Zu oft am Smartphone: Eltern fürchten um Kindergesundheit

12.07.2020

Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox

Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag der der Kaufmännischen Krankenkasse KKH ist das Suchtpotenzial von Smartphones die Sorge Nummer 1 von Müttern und Vätern. Angesichts geschlossener Schulen und Homeoffice durch die Corona-Pandemie war das Smartphone ein echter Krisen-Joker für Eltern, wenn es um die Beschäftigung ihrer Kinder ging. Doch nach und nach normalisiert sich die Lage. Damit kehren auch die Sorgen vieler Eltern zurück, der ständige Umgang mit dem Smartphone könne ihren Kindern schaden.

Die Hälfte fürchtet gesundheitlich Folgen

So befürchten 44 Prozent der Eltern, ihr Kind könne via Handy mit nicht altersgerechten, gefährlichen Inhalten in Kontakt kommen. Ebenso viele machen sich Gedanken darüber, dass ihr Nachwuchs beleidigt oder bedroht, sprich Opfer von Cyber-Mobbing werden könnte. Große Sorgen bereiten Müttern und Vätern auch mögliche gesundheitliche Folgen durch übermäßigen Handygebrauch. So fürchtet die Hälfte der Befragten, ihr Kind könnte süchtig werden. 44 Prozent halten negative Auswirkungen auf die Konzentrationsfähigkeit für wahrscheinlich. An dritter Stelle mit 38 Prozent stehen Gesundheitsrisiken durch zu wenig Bewegung.

Für Kinder untypische Erkrankungen auf dem Vormarsch

Die Sorgen der Eltern scheinen nicht unbegründet zu sein. Daten der KKH zeigen, dass immer mehr Kinder und Jugendliche unter Krankheiten leiden, die früher eher untypisch waren. Die Entwicklung von fünf Krankheitsbildern von 2008 auf 2018 zeigt das exemplarisch: Extremes Übergewicht (Adipositas) nahm um knapp 27 Prozent zu. Motorische Entwicklungsstörungen stiegen um rund 52 Prozent, bei den 15- bis 18-Jährigen drastisch um rund 137 Prozent. Bei Sprach- und Sprechstörungen verzeichnet die KKH einen Anstieg um knapp 57 Prozent – bei den 15- bis 18-Jährigen sogar um rund 157 Prozent. Schlafstörungen nahmen um rund 32 Prozent zu, am deutlichsten bei Jugendlichen zwischen 15 und 18 Jahren um mehr als 86 Prozent. ADHS (Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung), die unter anderem mit Konzentrationsmangel einhergehen kann, stieg um rund 12 Prozent.

Intensiver Medienkonsum kann Entwicklungschancen schmälern

„Selbstverständlich sind nicht all diese Erkrankungen bei Kindern allein auf das Smartphone zurückzuführen“, sagt KKH-Psychologin Franziska Klemm. „Doch mit intensiver Nutzung und dem Kontakt mit nicht altersgerechten Inhalten steigt nicht nur das Risiko für Übergewicht oder motorische Beeinträchtigungen, sondern auch für psychische Erkrankungen wie Depressionen oder eine Internetsucht. Durch intensiven Medienkonsum können Kinder und Jugendliche Entwicklungschancen verpassen, die ihnen die analoge Welt bietet und die entscheidend für ein gesundes Aufwachsen sind.“ Mit Gleichaltrigen zum Beispiel Fußball zu spielen, durch die Natur zu streifen oder gemeinsam zu musizieren, sind unverzichtbare reale Erfahrungen jenseits virtueller Welten. Der Austausch mit anderen Menschen verankert Kinder im Leben und bildet damit eine wichtige Basis für eine gesunde Mediennutzung.

Medienkompetenz von Kindern fördern

Digitale Medien haben viel Potenzial für eine gesunde Persönlichkeitsentwicklung in Kindheit und Jugend. Doch entfalten kann es sich nur, wenn Kinder vorab in der analogen Welt Schlüsselqualifikationen erlernt haben. Dazu zählen Körper- und Sozialerfahrungen, aber auch Lesen und Schreiben, die Basis für den Umgang mit dem Handy sind. Die für eine richtige Balance nötige Schlüsselqualifikation heißt Medienkompetenz. Darin gilt es, Kinder und Jugendliche fit zu machen. „Bei der Vermittlung kommt Eltern eine entscheidende Vorbildfunktion zu. Sie sollten ihren Nachwuchs an die Hand nehmen, eng begleiten und einen souveränen Umgang mit dem Smartphone vorleben.“ All die Funktionen des Smartphones faszinieren jedoch generationenübergreifend und verlocken daher auch Mütter und Väter. Fast jeder 13. Befragte hält sich denn auch für kein gutes Vorbild für sein Kind. 37 Prozent der Eltern möchten in puncto Handy-Nutzung mit gutem Beispiel vorangehen, schaffen das jedoch nur manchmal.