Krankenkasse: Hälfte der Versicherten muss mehr zahlen - Sparpotenzial unterschätzt

21.12.2020 | 09:28

Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox

Heidelberg. Derzeit legen die gesetzlichen Krankenversicherungen ihre Zusatzbeiträge für 2021 fest. Nach aktuellen Zahlen muss rund jeder zweite Versicherte mehr zahlen. Das Sparpotenzial durch einen Wechsel der Krankenkasse schätzen viele Verbraucher falsch ein, wie eine Umfrage im Auftrag von Verivox zeigt.

Erhöhungen für 35 Millionen Versicherte

Der durchschnittliche Zusatzbeitrag in der gesetzlichen Krankenversicherung liegt aktuell bei 1,1 Prozent und er steigt ab Januar für rund jeden zweiten Versicherten. Bisher haben 21 der 76 allgemein zugänglichen Krankenkassen Erhöhungen für ihre mehr als 35 Millionen Versicherten angekündigt. Wer Vollzeit arbeitet, kann bei einem Wechsel seinen Arbeitnehmeranteil um 170 Euro pro Jahr senken.

Rund drei Viertel schätzen: "Sparpotenzial unter 100 Euro"

Die Versicherten schätzen ihr Sparpotenzial dabei oft zu gering ein. 22 Prozent der Teilnehmer der Verivox-Umfrage vermuten, dass sie schon bei der günstigsten Krankenkasse sind. Tatsächlich haben die Krankenkassen mit den regional günstigsten Zusatzbeiträgen aber nur einen Marktanteil von zwei Prozent an den Versicherten. 28 Prozent der Umfrageteilnehmer gaben an, dass sie maximal 50 Euro pro Jahr sparen könnten. 24 Prozent hielten ein Sparpotenzial von 50 bis 100 Euro für plausibel.

170 Euro Beitragsunterschied bei Durchschnittslohn

Der günstigste Zusatzbeitrag einer bundesweit tätigen Krankenkasse liegt aktuell und auch 2021 bei 0,39 Prozent - jeweils zur Hälfte vom Arbeitnehmer und vom Arbeitgeber bezahlt. Ein Wechsel von einer Krankenkasse mit durchschnittlichem Zusatzbeitrag bringt für einen Angestellten mit einem Einkommen von 47.928 Euro (Bundesdurchschnitt ohne Sonderzahlungen für Vollzeitstellen laut Statistischem Bundesamt) aktuell schon 170 Euro Beitragsersparnis. Weil die Zusatzbeiträge steigen, dürfte der Beitragsunterschied im kommenden Jahr sogar 218 Euro erreichen.

Da Beiträge zur Krankenversicherung steuerlich absetzbar sind, fällt das Plus im Portmonee je nach Steuerklasse geringer aus. Versicherte in der gesetzlichen Krankenversicherung haben im Schnitt weniger Einnahmen - 25.992 Euro im Jahr 2019 laut Bundesministerium für Gesundheit. Dann beträgt die Ersparnis 92 Euro im laufenden Jahr und 118 Euro im Jahr 2021. Selbst mit diesem Einkommen läge die Ersparnis höher als drei Viertel der Befragten vermuten.

Leichterer Wechsel ab Januar "Der Gesetzgeber hat den Wechsel der Krankenkasse ab kommendem Jahr vereinfacht", sagt Wolfgang Schütz, Geschäftsführer der Verivox Versicherungsvergleich GmbH. "Die Kündigung des alten Anbieters übernimmt ab Januar die neue Krankenkasse automatisch. Eine verbraucherfreundliche Regelung, wie sie beim Wechsel des Stromanbieters schon lange funktioniert. Außerdem sind Versicherte künftig nur noch 12 Monate an eine neue Krankenkasse gebunden."

Methodik

Für die Studie wurden Ende November 2020 deutschlandweit online 1.000 Personen im Alter von 18 bis 69 Jahren befragt. Die Umfrage ist bevölkerungsrepräsentativ in Bezug auf Alter, Geschlecht und Bundeslandzugehörigkeit und wurde vom Marktforschungsinstitut Innofact erhoben. Frage: "Bitte schätzen Sie: Wie viel Geld würden Sie persönlich mit einem Wechsel in die günstigste Krankenkasse sparen?" 926 Teilnehmer sind in einer gesetzlichen Krankenversicherung versichert. Ihre Antworten bilden die Basis der Studie.

Der Schätzerkreis des Bundesministeriums für Gesundheit rechnet 2021 mit einem durchschnittlichen Zusatzbeitrag von 1,3 Prozent.

Bitte schätzen Sie: Wie viel würden Sie mit einem Wechsel in die günstigste Krankenkasse sparen?

Antwort Gesamt Männer Frauen
Bin schon bei der günstigsten 21.9% 20.4% 23.4%
Unter 50 € pro Jahr 28.1% 23.9% 31.9%
50 € bis unter 100 € pro Jahr 23.5% 26.4% 20.9%
100 € bis unter 150 € pro Jahr 13.2% 15.2% 11.3%
150 € bis unter 200 € pro Jahr 6.6% 6.0% 7.1%
200 € bis unter 250 € pro Jahr 3.8% 4.9% 2.7%
Ab 250 € pro Jahr 2.9% 3.1% 2.7%

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