Verivox testet E-Scooter: Lime mit leichten Vorteilen

Heidelberg - Verivox hat in Berlin vier Sharing-Dienste für E-Tretroller getestet: Circ, Lime, Tier und Voi. Das Fazit: Große Unterschiede zwischen den Angeboten gibt es nicht. Am meisten überzeugen konnte der amerikanische Anbieter Lime. Er hat das größte Verbreitungsgebiet, die nutzerfreundlichste App und unterschiedliche Zahlungsarten.

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Bild: Junge Frau auf E-Scooter Bild: ©Akaberka / Text: Verivox

Was der Verleih der E-Scooter kostet

Aktuell sind die Kosten bei allen vier getesteten Anbietern gleich: Die Freischaltung eines E-Tretrollers kostet 1 Euro, danach werden 15 Cent pro Minute fällig. Eine Fahrt mit einer halbstündigen Ausleihe kostet damit 5,50 Euro.

Pendler, die den Service an jedem Arbeitstag zwei Mal für die „letzte Meile“ zwischen Haltestelle und Arbeitsplatz nutzen möchten, kommen auf monatliche Kosten von rund 84 Euro (44 Fahrten von jeweils 6 Minuten).

Tipp: Die geliehenen E-Scooter eignen sich für gelegentliche Fahrten mit Spaßfaktor und in fremden Städten. Wer den E-Tretroller für den täglichen Arbeitsweg nutzen möchte, sollte sich einen eigenen E-Scooter anschaffen. Die Kosten sind nach je nach Modell nach rund einem halben Jahr wieder drin.

E-Scooter werden per App ausgeliehen

Um die E-Scooter von Circ, Lime, Tier und Voi nutzen zu können, muss die App des jeweiligen Anbieters auf dem Smartphone installiert werden. Sie sind für iOS und Android kostenlos verfügbar und sind schnell auf das Handy geladen. Mit Hilfe der Landkarte in der App können die freien E-Tretroller und ihr jeweiliger Akkustand problemlos ermittelt werden. Bei Lime kann man den E-Scooter per App klingeln lassen, wenn man sich in der Nähe befindet – das kann bei der Suche nach dem Gerät sehr hilfreich sein.

Für die Nutzung der Apps ist ein Mindestalter von 18 Jahren vorgesehen. E-Scooter dürfen zwar schon ab 14 Jahren gefahren werden, doch die Verleihdienste richten sich ausschließlich an Volljährige.

Eingeschränkte Zahlungsmöglichkeiten bei den meisten Anbietern

Die Zahlung und Abrechnung finden ebenfalls über die App des jeweiligen Anbieters statt. Zum Testzeitpunkt (23.06.2019) konnte bei Circ, Tier und Voi nur mit Kreditkarte bezahlt werden. Bei Lime ist auch die Zahlung per Debitkarte oder Paypal möglich. Außerdem kann ein Guthaben angelegt und aufgeladen werden.

Die Apps müssen auf den aktuellen Standort zugreifen dürfen. Die App von Voi will zusätzlich Bluetooth aktiviert haben.

Die Apps von allen Anbietern haben eine ansprechende Optik und sind ganz auf Benutzerfreundlichkeit ausgelegt. Den größten Funktionsumfang hat die App von Lime, was sich auch in den guten Bewertungen im Google Play Store und in Apples App Store widerspiegelt. Der amerikanische Anbieter profitiert wohl von den Erfahrungen aus dem Verleih von E-Bikes.

Beachtenswert: Obwohl in Deutschland für E-Tretroller keine Helmpflicht gilt, verlangt Lime von seinen Kunden, dass sie einen Helm tragen sollen. Ein entsprechender Haken muss bei den Nutzungsbedingungen gesetzt werden.

E-Scooter-Modelle mit feinen Unterschieden

Von selbst fahren die E-Tretroller nicht los: Zuerst muss mit dem Fuß angeschoben werden. Dann drückt man den „Go“-Schalter nach unten und der Elektromotor zieht an.

Die E-Scooter werden größtenteils in China gefertigt und unterscheiden sich in ihrer Bauweise nur bei einzelnen Komponenten: Bei Voi und Lime gibt es eine Zugbremse für das Vorderrad, die Bremse für das Hinterrad wird durch einen Tritt auf das hintere Schutzblech ausgelöst. Bei Circ und Tier gibt es zwei Zugbremsen für Vor- und Hinterrad. Im Test waren alle Zugbremsen wenig sensibel und mussten kräftig angezogen werden, um einen Effekt zu erzielen. Die Trittbremsen gingen vergleichsweise gut. Daher sind die E-Scooter-Modelle mit hinteren Trittbremsen empfehlenswerter.

Alle Modelle haben eine Anzeige, die über den aktuellen Status des Akkus informiert. Bei Lime und Tier wird zusätzlich die Geschwindigkeit angezeigt – eine interessante Information, die aber bei der maximalen Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h nicht unbedingt notwendig ist. Die Modelle von Circ haben einen zusätzlichen Smartphone-Halter.

Mögliche Rückgabegebiete unterschiedlich groß

Ist die Fahrt beendet, muss das Gerät in einem auf der Karte in der App eingezeichneten Gebiet ordnungsgemäß abgestellt werden. Bei Voi und Lime wird nach dem Ende der Ausleihe ein Foto vom abgestellten E-Scooter verlangt.

Das mögliche Rückgabegebiet ist Ende Juni bei Lime mit Abstand am größten und entspricht ungefähr dem Gebiet, das von der Berliner Ringbahn umfahren wird. Die anderen Anbieter schränken das Rückgabegebiet deutlich stärker ein.

Fazit: Kosten klar machen und nach Verfügbarkeit richten

Eine Fahrt mit einem geliehenen E-Scooter kann Spaß machen, aber günstig ist es nicht. Zum Vergleich: Eine halbe Stunde mit dem E-Scooter ist doppelt so teuer wie ein Einzelfahrschein des öffentlichen Nahverkehrs. Wer die Stadt auf zwei Rädern erkunden will und sich nicht scheut, in die Pedale zu treten, ist mit einem geliehenen Fahrrad ebenfalls deutlich günstiger dran.

Wer sich in Berlin einen E-Scooter leihen möchte, muss sich nicht auf einen bestimmten Anbieter festlegen. Stattdessen kann man sich danach richten, welches Gerät mit ausreichendem Akkustand am einfachsten zu erreichen ist. Gibt es von allen vier getesteten Anbietern genügend E-Tretroller, ist aktuell das Angebot von Lime zu empfehlen.

Hier geht es zu unserem ausführlichen Bericht zum E-Scooter-Test in Berlin.

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