Bußgeldkatalog: So viel kosten Verkehrsdelikte im EU-Ausland

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Geblitzt in Rom? Falsch geparkt in Paris?

In der Vergangenheit blieb das für deutsche Autofahrer meist folgenlos. Seit 2010 werden Bußgelder jedoch in der EU grenzüberschreitend vollstreckt, wenn der Betrag gemeinsam mit möglichen Verfahrenskosten 70 Euro übersteigt. Wie viel welches Vergehen wo kostet, erfahren Sie in unserer Hitliste der Bußgelder in Europa:

Geschwindigkeitsüberschreitung

Für deutsche Autofahrer ungewohnt drastisch reagieren die europäischen Nachbarn, wenn die Geschwindigkeit stark übertreten wird. Besonders teuer wird es in Großbritannien: Wer mehr als 50 Stundenkilometer über dem Limit liegt, zahlt dort bis zu 2.860 Euro. Achtung auch in Österreich: Dort werden in diesem Fall bis zu 2.180 Euro fällig. Selbst in Frankreich, wo ein vergleichsweise milder Gesamt-Strafen-Katalog gilt, wird es für den teuer, der zu viel Gas gibt: 1.500 Euro - egal ob 55 oder 85 Sachen zu schnell. In Kroatien wird zu hohes Tempo mit bis zu 660 Euro Strafe belegt. Bekannt streng sind die Regeln in der Schweiz. Dort werden bereits Übertretungen von 20 km/h mit mindestens 145 Euro geahndet. In Polen dagegen herrscht noch Gnade für Gasfüße: Wer mehr als 50 Stundenkilometer zu schnell unterwegs ist, der zahlt mindestens 100 Euro.

Selbst wer das Limit nur mäßig überschreitet, wird kräftig zur Kasse gebeten. Wer bis zu 20 km/h zu schnell unterwegs ist, sollte sich dabei ebenfalls nicht in Schweden, Dänemark oder Italien erwischen lassen. In Italien wird tagsüber ein Bußgeld ab 170 Euro verhängt, in Dänemark kann es ab 135 Euro kosten, und in Schweden trifft die Buße von mindestens 290 Euro Verkehrssünder wohl ebenfalls empfindlich.

Fahrten unter Alkoholeinfluss

Feiern und fahren - auch im Ausland versteht die Polizei keinen Spaß in Bezug auf Alkohol am Steuer. In den meisten Ländern gilt eine Grenze von 0,5 Promille. In Schweden und Polen liegt die Grenze bei 0,2 Promille - in Tschechien, Ungarn und der Slowakei gilt sogar absolutes Alkoholverbot. Strafen: Ungarn bis 980 Euro, Malta ab 1.200 Euro. In Norwegen beginnen die Bußgelder bei 670 Euro, in Schweden bei 40 Tagessätzen.

Wer in Italien alkoholisiert Auto fährt, zahlt tagsüber mindestens 500 Euro. Nachts steigen die Sätze nochmals um gut ein Drittel. In Dänemark kann die Strafe sogar bis zu einem Monatsverdienst ausmachen. Zum Vergleich: In Deutschland beginnen die Strafen bei einem Promillewert von 0,5 bei 500 Euro. In Frankreich hingegen fällt ein Glas Rotwein zu viel weniger ins Gewicht: Bußgeld ab 135 Euro. Auch in Belgien (ab 150 Euro) und Luxemburg (ab 100 Euro) ist Alkohol am Steuer ein kostengünstigeres Vergehen.

Handy am Steuer

Wer in Italien mit dem Mobiltelefon am Steuer erwischt wird, zahlt mindestens 155 Euro Strafe. In Deutschland fällt das Bußgeld mit 60 Euro vergleichsweise gering aus, allerdings wird zusätzlich ein Punkt in Flensburg eingetragen. In den Niederlanden werden 220 Euro fällig, in Belgien mindestens 100 Euro. Auch in Spanien sind Handys am Steuer nicht gerne gesehen: 200 Euro Strafe kostet das Vergehen. Zum Nulltarif gibt es die volle Mobilität beim Telefonieren in Schweden; hier gibt es kein ausdrückliches Handy-Verbot am Steuer.

Überfahren einer roten Ampel

Rote Ampeln sollte man im Ausland ebenfalls ernst nehmen. "Die Zeiten, in denen man in Palermo mit einem Hupkonzert über das Lichtsignal förmlich genötigt wurde, sind lange vorbei", schildert TÜV-Fachmann Philip Puls seine Beobachtungen. Rotlicht-Sündern knöpfe die Polizei mindestens 170 Euro ab, in Kroatien 260 Euro und in Schweden mindestens 300 Euro. Nachsichtiger seien die Straßenhüter in Polen und in Österreich - mit ab 75 beziehungsweise ab 70 Euro Bußgeld.

Falschparken

Auch beim Falschparken gilt vielerorts ungewohnte Strenge. In Ungarn kann das Bußgeld bis zu 165 Euro betragen. Die spanischen Behörden verlangen noch mehr: bis zu 200 Euro - Spitzenwert in Europa. Dänemark kassiert ebenfalls kräftig ab, hier liegt der Mindestsatz für Park-Vergehen bei 70 Euro.

Ungewöhnliche Verkehrsregeln und ihre Strafen

In über 20 europäischen Ländern ist es gesetzlich vorgeschrieben, tagsüber mit Licht zu fahren. Und auch das Mitführen einer Warnweste ist häufig Pflicht. In manchem Land warten aber auch ungewöhnliche Verkehrsregeln auf deutsche Urlauber.

So ist etwa in Griechenland das Rauchen im eigenen Fahrzeug verboten, wenn sich Kinder unter 12 Jahren mit an Bord befinden. Wer sich nicht daran hält, muss mit einem Bußgeld in Höhe von 1.500 Euro rechnen. In Österreich erhebt die Polizei eine sogenannte Blaulichtsteuer, wenn sie zu einem Unfall ohne Personenschaden – also ausschließlich zur Beweissicherung – gerufen wird. Kostenpunkt: 36 Euro. Ähnliches gilt in der Slowakei. Bei einem geringen Sachschaden kann der Unfallverursacher verpflichtet werden, für den Polizeieinsatz aufzukommen.

Auch die Fahrzeugausrüstung sollte gegebenenfalls vor Fahrtantritt noch einmal überprüft werden. So müssen Autofahrer beispielsweise in Bosnien-Herzegowina, Serbien, Tschechien und Kroatien stets Ersatzglühlampen dabei haben. Im Nachbarland Frankreich ist ein Alkoholtester obligatorisch. Und in Rumänien sind laut Straßenverkehrsordnung zwei Warndreiecke und ein Feuerlöscher mitzuführen.