VIK klagt über Stromausfälle wegen Energiewende - dpa-Umfrage

Bonn/Essen - Aussagen eines Interessenverbandes zufolge häufen sich seit der Energiewende in der deutschen Industrie Klagen über kurzzeitige Stromausfälle. Während mehrere große Stahlkonzerne die Anzahl der Beschwerden noch nicht im kritischen Bereich sehen, beklagt der Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK) eine Zunahme an Frequenzschwankungen und sekundenlangen Unterbrechungen. Laut VIK verbrauchen seine rund 350 Mitglieder aus energieintensiven Branchen wie Stahl, Papier, Zement, Glas und Chemie etwa 80 Prozent des industriellen Stroms in Deutschland.

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Bild: Umspannwerk Text: dpa

 "Wir bekommen vermehrt Zurufe unseren Mitgliedsunternehmen, die von Kurzzeit-Unterbrechungen berichten. Das kann für sensible Steuerungselemente ein Problem darstellen", sagte ein VIK-Sprecher am Donnerstag und bestätigte Medienberichte. "Beziffern können wir den Schaden noch nicht." Daher laufe Anfang des Jahres eine Umfrage an.

Schon kurze Augenblicke ohne Strom könnten einen großen Schaden anrichten, sagte der VIK-Sprecher. "Wir finden es bedenklich, dass die Bundesnetzagentur Unterbrechungen erst ab einer Länge von drei Minuten erfasst." Durch die Abschaltung der Atommeiler und die wachsende Rolle der Windenergie seien die Netze immer häufiger überlastet. Die Großverbraucher hofften auf einen zügigen Ausbau. "Es macht aus unserer Sicht keinen Sinn, die Erneuerbaren Energien auf Gedeih und Verderb auszubauen, wenn die Netze nicht standhalten."

Die Firmen Salzgitter, ThyssenKrupp, Trimet und Georgsmarienhütte sowie der Kupferproduzent Aurubis sehen laut einer dpa-Umfrage keine kritische Massierung seit der Energiewende. "Wir bemerken seit zwei oder drei Jahren eine geringere Stabilität im Netz, aber das hat in diesem Jahr nicht spürbar zugenommen", sagte eine Aurubis-Sprecherin.

Dagegen spricht der deutsche Zweig des norwegischen Konzerns Norsk Hydro - einer der größten Aluminiumhersteller weltweit - von einer "beunruhigenden Häufung von Netz- und Frequenzschwankungen". Zwischen Juli und Mitte November seien mehrere Standorte betroffen gewesen, so ein Sprecher. Einmal hätten Arbeiter einen Alu-Block aus einer Anlage stundenlang heraushämmern müssen. Bislang summiere sich der Schaden auf etwa 500 000 Euro. Wer für solche Schäden aufkomme, sei unklar. "Bei uns gibt es Unruhe, wie die Netzsicherheit sich entwickelt."

Die Bundesnetzagentur plant Gespräche mit Hydro, wie ein Sprecher der Netzagentur sagte. "Wir haben noch keine belastbaren Zahlen, weder von den Versorgern noch von den Abnehmern. Wir müssen sehen, wie umfangreich das Problem ist." Dann könnten die Experten nach Wegen suchen, wie die Schwierigkeiten zu beseitigen seien.

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