Strom bleibt im kommenden Jahr teuer

17.11.2017 | 16:23

Heidelberg. Die Mehrheit der Stromanbieter hält ihre Preise zum Jahreswechsel stabil. Das hat eine Analyse der Tarifexperten von Verivox ergeben. Bis Montag haben Stromversorger Zeit eine Preisänderung anzukündigen, die zum neuen Jahr wirksam wird. Bisher haben 39 Grundversorger angekündigt die Strompreise um durchschnittlich 2 Prozent zu senken, 42 Grundversorger erhöhen die Preise um durchschnittlich 2,8 Prozent.

Dabei geben sinkende Stromnetzgebühren durchaus Spielraum für Preissenkungen. Und auch staatliche Umlagen werden günstiger.

Staatliche Umlagen und Netzkosten sinken

Zum 1. Januar 2018 verbilligen sich verschiedene staatliche Umlagen: Die EEG-Umlage zur Förderung erneuerbarer Energien sinkt um 0,09 Cent auf 6,792 Cent je Kilowattstunde. Die Umlage zur Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung und die §19-NEV-Umlage, mit der große Stromverbraucher bei den Netzentgelten entlastet werden, sinken ebenfalls. Gleichzeitig sind die Großhandelspreise für Strom im Laufe des Jahres um knapp 3 Prozent gesunken. Und auch die Netznutzungsentgelte werden günstiger - im Bundesdurchschnitt um 4,1 Prozent, regional teilweise noch deutlicher.

Anbieter halten Preise stabil auf hohem Niveau

„Die meisten der über 800 Grundversorger halten die Preise zum Jahreswechsel stabil, obwohl – zumindest regional – die Voraussetzungen für Senkungen gegeben wären“, sagt Mathias Köster-Niechziol, Energieexperte bei Verivox. „Offenbar reichen die Spielräume aus geringeren Netzkosten und gesunkener Umlage in diesem Jahr aber nicht, um Entlastungen an die Verbraucher weiterzugeben. Daher rechnen wir damit, dass auch im kommenden Jahr die durchschnittlichen Strompreise auf dem derzeitigen Rekordniveau bleiben werden“, so Köster-Niechziol weiter. Aktuell zahlt eine dreiköpfige Familie gemäß Verivox-Verbraucherpreisindex 1.131 Euro für Strom.

Im vergangenen Jahr hatten rund 380 Stromversorger Preisänderungen zum Stichtag angekündigt – etwa 350 erhöhten die Preise.

Vergleichen lohnt sich

Stromkunden können ihre Rechnung dennoch senken. Wer sich noch nie um einen günstigeren Stromanbieter gekümmert hat, wird zu den Preisen des Standardtarifs des örtlichen Grundversorgers beliefert. Wer noch nie gewechselt hat und das günstigste Angebot mit fairen Bedingungen wählt, spart aktuell 360 Euro pro Jahr. In der Regel übernimmt der neue Anbieter die Kündigung beim bisherigen Versorger. Verbraucher, die ein Preiserhöhungsschreiben erhalten, sollten aufgrund der kurzen Fristen aber selbst kündigen. Stromversorger müssen Preiserhöhungen in der Regel sechs Wochen vorher schriftlich ankündigen.

Laut dem Monitoringbericht der Bundesnetzagentur beziehen immer noch 32 Prozent der Haushalte Strom zu den Bedingungen der Grundversorgung. 43 Prozent haben einen Sondertarif des örtlichen Grundversorgers. Würden all diese Verbraucher zum günstigsten Anbieter wechseln, könnten pro Jahr über 9 Milliarden Euro eingespart werden.