Crowdinvesting: Chancen und Risiken für Investoren

  • Beim Crowdinvesting beteiligen sich sehr viele Kleinanleger über spezielle Crowdfunding-Plattformen im Internet an Unternehmen, Startups oder einzelnen Projekten.
  • Es gibt eine Vielzahl unterschiedlicher Investmentsegmente. Zu den wichtigsten zählen Immobilien, Unternehmen und Energieprojekte.
  • Oft bietet Crowdinvesting hohe Rendite-Chancen. Doch auch die Risiken sind groß. Sie reichen bis zum Totalverlust des eingesetzten Vermögens.
  • Investoren sollten einige Grundregeln beachten und ihre Investments möglichst breit streuen.
  • Für die private Altersvorsorge ist Crowdinvesting in der Regel nicht geeignet.

Ratgeber / Finanzen

Bild: Freunde sehen Bilder auf Smartphone an Bild: ©Jacob Lund / Adobe Stock / Text: Verivox

+++ Dieser Ratgeber wird regelmäßig aktualisiert. Der folgende Text gibt den aktuellen Stand im Januar 2019 wieder. +++

Beim Crowdinvesting beteiligen sich viele Mikroinvestoren an Unternehmen, Startups oder Immobilien. Häufig verspricht ein Crowdinvestment attraktive Renditen. Allerdings ist auch das Risiko sehr hoch. Es reicht bis zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals. Wir erklären, wie Crowdinvesting genau funktioniert und wo die wichtigsten Chancen und Risiken für Sie als Investor liegen.

So funktioniert Crowdinvesting

Im Unterschied zum Crowdfunding stand beim Crowdinvesting schon immer eine Gewinnerzielungsabsicht im Vordergrund. Die Anleger investieren in ein Startup oder ein Projekt, um damit eine möglichst hohe Rendite zu erwirtschaften. Beim Crowdfunding erhielten Anleger klassischerweise eine nicht-materielle Gegenleistung für ihr Engagement. Heute werden die beiden Begriffe allerdings oft synonym verwendet. Ein Wesensmerkmal von Crowdinvesting besteht in der Vielzahl unterschiedlicher Geldgeber, die typischerweise jeweils nur kleine Beträge beisteuern. Die Gesamtheit aller Investoren wird als Crowd (deutsch: Masse, Schwarm) bezeichnet.

Am meisten wird in Immobilien investiert

Der Markt für Crowdinvesting wächst rasant – laut Crowdinvest Marktreport legte das Gesamtvolumen in Deutschland 2017 im Vergleich zum Vorjahr um stolze 171 Prozent auf insgesamt 200 Millionen Euro zu. Zum Vergleich: 2017 waren in Deutschland über 394 Milliarden Euro in Aktienfonds investiert. Gemessen am Gesamtanlagevermögen ist Crowdinvesting also immer noch ein absoluter Nischenmarkt. Aber er setzt sein Wachstum auch 2018 fort. Von Januar bis Mai 2018 wuchs das Gesamtanlagevolumen erneut um 47 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Geeignete Anlageobjekte für Ihr Crowdinvestment finden Sie im Internet. Auf speziellen Plattformen stellen Gründer ihr Unternehmen oder bestimmte Projekte vor und werben um Investoren.

Viele Crowdfunding-Plattformen sind auf bestimmte Investmentsegmente spezialisiert. Die Segmente mit dem größten Gesamtvolumen sind die Immobilien- und die Unternehmensfinanzierung. Mit großem Abstand folgt der Energiesektor. Wer sich im Netz umsieht, findet auch Plattformen, über die Anleger beispielsweise in Spieleentwickler, Textil-Startups oder sogar in junge Fußballspieler investieren können.

Crowdfunding-Plattformen für die wichtigsten Segmente

Der Plattform-Markt ist so stark ausdifferenziert und so dynamisch, dass ein vollständiger Überblick, der alle Anbieter auflistet, kaum zu erstellen ist. Einige große Plattformen für die wichtigsten Investmentsegmente finden Sie in der folgenden Tabelle:

Immobilien Startups / Unternehmen Energie
  • Exporo
  • Zinsland
  • Zinsbaustein
  • Bergfürst
  • Companisto
  • Kapilendo
  • Seedmatch
  • FunderNation
  • Wiwin
  • Econeers
  • LeihDeinerUmweltGeld
  • bettervest

Hohe Renditen, hohe Risiken

Anleger können mit einem Crowdinvestment häufig hohe Renditen von deutlich über 5 Prozent erzielen. Das Geld fließt entweder als Nachrangdarlehen oder als partiarisches Darlehen – sogenanntes Mezzanine-Kapital – in die Finanzierung eines Projekts oder Unternehmens ein.

