Regionalklassen-Nachteil: Kfz-Versicherung in Berlin bis zu 61 Prozent teurer als in Emden
09.09.2026 | 07:55
Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox
Heidelberg. Ein Autofahrer aus Berlin zahlt bis zu 61 Prozent mehr für die Autoversicherung als ein Fahrer aus dem ostfriesischen Emden. Verantwortlich für diesen Preisunterschied sind die Regionalklassen. Heute hat der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) die neuen Einstufungen für das kommende Jahr veröffentlicht. Verivox-Berechnungen zeigen, wie stark Regionalklassen den Versicherungsbeitrag beeinflussen – mitunter sogar in der unmittelbaren Nachbarschaft. So kommt es auch am Stadtrand von Berlin zu Unterschieden von bis zu 41 Prozent.
54 Prozent mehr für die Vollkasko
Ein 45-jähriger Golf-Fahrer aus Berlin zahlt 61 Prozent mehr für die Teilkasko-Versicherung als ein identischer Golf-Fahrer aus Emden. Für die Vollkasko zahlt der Berliner 54 Prozent mehr, die Haftpflichtversicherung ist um 47 Prozent teurer.
Autofahren in Berlin ist teurer als in anderen Teilen Deutschlands. Die Hauptstadt hat die höchstmöglichen Haftpflicht- und Teilkasko-Regionalklassen. Emden gehört hingegen zu den Regionen, die hier jeweils in eine der niedrigsten Klassen eingestuft sind.
"In Städten ist die Unfallquote wegen des dichten Verkehrs höher als in dünner besiedelten Regionen. Das führt zu höheren Regionalklassen für die Kfz-Haftpflicht", sagt Aljoscha Ziller, Geschäftsführer der Verivox Versicherungsvergleich GmbH. "In Berlin ist zudem die Diebstahlquote hoch, was sich in einer hohen Teilkaskoklasse niederschlägt."
Bis zu 41 Prozent Plus übern Gartenzaun
Die Hauptstadt ist wegen der hohen Regionalklassen auch deutlich teurer als das unmittelbare Umland, wie ein Vergleich zwischen Berlin-Nikolassee und dem angrenzenden Kleinmachnow in Brandenburg zeigt. Die Anwohner teilen sich zwar mitunter denselben Gartenzaun, haben jedoch nicht dieselben Kosten für die Kfz-Versicherung.
So zahlt der Golf-Fahrer in Berlin wegen höherer Regionalklassen 41 Prozent mehr für die Vollkasko-Versicherung als in Kleinmachnow. Für die Teilkasko sind es in der Hauptstadt 39 Prozent mehr, für die Haftpflichtversicherung 28 Prozent.
Flächendeckende Preiserhöhungen liegen in der Vergangenheit
Der Versicherungsverband GDV berechnet die Regionalklassen jährlich auf Basis des Schadengeschehens mehrerer Jahre. Die Regionalklassen gehören zu den ersten Novellierungen mit Einfluss auf die Prämie, die im Jahresverlauf bekannt gegeben werden. In Kürze folgen auch die neuen Typklassen für jedes Fahrzeug, Versicherungsnehmer mit kalenderjährlicher Vertragslaufzeit erhalten im Herbst ihre Beitragsrechnung für das kommende Jahr. Im Gegensatz zu den letzten Jahren müssen allerdings nicht mehr so viele Autofahrer mit bösen Überraschungen rechnen.
"Die meisten Versicherer verzeichnen wieder Gewinne und die Zeiten der starken Preiserhöhungen liegen hinter uns", sagt Aljoscha Ziller. "In die Wechselsaison gehen die Unternehmen mit ganz unterschiedlichen Strategien. Einige sind nach wie vor kostensensitiv, andere wollen mit günstigen Angeboten Neukunden gewinnen." Das Sparpotenzial zwischen günstigen und mittleren Tarifen liegt aktuell bei 33 Prozent.
Methodik
Die Berechnungen basieren auf dem Fahrerprofil für einen 45-jährigen Alleinfahrer eines VW Golf VIII 2.0 TDI. Aus über 400 Versicherungsangeboten wurden aus den jeweils 5 günstigsten Tarifen ohne Telematik Durchschnittswerte für Haftpflicht, Teilkasko und Vollkasko gebildet.