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Glasfaser: Einigkeit über gemeinsame Netznutzung, Dissens bei der Ausgestaltung

07.01.2026 | 09:00

Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox

Heidelberg. Der Glasfaser-Ausbau in Deutschland ist geprägt von wenigen großen und vielen kleinen Anbietern. Manche bauen selbst aus, andere mieten sich in bestehende Netze ein – oft ist auch beides der Fall. Unstrittig ist: Die Investitionen amortisieren sich nur bei gut ausgelasteten Netzen. Doch über geeignete, partizipative Wege dahin gibt es geteilte Ansichten. Das Vergleichsportal Verivox erläutert die unterschiedlichen Open-Access-Ansätze und gibt einen Überblick zum Stand der Kooperationen auf dem deutschen Glasfasermarkt.

Zahl der Glasfaser-Kooperationen inzwischen dreistellig

Alle marktrelevanten Glasfaser-Anbieter bieten Kooperationen an und nutzen auch selbst welche – mehrere parallele Netze wären ineffizient und teuer. Langfristige Partnerschaften mit diversen Anbietern vermelden auf Anfrage von Verivox zum Beispiel die bundesweit agierenden Provider 1&1, Deutsche Telekom, Deutsche Glasfaser und Vodafone. Auch regionale Netzbetreiber wie Wilhelm.Tel, NetCologne, M-net oder EWE haben zahlreiche Kooperationen geschlossen – etwa zur gemeinsamen Netznutzung, aber auch in kleinerem Rahmen wie zur An- oder Vermietung von Leerrohren.

Partnerschaften existieren beispielsweise zwischen der Telekom und EWE (Glasfaser Nordwest), NetCologne und Westconnect oder O2 und UGG (Unsere Grüne Glasfaser). Es gibt zahllose weitere; einige davon sind Exklusivvereinbarungen, ermöglichen also anderen Anbietern keinen offenen Zugang (Open Access). Vodafone und 1&1 arbeiten außerdem mit OXG zusammen (Open Access Glasfaser). Deren Geschäftsmodell sieht den Aufbau eines offenen, allen Anbietern zugänglichen Glasfasernetzes vor – OXG baut, vermarktet aber keine Endkundentarife. Ein weiterer Baustein sind Handelsplattformen wie Vitroconnect, die als Zwischenhändler fungieren, selbst aber keine Netze betreiben.

"Der deutsche Glasfasermarkt ist unübersichtlich und zersplittert, das gilt auch für die inzwischen zahlreichen Kooperationen", sagt Jörg Schamberg, Telekommunikationsexperte bei Verivox. "Die Zahl der aktuell bestehenden Partnerschaften dürfte längst dreistellig sein – eine exakte Zahl ist nicht zu beziffern, auch nicht von Seiten des Bundesverbandes Glasfaseranschluss. Doch entscheidend ist weniger die bloße Zahl der Partnerschaften: Aus Verbrauchersicht wäre es wünschenswert, in möglichst vielen Netzen zwischen mehreren Anbietern wählen zu können."

Bitstrom dominiert die Netznutzungsmodelle

Gut 90 Prozent der Netznutzungsmodelle basieren auf einem Bitstrom-Zugang. Ähnlich wie bei DSL-Resale-Modellen bietet dabei ein Glasfaser-Netzbetreiber anderen Anbietern einen Netzzugang auf Basis einer standardisierten Vorleistung. Vereinfacht gesagt: Ein Anbieter mietet einen Datenstrom des Netzbetreibers. Aktuell gelten diese Bitstrom-Zugänge als etablierter Standard im Markt. Vorteil: Damit können viele Anbieter ihren Endkunden eigene Angebote machen, ohne selbst auszubauen. Nachteil: Das Glasfaser-Endprodukt ist nicht beliebig konfigurierbar.

"Wer Bitstrom-Zugänge anbietet, öffnet sein Netz, behält aber gleichzeitig die Fäden in der Hand – und generiert einen größeren Teil der Marge als bei anderen Vorleistungsmodellen", so Schamberg. "So wird die Deutsche Telekom als mit Abstand relevantester Netzbetreiber von Wettbewerbern dafür kritisiert, dass sie ihr Glasfasernetz zwar über Bitstrom öffnet, umgekehrt aber keine Zugänge alternativer Anbieter anmietet."

Mehr Kontrolle und höhere Wertschöpfung mit unbeschalteter Glasfaser

Statt standardisierte Datenströme anzumieten, interessiert sich die Telekom für die bereits verlegte, aber noch unbeschaltete Glasfaser ("Dark Fiber"). Das bedeutet, sie kann die Glasfaser selbst "beleuchten" und nach ihren Vorstellungen nutzen, ist dann aber auch für die Infrastruktur zuständig und muss diese warten. Die Partner der Telekom übernehmen also den Ausbau des Netzes, sie mietet die Infrastruktur anschließend an und verantwortet den Netzbetrieb. Auch alternative Anbieter nutzen solche Kooperationen, jedoch zusätzlich zu Bitstrom-Modellen.

"Oft werden beim Ausbau von Glasfasernetzen mehr Fasern installiert als zunächst gebraucht", sagt Schamberg. "Diese können interessierte Provider als unbeschaltete Glasfaser anmieten, für ihren Bedarf konfigurieren und so auch höhere Standards zur Verfügung stellen. Das bedeutet für diese Anbieter: Sie haben mehr Verantwortung, aber auch mehr Möglichkeiten."

Wie verbreitet sind Open-Access-Lösungen in Deutschland?

Zum aktuellen Stand der Verbreitung von Open-Access-Lösungen gibt Wolfgang Heer, Geschäftsführer des Bundesverbandes Glasfaseranschluss, folgende Einschätzung: "In Deutschland haben wir derzeit rund 15 Prozent der Haushalte aktiv als zahlende Kunden am Glasfasernetz, deren Anschlüsse also nicht nur geschaltet sind, sondern auch tatsächlich genutzt werden. Von diesen Haushalten könnte nach Einschätzung unseres Verbands ein beträchtlicher Teil über Open-Access-Lösungen angebunden sein."

Methodik

Für die Auswertung hat Verivox im Herbst 2025 bei den Anbietern Deutsche Telekom, Vodafone, 1&1, O2, Deutsche Glasfaser, Deutsche Giganetz, NetCologne, M-net, EWE und OXG sowie ergänzend beim Bundesverband Glasfaseranschluss den aktuellen Stand der Glasfaser-Kooperationen erfragt. Stand der Daten: 09.10.2025.

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