Studie: Banken investieren so stark in Fintechs wie noch nie

12.02.2020

Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox

Deutschlands Banken investieren offensiv wie nie zuvor in technologiebasierte Finanz-Startups – sogenannte Fintechs. Allein zwischen Januar und Juli 2019 gab es 36 direkte Beteiligungen - das geht aus dem Fintech-Kooperationsradar der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC hervor. Allein auf diesen siebenmonatigen Untersuchungszeitraum entfielen demnach ungefähr genauso viele Investments wie 2017 (35) und 2018 (39) aufs gesamte Jahr.

Zusammenarbeit „mit deutlich größerer Konsequenz“

Eine ähnliche Entwicklung wie bei den Banken lasse sich auch bei den deutschen Versicherern beobachten. Sie investierten laut PwC bis Ende Juli 2019 in 20 Fintechs und dürften den Rekordwert aus dem Jahr 2018 (29) damit allem Anschein nach im Gesamtjahr 2019 brechen.

"Auch wenn es für eine finale Bewertung noch zu früh ist, könnten die Zahlen auf eine mögliche Trendwende hindeuten", sagt Sven Meyer, Fintech-Experte bei PwC in Deutschland. Zwar bleibe die Zahl echter finanzieller Beteiligungen weiterhin hinter rein operativen Kooperationen zurück, jedoch sei der Abstand zwischen den beiden Kooperationsformen inzwischen deutlich geschrumpft.

"Speziell bei den Banken sieht es so aus, als würden sie insgesamt weniger neue Kooperationen mit Fintechs eingehen als noch in den beiden vergangenen Jahren. Aber wenn sie sich zu einer Zusammenarbeit entschließen, dann offenbar mit deutlich größerer Konsequenz", sagt Meyer. Dass Banken zunehmend bereit sind, sich auch mit Kapital bei jungen Finanzunternehmen zu engagieren, hält er „für ein starkes Signal“.

PwC-Kollege Sascha Demgensky sieht es ähnlich: "Der Einsatz von Beteiligungskapital unterstreicht, dass es den etablierten Finanzdienstleistern mit den Kooperationen wirklich ernst ist." Das bedeute nicht, dass operative Kooperationen nicht auch fruchtbar sein können, "es gibt hierfür sogar viele positive Beispiele", so Demgensky. Aber: "Je stärker das finanzielle Engagement ausfällt, desto größer dürfte am Ende auch die Chance sein, dass die Kooperation zu einem Erfolg wird."

Banken sind die wichtigsten Fintech-Partner

Alles in allem zählt die zweite Auflage des Fintech-Kooperationsradars von PwC exakt 2.102 Fälle, in denen deutsche Finanz-Startups eine Kooperation mit einer Bank, einer Versicherung, einem sonstigen etablierten Unternehmen oder einem anderen Startup eingegangen sind. Zwischen 2013 (15 Fälle) und 2017 (521 Fälle) stieg die Zahl der neu vereinbarten Kooperationen exponentiell an, seitdem ist das Wachstum natürlicherweise abgeflacht. Im Jahr 2018 wurden 529 Kooperationen vermeldet und im Jahr 2019 waren es bis Ende Juli bereits 324.

Mit insgesamt 693 Fällen sind Banken laut PwC der eindeutig wichtigste Kooperationspartner von Finanz-Startups hierzulande. Versicherer kommen mit 354 Fällen deutlich dahinter. An dritter Stelle stehen Medienunternehmen mit 127 Fintech-Kooperationen. Das rührt daher, dass sich insbesondere die großen TV-Konzerne häufig über sogenannten Media-for-Equity-Deals an Startups beteiligen. In diesen Fällen fließt normalerweise kein Geld, sondern das Investment wird in Form von "kostenlosen" Werbezeiten getätigt.