Fußball im TV: Wer jubelt beim Tor mit Verspätung?

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Die Spiele der Fußball-WM werden von ARD und ZDF übertragen. Die Empfangswege sind vielfältig: Neben Satellit und Antenne gibt es Kabel-TV, IP-TV und diverse TV-Streaming-Dienste. Je nach Empfangsart erscheinen die Fernsehbilder schneller oder mit deutlicher Zeitverzögerung: Manche Fans warten noch auf das Tor, während die Nachbarn schon jubeln.

Je nach TV-Empfang deutlich langsamer

Die Redaktion des IT-Fachmagazins c't hat den TV-Empfang über verschiedene Wege gemessen und teils bis zu 50 Sekunden Zeitunterschied festgestellt – das ist eine halbe Ewigkeit. Am schnellsten ist der Empfang über Satellit. Es folgen der Antennenempfang, Kabel-TV und IP-TV. Streaming ist am langsamsten. Vor allem beim Elfmeterschießen hört da der Spaß auf. Das TV-Signal komme teilweise „erschreckend langsam“ auf den Fernsehern an.

1. Satellit: Zuschauer jubeln zuerst

Ganz vorne sind die Fans, die per Satellit empfangen. Die Art der Bildauflösung macht einen Unterschied. Bei den Messungen sei das Bild in schwacher SD-Auflösung mit 4,5 Sekunden am schnellsten angekommen, sagt c’t. Und das, obwohl dafür das ausgesendete HD-Signal noch heruntergerechnet werden müsse. Dicht darauf folgt das Sat-Signal in HD, das eine halbe Sekunde später auf dem Fernsehbildschirm erscheint, aber auch mit einem deutlich besseren Bild entschädigt.

2. Antenne: 2,5 bis 4,5 Sekunden langsamer

Wer sein TV-Programm terrestrisch über DVB-T2 HD erhält, empfängt die Ausstrahlung im ZDF (2,5 Sekunden Verzögerung zum Sat-SD-Signal) deutlich schneller als in der ARD (4,5 Sekunden).

3. Kabel-TV: Bis 6,5 Sekunden langsamer

Dahinter folgt den Messungen der c't zufolge das Signal über Kabel. In hoher Auflösung braucht es je nach TV-Sender 6 oder 6,5 Sekunden länger als der Satellit.

4. IP-TV: Telekom-Kunden müssen warten

Noch länger müssen Nutzer des Telekom-Angebots Entertain auf das Tor warten. Die Geschwindigkeitsproblematik betrifft alle digitalen Übertragungswege. Denn die über Satellit übermittelten Signale müssen noch transcodiert werden. Aktuell fällt die Wiedergabe des TV-Bilds über das Streaming-Angebot „Entertain“ etwa zwischen 8 und 10 Sekunden zurück.

5. Streaming-Dienste: Tore im Schneckentempo

Für Zuschauer, die das Fernsehsignal per Streaming empfangen, fällt das Tor mindestens 20 Sekunden später. Streaming-Anbieter, die keine Multicast-Technologie (Aussendung eines Signals an viele Kunden) verwenden, liegen aber noch weit dahinter, da kann die Verzögerung schon mal bis zu 50 Sekunden dauern. Streaming-TV-Dienste wie Zattoo speichern das Signal für eine flüssige Wiedergabe ein paar Sekunden auf den Endgeräten zwischen. Zattoo ist nach eigenen Angaben immerhin schneller als der Live-Stream über Mediatheken von ARD und ZDF. Die c't-Redakteure kommen je nach Ausgabemedium auf Verzögerungen von 34 bis 46 Sekunden. Spitzenreiter ist der Streaming-Dienst Magine, der auf einem AppleTV auf 21 Sekunden bei der ARD und 20 Sekunden beim ZDF kommt.

Neues Waipu-Angebot: Schneller als Kabel?

Unterdessen ist das Streaming-Angebot Waipu.tv einen Schritt weiter. Mit einer neuen Technologie werde Waipu.tv die Tore sogar noch einige Sekunden früher als im Kabel-Fernsehen zeigen können, kündigte das Unternehmen an. Der Anbieter verfügt über ein eigenes Glasfasernetz und hat dafür ein schnelles Übertragungsverfahren entwickelt. Vorerst lässt sich das Angebot jedoch nur mit Amazons Fire TV oder einem Fire-Tablet sowie über eine App auf Android-Smartphones nutzen.

Die c't-Redaktion hat das neue Waipu.tv bereits unter die Lupe genommen: Demnach kommt es bei der Ausstrahlung sowohl in der ARD als auch im ZDF auf eine Latenzzeit von 2,3 Sekunden und liegt damit vor dem terrestrischen Signal (4,5 beziehungsweise 2,5 Sekunden) wie auch vor der HD-Ausstrahlung über Kabel (6,5 und 6 Sekunden). Schneller ist nur das Bild über Satellit (0,5 Sekunden Latenz in hoher Auflösung).

Radio die schnellste Alternative

Die Schnelligkeit der Übertragung hängt übrigens immer auch von Faktoren wie der Leistungsfähigkeit des Fernsehers und des genutzten Receivers ab. Als Ausgangswert der Übertragung (Null) wurde das herkömmliche SD-Bild über Satellit genommen, das mit 4,5 Sekunden hinter der Echtzeit liegt. Denn ganz ohne Verzögerung geht es nur auf dem Fußballfeld. Das schnellste Übertragungsmedium wäre übrigens das gute alte, analoge Radio.