Studie: Über 9 Millionen Tonnen weniger CO2 mit Oberleitungs-Lkw

22.03.2020

Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox

Auf stark befahrenen Autobahnabschnitten in Deutschland könnten Oberleitungs-Lkw (O-Lkw) schon 2030 wirtschaftlich attraktiv sein – vorausgesetzt, der Staat baut eine entsprechende Infrastruktur auf. Dadurch würde auch die CO2-Vermeidung für Speditionen deutlich günstiger als der Umstieg auf synthetische Kraftstoffe.

Das sind zentrale Ergebnisse einer vom Institut für Energie- und Umweltforschung (ifeu) vorgestellten Studie ("Einführung von Oberleitungs-Lkw in Deutschland"). An dem Verbundvorhaben wirkten neben dem ifeu die PTV Transport Consult, das Fraunhofer IEE sowie das Institut für Klimaschutz, Energie und Mobilität mit.

Über 9,2 Millionen Tonnen weniger CO2 durch O-LKW

Ein O-Lkw kann im Jahr 2030 die CO2-Emissionen gegenüber einem Diesel-Lkw der Studie zufolge fast halbieren, Fahrzeug- und Infrastrukturherstellung und Stromerzeugung mit eingerechnet. Gelinge es, bis 2030 ein Oberleitungs-Basisnetz von 3.200 Kilometern Länge auf besonders intensiv befahrenen deutschen Autobahnabschnitten zu errichten, so könnten jährlich bis zu 9,2 Millionen Tonnen CO2 eingespart werden. Das entspreche knapp 20 Prozent der der Gesamtemissionen des deutschen Straßengüterverkehrs.

Kostenvorteile gegenüber synthetischen Kraftstoffen

O-Lkw können die hohe Energieeffizienz von Elektrofahrzeugen erreichen, ohne deren typischen Nachteil einer batteriebedingt CO2-intensiven Fahrzeugherstellung in Kauf nehmen müssen, erklärt das Institut. Der vergleichsweise geringe Materialaufwand wirke sich auch auf die Kostenbilanz aus – ein Hybrid-Lkw mit Stromabnehmer rechne sich im Jahr 2030 bereits dann, wenn lediglich ein Drittel der jeweiligen Strecke unter Oberleitung zurückgelegt würde.

Gegenüber dem Einsatz von synthetischen Kraftstoffen (Power-to-liquids) kann ein O-Lkw-System bereits dann etwa 10 Prozent Systemkosten einsparen, wenn die Oberleitungen allein durch besonders geeignete inländische Verkehre genutzt werden, berichtet Studienleiter Julius Jöhrens. Solch ein System spiele seine Kostenvorteile am schnellsten bei einer guten Auslastung aus. Darum seien die hoch frequentierten Strecken zwischen den Ballungszentren wie Hamburg, Berlin, Rhein-Main-Gebiet und Ruhrgebiet der beste Ausgangspunkt.

Wann trägt sich das System finanziell selbst?

Eine Kernfrage des Vorhabens war, ob sich ein O-Lkw-System mittelfristig wirtschaftlich tragen kann. Die notwendigen Mittel für ein Oberleitungs-Basisnetz von 3.200 Kilometern schätzen die Autorinnen und Autoren auf insgesamt etwa 7 Milliarden Euro, die über etwa 10 Jahre investiert werden müssten. Dieser Gesamtbetrag entspreche in etwa den jährlichen Einnahmen aus der Lkw-Maut.

„Unsere Rechnungen zeigen, dass nach etwa 10 bis 15 Jahren eine Gegenfinanzierung des Systems durch die eingesparten Betriebskosten der Nutzer möglich ist. Das System kann sich dann finanziell selbst tragen“, erklärt der Leiter der Studie.

Hintergrund: Güterverkehr soll klimafreundlicher werden

Ziel der Bundesregierung ist es, bis 2030 etwa ein Drittel des Güterverkehrs auf elektrische oder grüne Kraftstoffe umzustellen. O-Lkw laden über Oberleitungen entlang der Autobahn ihre Batterien auf. Aktuell werden die Lastwagen in Hessen und Schleswig-Holstein getestet. Die dritte Teststrecke mit einem Oberleitungssystem soll in Baden-Württemberg entstehen.