Umfrage: Mehrheit will nur auf der Langstrecke fürs Flugzeug-WLAN zahlen
24.06.2026 | 08:30
Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox
Heidelberg. Gut die Hälfte der in Deutschland beliebtesten Airlines hat Internet an Bord; die Nutzung der Tarife ist in der Regel kostenpflichtig. Ob ein Fluggast fürs Bord-WLAN Geld ausgibt, hängt entscheidend von der Flugdauer ab: Auf Kurzstrecken würde nur eine Minderheit dafür bezahlen, auf Langstrecken hingegen die Mehrheit. Das zeigt die mit einer repräsentativen Umfrage kombinierte Marktanalyse des Vergleichsportals Verivox.
Zahlungsbereitschaft steigt mit der Länge eines Flugs
Verivox hat gefragt, ob die Deutschen bereit wären, fürs Flugzeug-Internet zu bezahlen – sofern die Qualität gängigen Ansprüchen genügt. 53 Prozent möchten auf der Kurz- oder Mittelstrecke kein Geld dafür ausgeben. Bei Langstreckenflügen sind nur 35 Prozent ablehnend, 60 Prozent würden bezahlen. Die Zahlungsbereitschaft ist unter jungen Menschen bis 29 Jahre am größten, unter Älteren ab 50 Jahren am geringsten (81 vs. 46 Prozent auf Langstrecken). Signifikant höher ist die Akzeptanz auch unter Familien mit Kindern (78 Prozent auf Langstrecken); die Zustimmung kinderloser Haushalte fällt um ein Viertel niedriger aus.
Die Zahlungsbereitschaft erstreckt sich überwiegend auf Beträge von bis zu zehn Euro pro Flug, darüber sinkt sie merklich. 36 Prozent der Befragten würden maximal zehn Euro auf Kurz- und Mittelstrecken fürs Bord-WLAN bezahlen. Nur sechs Prozent wären bereit, mehr auszugeben. Auf Langstrecken würden 46 Prozent WLAN-Kosten bis zehn Euro in Kauf nehmen, höhere Preise kämen für 14 Prozent in Frage.
"Für unsere Umfrage haben wir nach der Zahlungsbereitschaft für eine stabile Netzqualität an Bord gefragt", sagt Jörg Schamberg, Telekommunikationsexperte bei Verivox. "Tatsächlich ist das heutzutage eher die Ausnahme. Noch beträgt die Bandbreite bei den meisten Airlines maximal 4 Megabit pro Sekunde – das ist zu langsam für flüssiges Streaming."
Starlink-Internet könnte zum neuen Standard werden
Doch schon bald könnte das Ruckel-Internet über den Wolken der Vergangenheit angehören. Aktuell stellen immer mehr Airlines auf eine Internetnutzung über Starlink um; vereinzelt arbeiten Airlines auch mit dem Wettbewerber Amazon Leo zusammen. Beide Anbieter setzen auf Satelliten in geringer Höhe, die Highspeed-Internet mit dreistelligen Downstream-Bandbreiten ermöglichen sollen. Zum Start wird vielfach eine kostenlose Nutzung angeboten. Auch in der Lufthansa Group hat die Umstellung auf Starlink bereits begonnen.
"Aktuell wird spekuliert, ob Starlink seine machtvolle Position beim Flugzeug-Internet für Vorgaben zur Preisgestaltung nutzt", sagt Schamberg. "Noch ist nicht absehbar, ob die aktuelle Entwicklung die Schere zwischen Premium- und Billig-Airlines weiter öffnet oder langfristig sogar verringert. Denn gleichzeitig steigen die Ansprüche der Kunden: Ein sofort nutzbarer und im besten Fall kostenloser Internetzugang wird inzwischen erwartet, unabhängig von Reiseklasse und Verkehrsmittel."
Die meisten Ferienflieger bleiben weiterhin offline
Ungeachtet der WLAN-Qualität: Bei 14 der 25 am häufigsten in Deutschland genutzten Fluggesellschaften können Passagiere Internetpakete buchen – im Vorjahr waren es 13 von 25. Dazu gehören Airlines wie Lufthansa, Condor, Eurowings, Turkish Airlines, KLM, Austrian Airlines, British Airways und United Airlines. Seit 2025 bietet auch TUIfly ein kostenpflichtiges Chat-Angebot an.
Kein WLAN gibt es bei Billig- und Ferienfliegern wie Ryanair, Easyjet, Sun Express oder Air Dolomiti. Grundsätzlich hängt die WLAN-Verfügbarkeit vom Flugzeugtyp ab. Die Internetnutzung ist meist kostenpflichtig. Einige Airlines bieten kostenlose Chat-Tarife mit reduziertem Surfspeed an, darunter Lufthansa, KLM, Austrian Airlines, United Airlines, Swiss und Discover Airlines. Voraussetzung ist meist ein Mitgliedsstatus oder eine Anmeldung. Manche Fluggesellschaften bieten Gratis-Internet in der Ersten Klasse; komplett kostenloses Surfen in allen Reiseklassen gibt es jedoch bei keiner der untersuchten Airlines.
Chatten ab 2,30 Euro, Streamen ab knapp 6 Euro
Die günstigsten Basis-Tarife auf Kurz- und Mittelstrecken kosten etwa 3 Euro, British Airways nimmt 2,30 Euro. Größere Surf- und Streamingpakete gibt es ab knapp 6 Euro, sie sind aber Zeit- oder Volumenlimits unterworfen. Auf Langstreckenflügen verlangen etwa Swiss (37 Euro) und KLM (bis 30 Euro) deutlich höhere Preise. Wer kein Paket bucht, sollte mobile Geräte grundsätzlich im Flugmodus belassen, schon aus Sicherheitsgründen. Zudem können über den Wolken hohe Roaming-Kosten entstehen.
Methodik
Die WLAN-Preisdaten der Airlines wurden am 22. und 26.05.2026 auf den Webseiten der Fluggesellschaften erhoben. Berücksichtigt sind alle Airlines mit mindestens 500 Abflügen von deutschen Flughäfen im Mai 2026 (Quelle: Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt: Global Aviation Monitor, Mai 2026). Preise aus anderen Währungen wurden am 26.05.2026 in Euro umgerechnet.
Die Umfragedaten wurden vom Marktforschungsinstitut Innofact im Juni 2026 online erhoben. Befragt wurden 1.014 Personen im Alter von 18 bis 79 Jahren. Die Umfrage ist bevölkerungsrepräsentativ in Bezug auf Alter, Geschlecht und Bundeslandzugehörigkeit. Die Befragten entstammen einem ISO-zertifizierten Online-Panel mit rund 500.000 Teilnehmenden. Gefragt wurde: Angenommen, Sie verreisen mit dem Flugzeug: Wären Sie bereit, für das Internet-Surfen an Bord zu bezahlen – sofern die Netzqualität stabil genug für übliche Anwendungen ist? Denken Sie bitte an einen Preis pro Flug, nicht pro Stunde.