Strom-Flatrates & Co.: Welche Tarifmodelle sich wirklich lohnen

12.12.2016 | 16:21

Heidelberg. Eine Reihe von Stromversorgern bieten ungewöhnliche Tarifmodelle an – von festen Stromkontingenten bis hin zu Flatrates mit beliebigem Verbrauch im ersten Jahr. Lohnen sich solche Angebote? Das unabhängige Verbraucherportal Verivox hat die gängigsten Tarifmodelle unter die Lupe genommen und zeigt, worauf Verbraucher achten sollten.

Standardtarife: Die größte Auswahl, verbraucherfreundliche Tarife

Der klassische Stromtarif besteht aus einem monatlichen festen Grundpreis und einem Preis pro verbrauchter Kilowattstunde. Fast alle Stromversorger bieten ein derartiges Tarifmodell an. Für eine kleine Familie mit einem Verbrauch von 4.000 Kilowattstunden (kWh) liegen die Kosten im günstigsten verfügbaren Tarif dieser Art im bundesdeutschen Durchschnitt bei 782 Euro (mit Bonus).

Vorauskasse: Verbreitete Alternative beim Grundversorger

Das am meisten verbreitete abweichende Tarifmodell ist die jährliche Vorauszahlung. Hier besteht aber das Risiko, dass die geleistete Vorauszahlung im Fall einer Insolvenz des Anbieters ganz oder teilweise verloren ist. Allerdings bieten mittlerweile fast ausschließlich örtliche Versorger diese Tarife an – aktuell sind das 56 Grundversorger und ein überregionaler Anbieter. Die Kosten für einen Drei-Personen-Haushalt liegen durchschnittlich bei 921 Euro (mit Bonus).

Strompakete: Nur selten eine sinnvolle Alternative

Eine Variante der jährlichen Vorauszahlung sind Strompakete, bei denen eine bestimmte Menge Strom im Voraus gekauft wird. Fällt der Verbrauch geringer aus, verfällt das Guthaben, wird mehr verbraucht, muss nachgezahlt werden. Derzeit bieten vier Grundversorger derartige Tarife an, die durchschnittlichen Kosten belaufen sich bei gleichem Verbrauch auf 1.293 Euro (mit Bonus). Insgesamt 8 Versorger bieten Strompakete mit monatlicher Zahlung an. Hier belaufen sich die Kosten auf 875 Euro (mit Bonus). Angesichts des hohen durchschnittlichen Preisniveaus der Strompakte und weil viele Verbraucher ihre Verbrauchsmenge nicht genau einschätzen können, sind diese Tarife nur eingeschränkt zu empfehlen.

Kein Grundpreis: Stromtarife nach Kilowattstunde

Es gibt auch Stromtarife, die keinen monatlichen Grundpreis haben, bei denen aber dennoch monatliche Abschläge fällig werden. Hier wird ausschließlich nach einem Preis pro verbrauchter Kilowattstunde abgerechnet. Aktuell bieten 18 Stromversorger derartige Tarife an. In 12 Fällen handelt es sich um Grundversorger, insgesamt 6 Stromanbieter sind überregional aktiv. Die durchschnittlichen Kosten für einen Drei-Personen-Haushalt belaufen sich hier auf 940 Euro (mit Bonus).

Neue Tarifmodelle: Strom-Flatrates und Stromtarife nach Börsenpreis

Vereinzelt bieten Stromversorger auch sogenannte „Strom-Flatrates“ an, bei denen der Verbrauch nur eingeschränkt berücksichtigt wird. Bei einigen Versorgern sind diese Angebote an Solaranlagen oder Stromspeicher gekoppelt. Andere bieten eine reine Flatrate an, die sich nach dem Vorjahresverbrauch richtet. Liegt der Stromverbrauch im Folgejahr viel höher, steigt der Strompreis, liegt der Verbrauch weit darunter, wird der Kunde niedriger eingestuft.

Ein Stromversorger bietet sogar einen Stromtarif an, dessen Kilowattstundenpreis sich monatlich teilweise an den Strompreisen der Energiebörse EEX ausrichtet. Liegen die Preise dort unter einer vorher vereinbarten Preisgrenze, erhalten die Kunden eine entsprechende Gutschrift. Liegt der Preis darüber, wird jedoch nur die vereinbarte Preisgrenze berechnet.

„Diese ungewöhnlichen Tarifmodelle befinden sich aktuell noch im Experimentierstadium und können preislich kaum mit dem herkömmlichen Modell mithalten“, sagt Jan Lengerke, Mitglied der Geschäftsleitung bei Verivox. „Die meisten Verbraucher sind daher mit einem klassischen Tarif besser beraten. Denn hier gibt es immer noch die größte Auswahl und damit hohes Sparpotenzial. Wichtig sind neben dem Preis aber auch faire Vertragsbedingungen, wie kurze Laufzeiten und Kündigungsfristen, Preisgarantien und eine hohe Kundenzufriedenheit.“