Frauen entgeht sechsstelliges Vermögen durch geringere Sparraten
19.06.2026 | 07:51
Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox
Heidelberg. Zwei Drittel der Menschen in Deutschland sparen regelmäßig für das Alter – Frauen im Schnitt ebenso oft wie Männer. Doch wie eine repräsentative Verivox-Umfrage zeigt, klafft bei der Höhe der regelmäßigen Sparbeträge zwischen den Geschlechtern eine große Lücke – mit gravierenden Folgen für den Vermögensaufbau.
Kaum Unterschiede bei der Sparquote
Private Altersvorsorge ist für viele Menschen selbstverständlich geworden. Rund zwei Drittel der Befragten (67 Prozent) legen regelmäßig Geld zurück, um ihren Lebensstandard im Alter zu sichern. Männer (68 Prozent) und Frauen (67 Prozent) sorgen nahezu gleich häufig privat fürs Alter vor.
Bei den monatlichen Sparbeträgen zeigen sich jedoch deutliche Unterschiede. Frauen sparen wesentlich häufiger kleine Summen, Männer investieren deutlich öfter höhere Beträge.
Frauen sparen häufiger kleine Beträge
42 Prozent der Frauen sparen monatlich höchstens 100 Euro für die Altersvorsorge – jeweils 21 Prozent legen bis zu 50 Euro beziehungsweise zwischen 51 und 100 Euro zurück. Bei den Männern liegt dieser Anteil deutlich niedriger: Nur 13 Prozent investieren maximal 50 Euro.
Dagegen sparen Männer wesentlich häufiger größere Summen: 36 Prozent legen monatlich mehr als 100 Euro zurück, davon 18 Prozent zwischen 100 und 200 Euro und 12 Prozent sogar mehr als 200 Euro. Frauen erreichen solche Sparbeträge deutlich seltener. Nur knapp ein Viertel der Frauen erübrigt mehr als 100 Euro.
"Beim Sparen fürs Alter zählt jeder Euro – und über die Jahre verstärkt der Zinseszinseffekt selbst kleine Unterschiede erheblich", sagt Melanie Ulbrich, Finanzexpertin bei Verivox. "Viele Paare teilen sich die laufenden Kosten im Alltag, bauen aber sehr unterschiedlich hohe Rücklagen für später auf. Umso wichtiger ist es, früh gemeinsam festzulegen, wie beide langfristig vorsorgen möchten."
Insgesamt spart knapp ein Drittel (32 Prozent) sogar gar nichts, weil ihnen das Geld fehlt.
Geringere Sparraten bremsen den Vermögensaufbau
Wie stark sich unterschiedliche Sparraten langfristig auswirken, zeigt eine Modellrechnung von Verivox: Wer mit 30 Jahren monatlich 50 Euro in einen ETF-Sparplan investiert, zahlt bis zum Renteneintrittsalter von 67 Jahren insgesamt 22.200 Euro in das eigene Wertpapierdepot ein. Durch Rendite und Zinseszinseffekt wächst das Depot bis zum Renteneintritt auf rund 112.600 Euro an. Bei einer monatlichen Sparrate von 200 Euro steigt das Vermögen dagegen auf 450.400 Euro. Der Unterschied beträgt fast 337.800 Euro. Nach Abzug von Steuern bliebe eine Differenz von rund 288.000 Euro.
Auch bei späterem Einstieg bleiben die Unterschiede erheblich: Wer erst mit Anfang 40 zu sparen beginnt, erreicht rund 151.000 Euro weniger Vermögen. Startet die Altersvorsorge erst mit 50 Jahren, beträgt der Abstand immer noch rund 60.000 Euro.
"Dass Frauen häufiger kleinere Beträge sparen, ist oft keine bewusste Entscheidung, sondern die Folge geringerer finanzieller Spielräume. Niedrigere Einkommen, Teilzeit oder Erwerbsunterbrechungen erschweren es vielen, höhere Sparraten umzusetzen", sagt Melanie Ulbrich.
Methodik
Für die Umfrage im Auftrag von Verivox hat das Meinungsforschungsinstitut Innofact im Januar 2026 insgesamt 1.014 Personen online und bevölkerungsrepräsentativ befragt. Die Befragten entstammen einem ISO-zertifizierten Online-Panel mit rund 500.000 Teilnehmenden. Gefragt wurde: [Nicht-Rentner] Sorgen Sie derzeit finanziell vor, um ihren gewünschten Lebensstandard im Alter halten zu können?
In der Modellrechnung werden die monatlichen Sparbeträge in einen Sparplan auf einen thesaurierenden ETF mit eine konstanten Jahresrendite von 7,5 Prozent investiert. Das entspricht der historischen Durchschnittsrendite des MSCI World abzüglich üblicher ETF-Kosten.