Baden-Württemberg: Stromnetzkosten steigen in weiten Landesteilen um mehr als 15 Prozent

09.11.2015 | 14:27

Heidelberg. Während die Kosten für die Nutzung der Stromnetze zum Jahreswechsel bundesweit um durchschnittlich rund 4 Prozent steigen, trifft es die Verbraucher in Baden-Württemberg wesentlich härter. Das hat das unabhängige Verbraucherportal Verivox ermittelt. Um durchschnittlich 7,3 Prozent steigen die Netzkosten im Südwesten und damit stärker als in allen anderen Bundesländern. Für rund zwei Millionen Haushalte verteuern sich die Stromnetze sogar um mehr als 15 Prozent.

„Die zusätzlichen Kosten entstehen sowohl auf Ebene der Höchstspannungsleitungen als auch in den örtlichen Verteilnetzen, mit denen die Haushalte versorgt werden“, erläutert Jan Lengerke, Mitglied der Geschäftsleitung von Verivox. „Neben Ausbau und Instandhaltung der Netze verursacht auch ihr stabiler Betrieb immer höhere Kosten, da die schwankende Stromproduktion aus Sonne und Wind ausgeglichen werden muss. Mit rund einem Viertel tragen die Netzkosten erheblich zum Strompreis für private Verbraucher bei.“

Deutliche Mehrkosten in Reutlingen, Ulm, Offenburg und Esslingen

Unter den 20 größten Städten in Baden-Württemberg fällt die Erhöhung der Netznutzungsentgelte in Reutlingen am stärksten aus. Aktuell zahlt eine Familie mit einem Jahresverbrauch von 4.000 kWh hier 225 Euro netto für die Benutzung der Stromnetze. Im kommenden Jahr sollen sich die Kosten auf 263 Euro erhöhen, es ergeben sich damit rechnerische Mehrkosten von rund 38 Euro (17 Prozent) pro Jahr. Auch in Ulm fällt die Preisanpassung mit rund 16 Prozent (35 Euro) überdurchschnittlich hoch aus. In Offenburg beträgt der Anstieg ebenfalls 16 Prozent (40 Euro), in Esslingen 15 Prozent (42 Euro).

Stark sinkende Kosten in der Landeshauptstadt

Wie groß die regionalen Unterschiede sind, zeigt das Beispiel Stuttgart. Hier sinken die Netzentgelte nach einem Wechsel des Netzbetreibers um 16 Prozent. Die rechnerische Entlastung für eine Familie beläuft sich auf rund 45 Euro. Von geringfügigen Senkungen um rund 3 Prozent profitieren auch Verbraucher in Friedrichshafen.

Mehrkosten mit einem Anbieterwechsel begegnen

Zwischen 2010 und 2016 sind die Kosten der Stromnetze in Baden-Württemberg um rund ein Drittel gestiegen. Auf ihre Höhe haben Stromanbieter und Verbraucher keinen Einfluss. Ein Wechsel des Anbieters kann die Haushaltskasse dennoch deutlich entlasten. Wer aus der örtlichen Grundversorgung zum günstigsten verbraucherfreundlichen Angebot wechselt, spart bei einem Verbrauch von 4.000 kWh in Baden-Württemberg aktuell durchschnittlich 429 Euro pro Jahr.

Methodik

Verivox hat die vorläufigen Netzentgelte für 2016 ausgewertet, die von den Netzbetreibern im Oktober veröffentlicht wurden. Netznutzungsentgelte werden für Ausbau, Instandhaltung und Betrieb der Leitungen erhoben. Auch die Kosten für Zählerinstallation, Ablesung und Abrechnung sind darin enthalten. Sie werden gemeinsam von den Verbrauchern im jeweiligen Verteilnetz getragen. Die Netzkosten sind aktuell für 23 Prozent der Stromkosten privater Verbraucher verantwortlich.