WLAN-Telefonie kann bei schlechtem Handyempfang helfen

Heidelberg. Wer innerhalb eines WLAN-Netzes unter schwachem Mobilfunkempfang leidet, kann von einer technischen Lösung profitieren, die nur wenig bekannt ist. Die Tarifexperten von Verivox erklären, wie Verbraucher mit den sogenannten WLAN-Calls schwache Netze umgehen können und welche Vor- und Nachteile die Technik gegenüber bekannteren Alternativen wie Skype, FaceTime und Co. hat.

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Bild: Junge Frau mit Smartphone Bild: ©foxyburrow / Adobe Stock / Text: Verivox

Tipp gegen schwache Netze

WLAN-Telefonie (auch WLAN Calls oder Wifi Calling genannt) ermöglicht Gespräche auch dort, wo das Mobilfunknetz schwach oder gar nicht nutzbar ist – etwa in stark abgeschirmten Gebäuden, in Kellerräumen oder Fabrikhallen. Doch auch bei Großveranstaltungen kann WLAN-Telefonie eine Alternative zu oft überlasteten Handynetzen darstellen. Die Gesprächsqualität ist über WLAN vielfach sogar besser als im Mobilfunknetz.

Die Netzbetreiber Telekom und Telefonica bieten WLAN-Calls ohne Zusatzkosten an, in manchen Vodafone-Tarifen hingegen fallen für die Nutzung 2,99 Euro im Monat an. Bei kleineren Anbietern und in Prepaidtarifen ist der Dienst meist nicht nutzbar. „Ein solches Angebot sollte selbstverständlich sein,“ sagt Christian Schiele, Bereichsleiter Telekommunikation bei Verivox. „Erreichbarkeit wird immer wichtiger, doch die Netze haben Lücken. Zusatzkosten für WLAN-Telefonie sind deshalb nicht angebracht.“

So funktionieren WLAN-Calls

WLAN-Gespräche werden genauso wie Telefonate übers Handynetz mit den grünen und roten Hörertasten angenommen und beendet. Kunden von Vodafone und Telefonica können den Dienst direkt in den Handy-Einstellungen einschalten und sofort nutzen; Telekom-Kunden müssen zusätzlich die kostenfreie Option „WLAN Call“ aktivieren. WLAN-Gespräche funktionieren mit den meisten aktuellen Smartphones. Handy und Tarif müssen LTE-fähig sein.

Nutzer von WLAN-Telefonie sind wie sonst auch über ihre eigene Handynummer erreichbar. Der Rufaufbau erfolgt schnell. Ein laufender WLAN-Call wird automatisch ins Handynetz übergeben, wenn der Telefonierende das WLAN verlässt – und umgekehrt. Bei Diensten wie Skype oder WhatsApp ist das nicht möglich. „WLAN-Calls sind eine sehr sinnvolle Ergänzung. In den USA beispielsweise wird dieser Dienst intensiver beworben und ist deshalb deutlich bekannter. Die deutschen Netzbetreiber verschenken hier Potenziale. Sie erklären die Vorteile nicht ausreichend,“ sagt Christian Schiele. 

Voraussetzung für eine nahtlose Netzübergabe ist eine LTE-Verbindung des eigenen Anbieters. Wenn nur eine UMTS- oder GSM-Verbindung besteht, bricht das Gespräch beim Verlassen des WLAN-Netzes ab. Wenn WLAN-Telefonie eingerichtet ist und der Nutzer sich in einem stabilen Netz aufhält, werden eingehende Gespräche bevorzugt übers WLAN aufgebaut. Dafür genügt bereits eine sehr geringe Bandbreite von 70-80 Kilobit pro Sekunde – ein Bruchteil üblicher DSL-Geschwindigkeiten.

Kosten und Grenzen

WLAN-Telefonie wird zu den gleichen Kosten abgerechnet wie Gespräche übers Mobilfunknetz. Wenn ein Tarif eine Flatrate beinhaltet, gilt diese auch für WLAN-Gespräche. Technischer Ausgangspunkt eines WLAN-Telefonats ist immer Deutschland, auch wenn sich der Anrufer im Ausland aufhält. Das kann Auslandsgespräche sogar verteuern: Ein Gespräch innerhalb eines Landes kostet über den Mobilfunk-EU-Tarif meist weniger als ein WLAN-Gespräch von Deutschland ins Ausland. Telefonate nach Deutschland oder eingehende Gespräche sind jedoch über WLAN-Telefonie oft günstiger. Ausnahme: Vodafone lässt WLAN-Calls im Ausland derzeit nicht zu.

Notrufe sind über WLAN-Calls gar nicht möglich, auch im Inland nicht. Gleiches gilt für standortbasierte Services (etwa dem Anruf beim Pannendienst). Ebenfalls nicht nutzbar ist WLAN-Telefonie, wenn der Router eine Sim-Karte hat. Falls sich mehrere WLAN-Netze überlagern oder das WLAN während des Telefonats gewechselt wird, kann die Gesprächsqualität leiden.

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