Bundestag entscheidet – Widerrufsrecht für alte Hauskredite auf der Kippe

18.02.2016 | 11:07

Heidelberg - Der Bundestag berät heute über die Aufhebung des ewigen Widerrufsrechts von zahlreichen Immobilienkrediten. Durch einen Widerruf ihres alten Vertrages und eine Umschuldung können Immobilienbesitzer aktuell rund 15.000 Euro sparen, wie eine Modellrechnung des unabhängigen Verbraucherportals Verivox zeigt. Tritt das neue Gesetz so in Kraft, wie die Bundesregierung es vorgeschlagen hat, geht diese Chance verloren.

Gesetzentwurf: Widerruf nur noch bis 21. Juni

Betroffen sind Kredite, die zwischen 2002 und 2010 abgeschlossen wurden. Circa 80 Prozent von ihnen enthielten fehlerhafte Klauseln zum Widerruf – so die Verbraucherzentrale Hamburg. Dadurch galt das Recht auf Widerruf unbegrenzt – bis jetzt. Nun soll die Frist am 21. Juni enden. So sieht es der Regierungsentwurf vor, mit dem die EU-Richtlinie für Immobilienkredite in deutsches Recht umgesetzt werden soll.

Der Widerrufsjoker hilft Verbrauchern, weil die Zinsen heute historisch niedrig sind. Mit einer Umschuldung von teureren auf günstige Zinsen entlasten sie ihr Budget. Die Entschädigung an die Bank für das vorzeitige Tilgen des Kredits entfällt beim Widerruf. Auch bereits getilgte Kredite können widerrufen werden und gezahlte Vorfälligkeitsentschädigungen zurückgeholt werden.

Widerruf: Umschulden und 15.000 € sparen

Wer beispielsweise 2010 ein Darlehen in Höhe von 200.000 Euro abgeschlossen hat, kann durch die Rückabwicklung über 15.000 Euro einsparen. Die Modellrechnung geht davon aus, dass der Kunde ein Darlehen mit 10-jähriger Laufzeit und 4,0 Prozent Zinsen jetzt in einen günstigeren 10-jährigen Kredit mit 1,35 Prozent umschuldet. Die Ersparnis ist berechnet für die Jahre 2016 bis 2020 – dann läuft der Altvertrag aus und der Kunde könnte auch ohne Widerruf einen günstigeren Zins suchen.

„Viele Immobilienbesitzer können ihren Kreditvertrag noch widerrufen. Sie sollten ihre Chancen jetzt prüfen, bevor der Gesetzgeber die Tür zuschlägt“, sagt Ingo Weber, Geschäftsführer von Verivox.