Amazon-Kreditkarte: Wie gut ist die Amazon Prime Visa?

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Das Wichtigste in Kürze

  • Die Amazon Prime Visa ist eine Kreditkarte mit Teilzahlfunktion. Über ein Bonussystem werden für Einkäufe bei Amazon bis zu drei Prozent des Umsatzes zurückerstattet.
  • Kunden brauchen für die Amazon-Kreditkarte kein neues Konto. Als Referenzkonto kann das bestehende Girokonto verwendet werden.
  • Dauerhaft kostenfrei ist die Karte nur für Prime-Kunden. Ansonsten kostet sie 19,99 Euro pro Jahr.
  • Bargeldabhebungen sind mit der Amazon Prime Visa zwar möglich, allerdings sehr teuer.
  • Wer Angebote vergleicht, findet kostenfreie Kreditkarten mit günstigeren Konditionen, für die ebenfalls kein neues Girokonto benötigt wird.

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Wenn Amazon mit einem neuen Angebot auf den Markt geht, halten ganze Branchen die Luft an. Mit der Neuauflage seiner bereits bekannten Visa-Kreditkarte wendet sich der US-Versandriese gezielt an seine Prime-Kunden. Doch wie schlägt sich die neue Amazon Prime Visa im Vergleich zur Konkurrenz? Lohnt sich die Kreditkarte wirklich für alle Amazon-Kunden? Wir haben uns das Angebot einmal genauer angesehen.

Kein neues Konto notwendig

Wie bei der bereits bekannten Amazon-Kreditkarte kooperiert der Versandhändler auch für die Prime Visa mit der Landesbank Berlin (LBB). Die Karte erlaubt kontaktloses Bezahlen via NFC und bietet eine Teilzahlungsmöglichkeit. Auf Wunsch können die Umsätze aber auch einmal monatlich in einer Summe vom Girokonto abgebucht werden. Als Referenzkonto kommt jedes Girokonto innerhalb des europäischen Zahlungsraums (SEPA) infrage. Kunden müssen also nicht extra ein neues Konto bei der LBB eröffnen.

Die Prime Visa dient der Kundenbindung

Für Amazon ist die Prime Visa ganz klar ein Mittel zur Kundenbindung. Neukunden erhalten ein Startguthaben von 70 Euro für Amazon-Einkäufe. Wer seine Prime-Mitgliedschaft kündigt, kann die Karte zwar weiter nutzen. Dann kostet sie allerdings 19,99 Euro im Jahr. Außerdem erhalten Kartennutzer ohne Prime-Mitgliedschaft weniger Bonuspunkte über das integrierte Rabattsystem. Für ein Prime-Abo zahlen Amazon-Kunden 7,99 Euro pro Monat oder 69 Euro im Jahr.

Geld abheben ist möglich, aber teuer

Wer mit der Amazon Prime Visa Geld abheben möchte, muss dafür tief in die Tasche greifen: Für Bargeldauszahlungen werden Gebühren in Höhe von drei Prozent der abgehobenen Summe fällig. Die Mindestgebühr beträgt im Inland 7,50 Euro und im Ausland 5 Euro. In Ländern außerhalb der Euro-Zone kommt noch einmal ein sogenanntes Auslandseinsatzentgelt in Höhe von 1,75 Prozent hinzu.

Gemessen an anderen Karten ist das Geldabheben mit der Amazon Prime Visa damit ziemlich teuer. Zum Vergleich: Sparkassenkunden zahlen für Abhebungen an fremden Geldautomaten mit ihrer Girocard oft nur 1,95 Euro. Auch viele Kreditkarten ermöglichen weltweit kostenlose Barabhebungen – beispielsweise die Visa-Karten der DKB oder der ING-DiBa. Wer nicht extra ein neues Girokonto eröffnen will, kann unter anderem mit der Barclaycard Visa oder der Santander 1plus Visa weltweit kostenlos Bargeld abheben. Beide Karten sind dauerhaft kostenfrei.

Das Bonussystem der Amazon-Kreditkarte

Prime-Mitglieder erhalten bei Einkäufen auf Amazon.de, die sie mit der Prime Visa bezahlen, drei Bonuspunkte pro vollem Euro Umsatz. Kunden ohne Prime-Abo erhalten nur zwei Punkte pro Euro. Die Bonuspunkte können für zukünftige Käufe bei Amazon verwendet werden und haben einen Gegenwert von einem Cent pro Punkt. Prime-Kunden, die mit ihrer Amazon-Karte zahlen, erhalten so Bonuspunkte im Gegenwert von drei Prozent des Umsatzes zurück.

Auch Kartenzahlungen außerhalb von Amazon bringen Punkte. Hier gibt es einen Bonuspunkt pro vollen zwei Euro Umsatz. Das entspricht einem Rabatt von 0,05 Prozent.

Bonuspunkte gelten nicht für alle Amazon-Produkte

Beachten sollten Kunden allerdings, dass sie ihre Bonuspunkte nicht auf alle Artikel und Services einlösen können: „Ausgeschlossen sind Kindle eBooks und Downloads, MP3s, Video-Titel, Games- und Software-Downloads, Appstore Apps, Prime-Mitgliedschaften, Spar-Abo-Artikel, Vorbestellungen sowie Bestellung bei Prime Now und über 1-Click“, teilt Amazon im Kleingedruckten mit.

Licht und Schatten bei der Amazon Prime Visa

Trotz dieser Einschränkungen dürfte das Bonusprogramm einigen Verbrauchern attraktiv erscheinen. Prime-Kunden, die ohnehin sehr regelmäßig und viel bei Amazon bestellen, können profitieren. Doch niemand sollte sich durch das Punktesammelfieber dazu verleiten lassen, auf einen Preisvergleich zu verzichten – insbesondere beim Kauf von hochpreisiger Ware. In vielen Fällen gleichen die Bonuspunkte den Preisunterschied zum günstigsten Händler bei weitem nicht aus.

Ein wichtiger Nachteil sind die sehr hohen Kosten für Bargeldabhebungen – vor allem im Ausland. Kritikwürdig sind auch die jährlichen Gebühren, die anfallen, wenn Karteninhaber ihr Prime-Abo auslaufen lassen. Um diese Kosten zu vermeiden, müssen Kunden selbst daran denken, ihre Kreditkarte zu kündigen, wenn sie ihre Prime-Mitgliedschaft beenden. Immerhin: Eine Kündigung ist jederzeit und ohne Einhaltung einer Frist möglich.

Fazit

Insgesamt kann die Amazon Prime Visa nur bedingt überzeugen. Wer sich etwas umsieht und die Konditionen mehrerer Angebote vergleicht, findet Kreditkarten, die ohne Wenn und Aber kostenfrei sind und die ohne Gebühren für Barabhebungen auskommen.

+++ Hinweis: Die in diesem Artikel genannten Konditionen entsprechen dem aktuellen Stand im Oktober 2018. +++