Strompreise: Wer wenig verbraucht, zahlt mehr

Heidelberg - Die Strompreise der Grundversorgung sind in den letzten fünf Jahren deutlich angestiegen. Paradox: Wer wenig Strom verbraucht, zahlt nun vergleichsweise mehr. Der Grund dafür ist, dass vor allem der verbrauchsunabhängige Grundpreis angestiegen ist. Das hat eine Analyse der Tarifexperten von Verivox ergeben.

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Bild: Strommast und Windrad Bild: ©reimax16 / Adobe Stock / Text: Verivox

Unterschiedliche Entwicklung von Grundpreis und Arbeitspreis

Die meisten Stromtarife bestehen aus einem festen monatlichen Grundpreis, der unabhängig vom Verbrauch fällig wird, und einem Arbeitspreis pro verbrauchter Kilowattstunde (kWh). Der Fünf-Jahres-Vergleich zeigt: Der feste Grundpreis, der immer fällig wird, ist für alle Verbrauchstufen um etwa 25 Prozent angestiegen. Der Arbeitspreis pro Kilowattstunde ist hingegen nur um rund 5 Prozent gestiegen.

Das heißt: Je mehr Strom ein Haushalt verbraucht, desto geringer fällt die Steigerungsrate aus, da der teure Grundpreis weniger ins Gewicht fällt. Das wird anhand der Auswertung verschiedener Verbrauchsstufen in der Grundversorgung deutlich. Aktuell wird rund ein Drittel der deutschen Haushalte zu den Bedingungen der Grundversorgung beliefert.

Ein-Personen-Haushalte haben stärksten Strompreisanstieg

Bei einem Ein-Personen-Haushalt ohne elektrische Warmwasserbereitung (1.500 kWh) beträgt der Arbeitspreis im örtlichen Grundversorgungstarif heute im bundesweiten Durchschnitt 28,20 Cent pro Kilowattstunde. Anfang 2013 lag dieser Preis noch bei 26,98 Cent/kWh. Das entspricht einem Preisanstieg von rund 5 Prozent.

Der durchschnittliche Grundpreis hingegen ist im gleichen Zeitraum von jährlichen 86,35 Euro auf heute 108,12 Euro gestiegen. Das entspricht einer Erhöhung von rund 25 Prozent. Heute zahlt ein Single-Haushalt damit etwa 531 Euro für Strom – 8,2 Prozent mehr als noch im Januar 2013.

Je größer der Verbrauch, desto geringer die Teuerung

Der Anstieg der Grundkosten fällt weniger ins Gewicht, je höher der Verbrauch ist: Bei einem Jahresverbrauch von 6.000 kWh (zum Beispiel ein Vier-Personen-Haushalt mit elektrischer Warmwasserbereitung) stiegen die Gesamtkosten seit Januar 2013 nur um 5,6 Prozent.

Noch deutlicher wird das Phänomen bei einem sehr hohen Stromverbrauch von 10.000 kWh (Familie mit stromintensiven Installationen wie etwa Sauna oder Swimmingpool). Hier stiegen die Stromkosten von 2.868 Euro im Januar 2013 auf heute 2.933 Euro gerade einmal um 2,3 Prozent.

Warum steigen die Grundkosten? Netzbetreiber verändern ihre Gebührenstruktur

Der Hauptgrund für diese Entwicklung sind die Gebühren der Stromnetzbetreiber, die rund ein Viertel des Strompreises ausmachen. Sie geben den Trend vor, den Grundpreis stärker zu erhöhen als den Arbeitspreis, wie eine weitere Auswertung zeigt.

Die Grundkosten der Netzbetreiber sind in den letzten fünf Jahren um 62 Prozent gestiegen, während die Arbeitspreise nur um 3 Prozent gestiegen sind. Entsprechend ist die Preisentwicklung die verschiedenen Verbrauchsstufen: Die Netzgebühren der Geringabnehmer (1.500 kWh) stiegen seit 2013 um rund 22 Prozent, während die Preise für Großabnehmer (10.000 kWh) nur um 7 Prozent zulegten.

„Als Grund wird angegeben, dass so die Kosten gerechter verteilt werden würden. Eigenheimbesitzer, die selbst Strom produzieren und weniger Kilowattstunden aus dem Netz beziehen, sollen über den Grundpreis mit in die Pflicht genommen werden“, sagt Mathias Köster-Niechziol, Energieexperte bei Verivox. „Doch gleichzeitig werden dadurch Haushalte mit geringen Verbräuchen gegenüber Großverbrauchern benachteiligt.“

Wie können sich Verbraucher gegen diese Entwicklung wehren?

Da die Netzbetreiber eine regulierte Monopolstellung haben, können sich private Verbraucher diesen Gebühren nicht entziehen. Sie können sich jedoch für einen Stromtarif entscheiden, der insgesamt günstiger ist. Eine Familie mit einem Stromverbrauch von 4.000 Kilowattstunden, die bisher noch nie gewechselt hat, spart mit einem Wechsel in den günstigsten verfügbaren Tarif mit empfehlenswerten Bedingungen durchschnittlich 458 Euro ein.

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