Nachrangdarlehen

Bei einem Nachrangdarlehen „erkaufen“ Sie sich die hohe Rendite mit einem Rangrücktritt gegenüber anderen Gläubigern. Im Falle einer Unternehmensinsolvenz werden aus der Konkursmasse zuerst die Forderungen anderer Darlehensgeber bedient.

Gerade in der Immobilienfinanzierung wird häufig mit Nachrangdarlehen gearbeitet. Wegen des Rangrücktritts bewerten Kreditinstitute das Kapital aus Nachrangdarlehen wie Eigenkapital. Dadurch erhöht sich die Kreditlinie der Immobiliengesellschaft und sie kann mehr Projekte auf einmal finanzieren. Viele Nachrangdarlehen werden endfällig zurückbezahlt. Die Investoren erhalten ihr Geld inklusive der Verzinsung also erst am Ende der Laufzeit zurück – oft erst nach Verkauf der Immobilie.

Bei einem Nachrangdarlehen, das endfällig zurückgezahlt wird, droht Anlegern deshalb der Totalverlust des eingesetzten Vermögens, wenn die Projektgesellschaft in Schieflage gerät. Die Plattformen sind verpflichtet, Anleger über dieses Risiko mit einem prominenten Warnhinweis zu informieren. Wenn Sie auf der Suche nach einer geeigneten Vermögensanlage auf einen solchen Warnhinweis stoßen, sollten Sie ihn sehr ernst nehmen.

Partiarische Darlehen

Bei einem partiarischen Darlehen erhalten Sie im Gegenzug für Ihr Investment einen Anteil am Gewinn. Das Geld fließt als sogenanntes Mezzanine-Kapital in das Unternehmen ein. Der Begriff bezeichnet eine Mischform aus Eigen- und Fremdkapital. Bilanziell muss das Unternehmen ein partiarisches Darlehen zwar als Fremdkapital ausweisen. Banken hingegen bewerten Mezzanine-Kapital wie Eigenkapital.

Der Grund: Auch ein partiarisches Darlehen wird im Falle einer Pleite erst nachrangig bedient. Es schmälert also nicht den Zugriff der Bank auf die verfügbaren Sicherheiten. Ein Startup, das über partiarische Darlehen Geld einsammelt, erhöht auf diese Weise also zugleich seine Kreditlinie bei klassischen Banken, kann also mehr investieren und im besten Fall schneller wachsen. Sie als Darlehensgeber tragen allerdings ein großes Risiko. Ebenso wie bei Nachrangdarlehen droht im schlimmsten Fall der Totalverlust des investierten Vermögens. Denn auch diese Darlehen werden oft erst endfällig zurückgezahlt. Im Falle des Konkurses werden aus der Insolvenzmasse zuerst andere Gläubiger bedient.

Üblicherweise bestehen partiarische Darlehen beim Crowdinvesting aus zwei Komponenten. Ein Teil der vorgesehenen Rendite hängt von der Gewinnentwicklung des finanzierten Projekts oder Startups ab. Zusätzlich sehen viele Investments darüber hinaus eine feste Verzinsung vor. Sie sollten in Aussicht gestellte Traum-Renditen also immer kritisch hinterfragen. Womöglich ist darin ein variabler Anteil mit eingepreist, den Sie nur erhalten, wenn die Gewinne die Erwartungen erfüllen.

Crowdlending ist eine Sonderform von Crowdinvesting

Eine Sonderform des Crowdinvesting ist das sogenannte Crowdlending. Dabei stellen die Mikroinvestoren das Kapital für Unternehmens- oder Privatkredite. Auch hier bringt eine spezielle Plattform Kreditnehmer und Anleger zusammen. Die Kreditnehmer stellen sich selbst beziehungsweise ihr Unternehmen und das Projekt für die Finanzierung vor. Anleger können dann selbst entscheiden, in wessen Kreditwunsch sie investieren wollen. Bekannte Plattformen sind zum Beispiel Auxmoney für Privatkredite und Funding Circle für Firmenkredite.

