Trend zu Negativzinsen beschleunigt sich in der Corona-Krise

09.04.2020 | 13:55

Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox

In der Corona-Krise belasten immer mehr Banken private Sparer mit Negativzinsen. Verivox-Recherchen zeigen: Mehr als jede vierte Bank mit Negativzinsen, hat den Minuszins innerhalb des letzten Monats eingeführt.

In einem Monat 23 neue Banken mit Negativzinsen

„In der Corona-Krise hat sich der Trend zu Negativzinsen noch einmal spürbar beschleunigt“, sagt Oliver Maier, Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich GmbH. Insgesamt haben derzeit 80 Banken und Sparkassen Negativzinsen für Privatkunden in ihren Preisaushängen veröffentlicht. Davon haben 23 Institute die Minuszinsen seit dem 9. März eingeführt – mehr als jede Vierte.

Das Datum steht exemplarisch für den endgültigen Ausbruch der Corona-Krise in Deutschland. An diesem Tag starben in Deutschland erstmals zwei Menschen, die an Covid-19 erkrankt waren, und der Dax brach im Vergleich zum Schlusskurs der Vorwoche um 8 Prozent ein.

Nicht immer trifft es nur vermögende Sparer

„Lange Zeit wurden Negativzinsen ausschließlich auf sehr hohe Guthaben ab 100.000 Euro und mehr erhoben. Inzwischen sind aber immer häufiger auch Sparer mit kleinen und mittleren Anlagesummen betroffen“, sagt Oliver Maier. Mindestens 15 Banken gewähren ihren Kunden deutlich weniger als 100.000 Euro Freibetrag – drei davon erheben den Negativzins ab dem ersten Euro.

Verivox recherchiert die Tagesgeldzinsen von rund 800 Banken und Sparkassen. Das ist die größte tagesaktuelle Datenbank in Deutschland. Doch nicht alle Banken veröffentlichen Negativzinsen in ihren Preisaushängen. Einige treffen stattdessen individuelle Vereinbarungen mit ihren vermögenden Kunden. Tatsächlich dürften also sogar deutlich über 80 Banken Negativzinsen verlangen.

„Null- und Negativzinsen sind kein Naturgesetz“

Wenn Geldhäuser einen neuen Negativzins einführen, gilt dieser zunächst nur für Neukunden. „Will eine Bank auch von ihren Bestandskunden Negativzinsen erheben, muss sie dies mit den Betroffenen individuell vereinbaren“, erklärt Oliver Maier. „In diesem Fall raten wir zum Wechsel. Auch im aktuellen Marktumfeld sind Null- und Negativzinsen kein Naturgesetz.“

Top-Banken im EU-Ausland gewähren aktuell 0,6 Prozent Zinsen aufs Tagesgeld. Anbieter mit deutscher Einlagensicherung zahlen in der Spitze 0,25 Prozent. Wer sein Geld für zwei Jahre fest anlegen kann, erhält bis zu 1,2 Prozent Zinsen.

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