 geht die Bundesbank von 1,4 Prozent Inflation aus und rechnet in den darauffolgenden Jahren wieder mit einer Teuerung von 1,8 Prozent.

Vor allem aufgrund hoher Energiepreise lag die Inflationsrate in den vergangenen 12 Monaten sogar gelegentlich noch höher – im Oktober 2018 erreichte sie mit 2,3 Prozent den höchsten Stand seit sieben Jahren. Mit ihrer Geldpolitik strebt die EZB eine moderate Inflation knapp unter zwei Prozent an. In den letzten Monaten lag die Inflationsrate wieder deutlich unterhalb dieser Marke.

Eine gewisse Preissteigerung ist aus Sicht der Notenbank erwünscht. Denn historische Erfahrungen zeigen, dass Unternehmen in Zeiten sinkender Preise (Deflation) ihre Investitionen immer weiter aufschieben und die Konjunktur dadurch zum Erliegen kommt.

Dass die Inflationsrate zuletzt wieder unter die Zielmarke der Zentralbank fiel, ist für Sparer deshalb nur auf den ersten Blick eine gute Nachricht. Zwar reduzieren sich kurzfristig die Kaufkraftverluste ihrer Geldanlage. Doch zugleich sinkt auch der Druck auf die Notenbank, ihre Geldpolitik zu straffen und die Zinsen anzuheben.

So wirkt sich ein negativer Realzins aufs Ersparte aus

Solange die Inflation das derzeitige Niveau hält und die Zinsen nicht deutlich anziehen, bleibt der Realzins für Tages- und Festgeld negativ. Der Wert der Anlage sinkt. Begrenzen können Sparer den Wertverlust, indem sie Konditionen vergleichen und ihr Geld bei Top-Anbietern anlegen. Die besten Tagesgeldangebote bieten aktuell einen Nominalzins von immerhin 0,7 Prozent. 2-jähriges Festgeld wird mit bis zu 1,45 Prozent verzinst – bei der aktuellen Inflationsrate lässt sich damit sogar eine leicht positive Realrendite erwirtschaften.

Wie groß der Ertragsunterschied bei Top-Angeboten und einer Anlage mit durchschnittlichem Nominalzins ist, verdeutlichen wir mit je einem Beispiel:

Reale Rendite für 10.000 Euro Tagesgeld

Bei einem guten Zinssatz von 0,7 Prozent aufs Tagesgeld bringen 10.000 Euro in zwei Jahren immerhin eine nominale Rendite von 140 Euro. Doch die Inflation von zuletzt 1,3 Prozent nagt am Kapital. Angenommen Zins und Inflation blieben in den kommenden zwei Jahren konstant, so hätten die 10.140 Euro danach nur noch eine Kaufkraft von 9.881 Euro. Auch wenn der Realzins selbst bei diesem gut verzinsten Angebot negativ ist, erhalten Sparer hier immerhin 124 Euro mehr Zinsen als bei einer durchschnittlich verzinsten Anlage.

Reale Rendite für 10.000 Euro Festgeld

Mit 2-jährigem Festgeld können Sparer derzeit die Inflation ausgleichen. Wichtig ist der Festgeld-Vergleich. Für 10.000 Euro Anlagesumme erhalten Sparer bei Top-Anbietern in zwei Jahren 292 Euro Zinsen. Das sind 238 Euro mehr als eine Anlage mit durchschnittlichen Zinsen abwirft. Allerdings nagt auch hier der Wertverlust an der Rendite. Bei konstanter Inflation hätten die 10.292 Euro in zwei Jahren nur noch einen Wert wie 10.030 Euro heute.

Inflation ausgleichen: Geldanlage-Tipps für mehr Rendite

Wer sich mit einem Realzins unter oder nahe Null nicht abfinden mag, muss im aktuellen Zinstief auf Alternativen zur Geldanlage in Tages- und Festgeld ausweichen. Die besten Chancen auf Renditen oberhalb der Inflationsrate haben Anleger am Aktienmarkt. Mit einem breit gestreuten, ausgewogenen Portfolio und einem langfristigen Anlagehorizont lassen sich die Risiken begrenzen und die Inflation ausgleichen.

Unsere Geldanlage-Ratgeber unterstützen Sie dabei, eine Anlagestrategie zu entwickeln, die gut zu Ihrer Risikobereitschaft passt und mit der Sie gute Chancen auf eine positive Realrendite haben.

Verivox-Ratgeber zur Geldanlage:

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