Zusätzlich ist beim Crowdlending noch eine reguläre Bank eingebunden. Sie übernimmt die Abwicklung der Kreditvergabe und -Rückzahlung. Letztere erfolgt nicht endfällig, sondern in gleichbleibenden Monatsraten bestehend aus Zins und Tilgung. Auch auf Crowdlending-Plattformen finden sich die gesetzlichen Hinweise zum Risiko eines Totalverlusts. Verglichen mit einem Darlehen, das endfällig getilgt wird, ist dieses Risiko aber geringer.

Trotzdem sollten Sie auch hier vorsichtig bleiben: Stellen Sie sich die Frage, warum ein Darlehensnehmer den benötigten Kredit nicht bei einer Bank beantragt, wo er vermutliche günstigere Zinsen erhalten würde. Ist das Startup oder der private Kreditnehmer womöglich bereits überschuldet? Hält die Bank das Geschäftsmodell nicht für tragfähig? Seien sie kritisch und wählen Sie sorgfältig aus, wem Sie Ihr Geld leihen wollen.

Fünf Grundregeln fürs Crowdinvesting

Crowdinvesting kann sowohl für Unternehmen als auch für Privatanleger interessant sein. Startups und Projektgesellschaften sind für die Finanzierung ihrer Vorhaben nicht mehr allein auf Banken und institutionelle Investoren angewiesen. Ihnen als Anleger bieten sich neue Investmentmöglichkeiten mit teilweise sehr attraktivem Rendite-Potenzial. Wegen der erheblichen Risiken sollten Sie bei der Vermögensanlage aber einige Grundregeln beachten:

Regel 1: Streuen Sie Ihr Kapital

Wie bei anderen Anlagen auch gilt erst recht beim Crowdinvesting, dass Sie nicht alles auf eine Karte setzen sollten. Machen Sie es sich zunutze, dass Sie hier schon mit sehr kleinen Mindestbeträgen einsteigen können und streuen Sie Ihr Investment über viele Projekte. Dann ist auch der Schaden geringer, falls eines davon Schiffbruch erleidet.

Regel 2: Kritisch bleiben

Nehmen Sie sich Zeit für die Auswahl der Crowdfunding-Projekte, in die Sie investieren und bleiben Sie kritisch. Für Sie als Anleger ist es allerdings oft schwierig, Chancen und Risiken eines Projektes anhand der verfügbaren Informationen abzuschätzen. Umso wichtiger ist deshalb Regel 1.

Regel 3: Crowdinvesting taugt meist nicht zur privaten Altersvorsorge

Viele Sparer in Deutschland sind auf Sicherheit bedacht und stehen Ausfallrisiken skeptisch gegenüber. Dann sind für den langfristigen Vermögensaufbau andere Anlageformen und Strategien besser geeignet – zum Beispiel ein Fondssparplan oder eine private Rentenversicherung.

Zum Ratgeber: Rente aufstocken – so sparen Sie für 1.000 Euro Rente extra

Regel 4: Totalverlust einkalkulieren

Bei einem Crowdinvestment müssen Sie immer einkalkulieren, dass Sie das Geld womöglich nicht wiedersehen. Investieren Sie nur, wenn Sie im schlimmsten Fall auch den Totalverlust des eingesetzten Vermögens verschmerzen könnten.

Regel 5: Langsam einsteigen und Erfahrungen sammeln

Nehmen Sie sich Zeit und sammeln Sie eigene Erfahrungen als Crowdinvestor, bevor Sie allzu große Summen anlegen. Steigen Sie zuerst mit kleinen Beträgen ein und beobachten Sie, wie sich Ihre Investments entwickeln, bevor Sie größere Teile Ihres Vermögens investieren.

Nachrichten zum Thema

© 2019 – Richtig sparen mit VERIVOX, den Tarifexperten. Das unabhängige Verbraucherportal vergleicht kostenlos Tarife und Produkte in den Bereichen Energie, Telekommunikation, Versicherungen, Finanzen, Fahrzeuge und Immobilien. VERIVOX verwendet größte Sorgfalt auf Vollständigkeit und Richtigkeit der dargestellten Informationen, kann aber keine Gewähr für diese oder die Leistungsfähigkeit der Anbieter übernehmen.