Zinsen aktuell: Am dunkelsten ist die Nacht kurz vor der Dämmerung

13.12.2017 | 14:51

Heidelberg. Während die amerikanische Notenbank (FED) mit der gestrigen Erhöhung des US-Leitzinses ihren geldpolitischen Normalisierungskurs fortsetzt, bleibt die Europäische Zentralbank (EZB) vorsichtig. Wer heute auf ein fixes Enddatum für das milliardenschwere Anleihekaufprogramm gehofft hatte, wurde enttäuscht.

Kommentar von Christoph Jennen, Geschäftsführer der Verivox GmbH:

„Durch die Entscheidung der EZB bleiben steigende Zinsen vorerst in weiter Ferne. Es ist kaum mehr damit zu rechnen, dass der Leitzins vor 2019 angehoben wird.

Zinsen in konstanter Seitwärtsbewegung

Es war aber auch nicht zu erwarten, dass der EZB-Rat an zwei aufeinanderfolgenden Notenbankterminen Schritte zu einer strafferen Geldpolitik unternehmen würde. Auch die Märkte haben es sich in einer Warteposition bequem gemacht. Die Sparzinsen bewegen sich seit Monaten seitwärts.

Aktuell zahlen Banken im Schnitt 0,04 Prozent aufs Tagesgeld. Das zeigt eine Verivox-Auswertung von rund 800 Banken, Deutschlands größter Datenbank für tagesaktuelle Tages- und Festgeldangebote. 2-jährige Festgelder bringen im Schnitt 0,23 Prozent. Die Zinsen für 5- und 10-jährige Anlagen sind im Vergleich zum Vorjahr zwar leicht gestiegen und preisen damit die grundsätzliche Erwartung steigender Zinsen ein. Doch auch sie treten seit Monaten auf der Stelle. Von Aufbruchstimmung keine Spur.

Die FED gibt den Kurs vor

Nach 2017 wartet ein weiteres Jahr mit Zinserträgen deutlich unter der Inflationsrate (aktuell 1,8 Prozent) auf die deutschen Sparer. Hoffnungsvoll stimmt der Blick über den Atlantik. Dort hält die FED an ihrem Kurs der geldpolitischen Straffung fest. Nach drei Zinserhöhungen in diesem Jahr sollen laut der US-Notenbank 2018 drei weitere folgen.

Historisch orientierte sich die EZB stets an der amerikanischen Geldpolitik – wenn auch zuletzt mit größerem Zeitabstand. Sie dürfte das auch in Zukunft tun – zumal die befürchteten negativen Folgen in den USA ausgeblieben sind. Die US-Konjunktur brummt.

Durchhalten bis zur Zinswende

Bis zur langersehnten Zinswende heißt es durchzuhalten. Am finstersten erscheint die Nacht kurz vor dem Morgengrauen. Bis es soweit ist, sollten Anleger die realen Kaufkraftverluste ihrer Ersparnisse zumindest so gering wie möglich halten. Top-Banken zahlen aktuell immerhin 0,6 Prozent aufs Tagesgeld. Einige zeitlich befristete Aktionsangebote bringen bis zu 1,0 Prozent. Die bestverzinsten 2-jährigen Festgeldanlagen werfen 1,33 Prozent Zinsen ab. Damit kommen Anleger der von der Bundesbank für 2018 prognostizierten Inflationsrate von 1,4 Prozent zumindest nahe.

Wer nach deutlich höheren Rendite-Chancen sucht, kann einen Teil seines Vermögens in günstige Indexfonds (ETF) investieren, die große Vergleichsindizes wie den DAX oder den MSCI World nachbilden. Dadurch sind ETFs besonders günstig. Außerdem ermöglichen sie auch Kleinanlegern eine breite Risikostreuung. Wichtig ist eine langfristig ausgerichtete Strategie, um zwischenzeitliche Kursverluste aussitzen zu können.“