Südafrika setzt mit alter deutscher Technologie auf die Atomkraft

Johannesburg (dpa) - Südafrika steuert mit deutscher Technologie auf nukleares Neuland zu. In einem Wettlauf mit China will Südafrika in den kommenden Jahren den ersten kommerziellen Kugelhaufenreaktor (PBMR/Pebble Bed Modular Reactor) ans Netz bringen und weltweit vermarkten. Auch die Brennelemente in Form von Billardkugeln sollen am Kap produziert werden. "Wir haben die Technologie zur Herstellung jetzt im Griff", sagt der Chefingenieur der zuständigen Ingenieursfirma PBMR, Robert Peters. In der Atomforschungsanlage Pelindaba - in der zu Apartheidzeiten Atom-Sprengköpfe gebaut wurden - zeigt er die Herstellung der Graphitkugeln, die 14 000 Uran- Partikel enthalten.

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Bild: Geld Bild: ©matttilda/fotolia.com / Text: dpa
Vier Milliarden Rand (400 Mio Euro) hat die PBMR-Entwicklung bisher gekostet - die Hälfte trug der Staat, der für die kommenden drei Jahre weitere sechs Milliarden Rand zugesagt hat. "Insgesamt dürften die Gesamtkosten für die Entwicklung bei 12 Milliarden Rand liegen", schätzt der für die öffentlichen Unternehmen zuständige Minister Alec Erwin.

Die erste Demonstrationsanlage soll bis 2012 bei Kapstadt entstehen, wo Südafrikas bisher einziges Atomkraftwerk steht. Ein zweites konventionelles Atomkraft soll es demnächst ergänzen. "Wir werden Anfang kommenden Jahres eine Entscheidung über ein neues Atomkraftwerk der dritten Generation treffen, für das drei Anbieter Angebote abgegeben haben", sagt Erwin.

Der Kap-Staat sieht seine Zukunft jedoch eher im Konzept der PBMR- Mini-Reaktoren, die einst in Deutschland entwickelt, dort aber 1989 vor allem aus politischen Gründen aufgegeben wurden. Experten halten diese Reaktoren der vierten Generation für sicher, weil eine Kernschmelze aus physikalischen Gründen nicht stattfinden könne. Anders als der einst in der Kernforschungsanlage Jülich entworfene Hochtemperatur-Reaktor (HTR) setzt Südafrika als Kühlmittel Helium ein. Es transportiert die durch Kernspaltung in den Kugeln entstehende Hitze (900 Grad) in eine Gasturbine zur Stromerzeugung.

Die anfallende Prozesswärme soll für Kohleverflüssigung, die Aufarbeitung von Ölsand, für Entsalzungsanlagen oder die Gewinnung des zukunftsträchtigen Energieträgers Wasserstoff genutzt werden. An der Entwicklung beteiligt ist die deutsche SGL Carbon, die zuständig ist für die innere Graphit-Ummantelung des Reaktors und die zentrale Graphitsäule. Sie liefert Material und Knowhow für die Herstellung der 450 000 Graphitkugeln im knapp 30 Meter hohen Reaktorbehälter.

Südafrika will seine Pilotanlage für die Produktion des Brennmaterials bis 2010 fertig haben. Konzipiert ist sie für eine Jahresproduktion von zunächst 270 000 Kugeln, die aber zügig verdoppelt werden kann. Die Kugeln sollen danach in dem für eine 40- jährige Funktionsdauer ausgelegten Kraftwerk endgelagert werden.

Obwohl PBMR-Vorstandschef Jaco Kriek erste Exportaufträge kaum vor 2018 erwartet, bestätigt er Vorgespräche mit Schweizern, Polen, Spaniern, Koreanern, Australiern, Amerikanern und Japanern: "Die Koreaner haben die Grundsatzentscheidung getroffen, Wasserstoff durch Atomkraft zu gewinnen und sind daher sehr interessiert."

Kopfschütteln löst in Südafrika der deutsche Beschluss aus, diese Technologie aufzugeben. Minister Erwin ist sicher, dass alternative Energien nur für reiche Industrieländer geeignet sind. "Ihr Europäer habt Kosten für eure Windenergie zu tragen, die sich weder Südafrika noch ein anderes Schwellenland leisten kann." In dem Kap-Staat, der seine weltweit günstigsten Strompreise bisher durch wenig umweltfreundliche Kohlekraftwerke absichert, beträgt der Anteil erneuerbarer Energie an der Stromerzeugung weniger als ein Prozent.

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